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Totensonntag in Pforzheim

Der Trend geht in Pforzheim zur Feuerbestattung

Der Totensonntag hat für viele eine besondere Bedeutung. Er regt auch dazu an, sich darüber Gedanken zu machen, wie man bestattet werden möchte. Ein Thema, das die meisten gerne von sich wegschieben.

Hauptfriedhof in Pforzheim
Trauer ist ganz individuell: Für manche ist es tröstlich, das Grab eines verstorbenen Angehörigen – etwa auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof – zu besuchen. Foto: Torsten Ochs

Für Joachim Beiser hat der Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt wird, eine ganz besondere Bedeutung.

Er sei ein Tag, um bewusst an verstorbene Angehörige zu denken – und an Menschen, die durch Krieg und Verfolgung ums Leben gekommen sind, sagt der Angestellte im Bestattungsgewerbe.

Im Pforzheimer Bestattungshaus berät Beiser Kunden und zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, um jemandem die letzte Ehre zu erweisen. „Wir sind auch für die Seele da“, sagt er. Und seine Kollegin, die gelernte Bestattungsfachkraft Adrienne Baier, hat die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, den Kunden zuzuhören, da diese oft über ihr Leid sprechen möchten.

Wir sind auch für die Seele da.
Joachim Beiser, Angestellter im Bestattungsgewerbe

Baier findet es schade, dass das Thema Tod und Sterben in der Gesellschaft meist „totgeschwiegen“ wird. „Wer offen darüber spricht, verliert die Angst davor“, sagt die Bestattungsfachkraft. Sie findet, dass man sich früh mit dem Thema auseinandersetzen und festlegen sollte, wie man bestattet werden möchte.

Bestattungswald am Friedhof in Büchenbronn
Wird gut angenommen: Der Bestattungswald am Friedhof in Büchenbronn. Insgesamt geht der Trend in Pforzheim weg von der traditionellen Erdbestattung. Foto: Torsten Ochs

Feuerbestattungen hätten Erdbestattungen in Pforzheim schon lange zahlenmäßig überholt und auch die Zahl der Bestattungen insgesamt sei leicht gestiegen.

Für Beiser hängt das damit zusammen, „dass es immer mehr alte Menschen gibt“. 948 Personen wurden 2021 auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof und 627 Personen auf den anderen Friedhöfe der Stadt beerdigt, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.

Mehr Feuerbestattungen als Erdbestattungen

Insgesamt gehe der Trend weg von der traditionellen Erdbestattung, weil viele Angehörige beruflich mobil sein müssen, sich nicht um das Grab kümmern können und die Pflege bei anderen Bestattungsformen einfacher sei. Stark angenommen werde daher auch der Bestattungswald am neuen Friedhof in Büchenbronn.

Gute Resonanz auf Interkulturelles Grabfeld

Als Bestatter geht Beiser auch auf die Wünsche von Kunden aus anderen Kulturkreisen ein, die oft unterschiedliche Traditionen und Bräuche haben.

Beeindruckt hat ihn die Beerdigung des gebürtigen Kameruners Bruder Martin, die von Trommlern in bunten Gewändern begleitet wurde. Das Interkulturelle Grabfeld auf dem Hauptfriedhof werde sehr gut angenommen, bestätigt die Stadt. Seit der Einweihung im September 2021 wurden 61 von möglichen 194 Grabstätten verkauft.

Das Grab tut den Leuten gut.
Andreas Missenhardt, Steinbildhauermeister

Was die Grabgestaltung angeht, so wollen viele Kunden einen individuell gestalteten Grabstein, sagt der Pforzheimer Steinbildhauermeister Andreas Missenhardt. Oft seien die Steine mit Symbolen versehen, also einem Notenschlüssel aus Edelstein für einen musikalischen Menschen oder farbiges Glas für jemanden, der gerne gemalt hat.

„Es ist eine sensible Arbeit“, sagt Missenhardt. Denn das Grab sei „das letzte Sichtbare des Verstorbenen“. Und für Angehörige, die weggezogen sind, auch der letzte Bezugspunkt zur Familie und ihrem Ursprung. „Das Grab tut den Leuten gut“, hat Missenhardt festgestellt.

Vor allem in der Corona-Zeit sei es für viele eine Erholung gewesen, auf dem parkähnlichen Hauptfriedhof, „der grünen Lunge Pforzheims“, spazieren zu gehen.

Wie jemand mit Tod und Trauer umgeht, ist ganz individuell. Es gibt kein Richtig oder Falsch.
Sabine Heinz, Therapeutin und Trauerbegleiterin

Ein Besuch auf dem Friedhof kann Trost spenden, sagt auch Sabine Heinz, systemische Therapeutin und Trauerbegleiterin aus Pforzheim. Manche Trauernde besuchen das Grab eines geliebten Menschen täglich, während andere Friedhöfe ganz meiden. „Wie jemand mit Tod und Trauer umgeht, ist ganz individuell. Es gibt kein Richtig oder Falsch“, sagt Heinz.

Für die ältere Generation spielen Religion und Rituale eine größere Rolle als für jüngere Menschen. Dennoch gebe es viele, die sich mit Tod und Sterben nicht befassen wollen, bestätigt Heinz: „Dabei gehört der Tod einfach zum Leben.“

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