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Unter staureichsten Städte Deutschlands

Staustudie 2021: Weshalb Pforzheim im internationalen Vergleich nicht in Deutschlands Top-Ten liegt

Pforzheim befindet sich in der Inrix-Studie 2021 unter den staureichsten Städten in Deutschland. Ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt jedoch, dass sich nicht alles so verhält, wie die Statistik zunächst glauben macht, und im englischsprachigen Bericht rutscht Pforzheim vom fünften auf den elften Platz in ganz Deutschland.

In Pforzheim ergibt sich im Schnitt 44 Stunden Zeitverlust für einen Pendler, der im Auto unterwegs ist. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Dass Pforzheim gemeinsam mit Großstädten wie München, Berlin und Hamburg genannt wird, kommt eher selten vor. Anders bei der vor kurzem veröffentlichten Inrix-Statistik der staureichsten Städte in Deutschland. In dieser landete Pforzheim in diesem Jahr auf dem fünften Platz.

Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass sich nicht alles so verhält, wie die Statistik zunächst glauben macht, und im englischsprachigen Bericht der Statistik liegt Pforzheim statt auf dem fünften nur auf dem elften Platz in ganz Deutschland.

Inrix ist ein international arbeitender Verkehrsdatenanbieter, der Analysen zur Fortbewegung von Menschen anstellt. Berechnet werden die Daten nach Angaben des Anbieters aus verschiedenen anonymisierten Datensätzen.

In der deutschen Version des Statistik-Berichts heißt es dazu: „Inrix erfasst täglich Milliarden von anonymen Daten aus einer Vielzahl von Quellen wie vernetzten Fahrzeugen, Mobilgeräten sowie öffentlich verfügbare Informationen.“

Stadt Pforzheim stellt keine Daten zur Verfügung

Von der Stadt Pforzheim erhielten die Statistiker keine Daten, wie der städtische Pressesprecher Philip Mukherjee auf Anfrage mitteilt.

„Als Stadt haben wir bereits im Jahr 2018 darauf hingewiesen, dass dieses Ranking irreführend ist“, gab Pforzheims Baudezernentin Sibylle Schüssler (Grüne) über die Statistik zu bedenken. „Inrix erfasst alle Straßen im Umfeld beziehungsweise auf der jeweiligen Gemarkung einer Stadt“, so die Bürgermeisterin.

Diese Aussage stimmt bei der Berechnung zur Stau-Statistik allerdings nicht, wie der Inrix-Bericht zeigt. Darin steht: „Zur Berechnung des Zeitverlusts wurden in der Scorecard 2021 die Daten zur Geschwindigkeit bei Stoßzeiten und freier Fahrt für die verkehrsreichsten Pendelstrecken ausgewertet.“

Der Bereich, in dem die meisten Fahrten „aus den umliegenden Pendlervierteln in Gewerbe- und Bürozentren innerhalb der Metropolregionen und wieder zurück“ stattfinden, wird als „Pendlerzone“ bezeichnet.

Mit anderen Worten bedeutet das, Inrix analysiert die erfassten Straßen für seine Statistik zweimal zu unterschiedlichen Zeiten und vergleicht diese miteinander. Berechnet werden bei der Stau-Statistik aber nur die Straßen, die laut Inrix-Daten am meisten benutzt werden, um in die Stadt rein oder raus zu gelangen.

INF_ONLINE_Staustatistik_PF.jpg Foto: BNN

In Pforzheim zählt die Autobahn 8, die an der Stadt vorbei führt, beispielsweise zwischen der Anschlussstelle Pforzheim-Nord und der Anschlusstelle Ost zu den analysierten Strecken dazu. Der Pforzheimer Innenstadtring als Beispiel gehört jedoch nicht dazu, wie Mukherjee kritisiert.

Von Platz fünf auf elf im internationalen Vergleich

Ein Blick in den englischsprachigen Inrix-Bericht wirft nebenbei eine neue Frage auf. Dort steht Pforzheim plötzlich nicht mehr auf dem fünften Platz der staureichsten Städte in Deutschland, sondern nur noch auf dem elften.

Ebenso ist dies der Fall auf der Pforzheimer Detail-Seite im Internet. Die Antwort dazu liefert Philipp Hanke, der Pressesprecher für Inrix, auf Anfrage.

„Das amerikanische Ranking erfolgt nach dem sogenannten ‚Impact Rank’, bei dem die Größe der Städte ebenfalls mit gewichtet wird, da in größeren Städten mehr Autofahrer betroffen sind“.

Das deutsche Ranking hingegen erfolgt laut Hanke nur nach den Stauzeiten, um die Statistik verständlicher zu machen. Da Pforzheim selbst kleiner ist, als Städte wie Düsseldorf, Köln oder Stuttgart, rutscht die Goldstadt im englischsprachigen Bericht daher sechs Plätze weiter nach unten.

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