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Stadttheater spielt auf dem Waisenhausplatz

Kulturelles Leben kehrt nach Pforzheim zurück: „Das ist heute ein bewegender Moment“

Nach monatelanger Zwangspause spielte das Stadttheater Pforzheim am Freitagabend auf der Open-Air-Bühne am Waisenhausplatz. Die Stimmung war gelöst. Dass es endlich wieder losgehen kann, kommt bei den Menschen gut an.

Endlich wieder Beifall klatschen: Künstlern und Publikum hat das am Stadttheater acht Monate lang gefehlt Foto: Stefan Friedrich

Das kulturelle Leben kehrt nach Pforzheim zurück – und irgendwie wirkte es am Freitagabend wie die Erinnerung an bessere Zeiten, die nun wieder von der Pandemie zurückerobert werden wollen, als das Stadttheater Pforzheim nach monatelanger Pause mit „Freedom“ seine erste Show auf der Open-Air-Bühne am Waisenhausplatz spielte.

Nur wenige freigebliebene Plätze, eine gelöste Stimmung unter den Zuschauern, optimale äußere Bedingungen und gut aufgelegte Künstler auf der Bühne gewährten einen Vorgeschmack auf das, was viele Menschen so schmerzlich vermisst haben.

Dass auch bei den Musikern die Lust auf die Bühne ungebrochen da ist, spürte man an diesem Abend schon lange vor Beginn der Show, als Sänger und Band bereits zwei Stunden vorher den Soundcheck durchführten. Besucher der Restaurants neben dem Open-Air-Gelände konnten so schon einmal mit den Ohren „reinschnuppern“, während der Bereich drinnen noch abgesperrt war.

Wer hinterm Stadttheater an der Enz entlang laufen wollte, der musste über die Brücke auf die andere Seite wechseln. Alles kein Problem, wie es schien. Zumal bei dem ein oder anderen auch die Neugierde geweckt war, was denn da hinter der Absperrung passieren würde. Dass das Stadttheater nach acht Monaten wieder Programm auf der Open-Air-Bühne anbieten wird, das hatte sich nämlich noch nicht überall herumgesprochen. Der ein oder andere hatte es erst bei den Damen an der Einlasskontrolle erfahren und sich an der Abendkasse flugs noch eine Karte gesichert.

Open-Air-Theater in Pforzheim weckt Neugier

„Viele Menschen auch mit Migrationshintergrund haben nachgefragt, was denn gespielt wird, ob man da Eintrittskarten braucht oder ob man auch so rein kann“, erzählt eine der Kontrolleurinnen, die ihren Namen lieber nicht nennen will, und bestätigt: „Das findet schon Anklang, auch beim Laufpublikum.“ Ihre Kollegin Daniela Schneider berichtet von ganz ähnlichen Erfahrungen vom Eingangsbereich auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes. „Ich hatte auch ein Paar, das sich kurzfristig entschlossen hat und reinkam.“

Die freuen sich alle, dass es jetzt wieder losgeht.
Daniela Schneider, Einlass-Kontrolleurin

Viele andere, die keine Karten mehr bekamen oder sich diese nicht leisten konnten, hörten einfach von außen zu, sei es direkt nebenan, sei es auf der anderen Seite der Enz, wo sich viele entspannt gegen das Geländer lehnten – mit Blick auf die Bühne. Die Stimmung bei den Leuten auf dem Gelände war ähnlich gelöst wie draußen. „Die freuen sich alle, dass es jetzt wieder losgeht“, weiß Schneider von den Gesprächen mit den Besuchern. Die meisten wussten zudem, wie sie sich laut Verordnung zu verhalten haben: Maske nur am Platz abnehmen. Nur ein Viertel etwa habe sich erst erkundigen müssen, wie das auf dem Gelände gehandhabt wird.

Schon kurz nach Öffnung hat sich dieses relativ zügig gefüllt. Reger Betrieb herrschte dabei auch am Getränkestand: „Endlich mal wieder“, bedankte sich eine Besucherin, als sie den bestellten Wein entgegennahm, zwei Rosé-Schorle. „Genießen Sie es“, rief ihr die Bedienung noch zu. Nur deren schwarze Handschuhe verrieten in dem Moment, dass die Normalität trotz allem noch nicht ganz zurück ist. Die Getränke gingen trotzdem sichtlich gut, bereits etwa zwanzig Minuten vor Beginn der Show, als sich die Sonne bereits hinter der westlichen Gebäudefront verabschiedete und der ein oder andere auf dem Gelände noch in einen Plausch mit Bekannten vertieft war.

Fast wie ein Neuanfang

Chefdramaturg Peter Oppermann nahm diese Eindrücke in sich auf, während auch er zwischen all den Besuchern flanierte. „Nach so vielen Monaten, in denen wir nicht spielen durften, ist das heute ein ganz bewegender Moment, zu sehen, wie sehr sich die Leute auf das Theater freuen und wie sehr das Theater in die Gesellschaft gehört.“ Dieser Abend sei für ihn daher fast so etwas wie ein Neuanfang. „Das erfüllt mich mit ganz großer Freude.“

Ähnlich sah es Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen. „Das sind großartige Gefühle. Wir waren wie ein Fisch auf dem Trockenen und jetzt sind wir genau da wieder, wo wir hingehören: Im Live-Betrieb und in der persönlichen Begegnung mit unserem Publikum.“

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