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Flächen begrünen

Stadt Pforzheim setzt sich mit Folgen des Klimawandels auseinander

Pforzheim will sich um den Klimaschutz kümmern. Außerdem gibt es ein Konzept zum Umgang mit den Folgen, die der Klimawandel für Stadt und Bewohner hat. So sieht die Strategie aus.

Mit einem Klimafolgenanpassungskonzept wollen sie das Leben in der Stadt auch in Zeiten des Klimawandels nachhaltig und erträglich machen: Armin Aydt, Daniela Hohenwallner-Ries, Martina Maier und Sibylle Schüssler (von links). Foto: Stefan Friedrich

Pforzheim soll nachhaltig, grün und widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels werden. So sieht es die Strategie vor, die die Stadt in ein eigenes Konzept zur Klimafolgenanpassung gegossen hat. In den kommenden Wochen soll es in den kommunalen Gremien diskutiert werden, ein erstes Mal am 1. Juni im Planungs- und Umweltausschuss.

Vorab wurde das Konzept bereits bei einem Pressegespräch am Dienstagnachmittag mit Bürgermeisterin Sibylle Schüssler und Armin Aydt, Leiter des Amts für Umweltschutz vorgestellt. Aus Innsbruck per Video zugeschaltet waren Daniela Hohenwallner-Ries vom zuständigen Planungsbüro AlpS und Martina Maier vom Architekturbüro Snøhetta.

Der Zeitpunkt der Vorstellung passte ungewollt zu den Schlagzeilen, die ebenfalls am Dienstag über die Nachrichtenticker liefen: Die Erderwärmung um 1,5 Grad könnte laut Weltwetterorganisation schon 2026 erreicht sein.

Kommunale Infrastruktur in Pforzheim muss widerstandsfähiger werden

Auf diesen Umstand bezog sich auch Schüssler, als sie darauf verwies, dass es nun „umso wichtiger ist, dass wir heute ein Klimafolgenanpassungskonzept vorstellen.“

Es gehe nämlich längst nicht mehr nur um den Klimaschutz – „das müssen wir natürlich auch tun“ – sondern inzwischen vor allem auch um eine Anpassung an die Folgen der Erderwärmung, ganz besonders auch in der Stadt.

„Das hört sich so lapidar an, aber wir wissen alle, was die Auswirkungen sind“, betonte Schüssler: Dürren und Hochwasser zählen dazu.

Und auch die kommunale Infrastruktur müsse gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels widerstandsfähiger gemacht werden, damit der Lebens- und Wirtschaftsraum Pforzheim gesichert werden kann.

Asphalt soll zugunsten von Grünflächen zurückgebaut werden

In diesem Sinne habe man sich die Situation in Pforzheim angeschaut und drei große Bereiche identifiziert, die in einem gemeinsam mit der Stadtverwaltung ausgearbeiteten Maßnahmenkatalog berücksichtigt würden, erklärte Planerin Hohenwallner-Ries.

Ein großer Bereich ist dabei eine grün-blaue Infrastruktur, sprich: wo es möglich ist, sollen graue Flächen, also asphaltierte Flächen, rückgebaut und durch Bepflanzung ersetzt werden. Um die Wirkung gerade von Asphalt im Sommer wisse man ja, gab Schüssler zu bedenken: Bei starker Sonneneinstrahlung wird es noch heißer in der Stadt, als es ohnehin schon ist. Gewässer dagegen bringen Kühlung.

Kostenloses Trinkwasser für alle wird ein Thema sein.
Armin Aydt, Leiter Amts für Umweltschutz

Ein zweiter großer Bereich ist zudem das Thema Städteplanung, die mit Null-Energie-Gebäuden oder erneuerbaren Energien arbeitet. Dazu kommt die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung als dritter Schwerpunkt, so Hohenwallner-Ries.

Insgesamt wurden elf Handlungsfelder mit insgesamt 95 Klimafolgen „definiert oder erkannt, in denen Klimafolgenanpassungsmaßnahmen erfolgen“, so Amtsleiter Armin Aydt. Etwa die Hälfte dieser Klimafolgen hätten schließlich „eine gesellschaftliche Relevanz und eine zeitliche Dringlichkeit“. Deshalb habe man ein Paket aus insgesamt 55 Maßnahmen geschnürt, die nicht nur bereits angelaufene Projekte umfassen, sondern auch 22 neue Maßnahmen berücksichtigen. „Kostenloses Trinkwasser für alle wird ein Thema sein“, nannte Aydt einige Beispiele.

Pforzheim denkt darüber nach, Stelle für einen Klima-Manager zu schaffen

Der klimafitte Wald gehört ebenso dazu. „Da sind wir schon sehr gut aufgestellt in unseren Wäldern, aber das gilt es fortzuführen.“ Zugleich gehe es um klimaresiliente Gewerbegebiete und Quartiersentwicklungen, betonte Aydt.

„Hier sind wir auch schon auf dem Weg“ – etwa südlich des Hohbergs oder beim Sanierungsgebiet Altstadt.

Die jetzt vorgestellte Strategie, die in Kürze auch in vollem Umfang im Internet abgerufen werden kann, soll bewusst „kein Schubladenprojekt“ sein, versicherte Aydt. Es soll stattdessen ein Controlling installiert werden.

Das Bundesumweltministerium fördere diesbezüglich die Stelle eines Klimaanpassungs-Managers mit einem 90-prozentigen Zuschuss für drei Jahre. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Gemeinderat das Konzept absegnet. „Wenn die Stelle sich als notwendig und bewährt herausstellt, dann würden wir diese Stelle auch als dauerhafte Stelle bei uns im Stellenplan etablieren“, kündigte Aydt an.

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