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Digitale Bilanzpressekonferenz

Volksbank Pforzheim kündigt Negativzinsen an – noch gibt es keine Kreditausfälle

Die Volksbank Pforzheim will nicht länger die Zinslast für große Geldbeträge ausgleichen. Sie kündigt Negativzinsen bei der Präsentation der 2020er-Bilanz an. Ein Schlaglicht auf die Zukunft ist auch, dass der Vorstand mit einem weiteren Austrocknen der Einkaufszonen rechnet.

Volksbank Pforzheim im Wandel: Der Vorstand prognostiziert eine dauerhaft veränderte Einkaufszone durch die Pandemie. Foto: Volksbank Pforzheim

Der Online-Handel wird die Einkaufszonen in den Innenstädten austrocknen. Dies ist die harte Realität, die Pforzheims Volksbankchef Jürgen Zachmann in Worte fasst. Er kündigt bei der Bilanzpressekonferenz seines Hauses zudem Negativzinsen für Kunden an, die mehr als 100.000 Euro bei der Bank geparkt haben.

Das Jahr hat laut Zachmann ein „solides Geschäftsergebnis gebracht“. Gesamtwirtschaftlich drücke die Pandemie die Konjunktur zwar weniger stark als befürchtet. Aber es gebe „existenzielle Probleme – Gastronomie, Einzelhandel, Reisebranche“. Corona sei wie ein Brandbeschleuniger: „Es ist erschreckend. Was das analoge Warenhaus war, ist heute Amazon.“

Die Einschätzung garniert ein Zahlenwerk der Bank, in dem zumindest noch „keine Kreditausfälle“ durch Corona zu verbuchen waren. Stundungen hätten jedoch „unglaublich Fahrt aufgenommen“, wie Vorstandmitglied René Baum sagt. Es steht auch ein Superlativ in der Bilanz: Die Volksbank hat erstmals die Bilanzsumme von drei Milliarden Euro geknackt.

Dieses mit „ganz besonderem Stolz“ vorgetragene Ergebnis basiere ausschließlich auf dem Kredit- und Anlagengeschäft mit Kunden, legt Vorstandsmitglied Ralf Günther-Schmidt dar. Das Eigengeschäft sei reduziert worden, liegt um eine halbe Milliarde unter dem Wert von 2016.

Starke Verunsicherung durch Corona

Wie stark ab März die Verunsicherungen waren, zeigen für die Bank rund 190.000 Anrufe im neuen Kundenberatungscenter am Hauptsitz. Zeitweise habe es 1.000 Anrufe am Tag gegeben, sagt Zachmann. Die Kundschaft wollte wissen, ob Wertpapier- und andere Bankgeschäfte trotz Corona funktionieren. Außerdem sei bei den Aktienumsätzen ein neuer Höchststand erreicht worden.

Daneben verbuchten die Pforzheimer Zuwächse von 9,2 Prozent auf Kredite im Wert von 2,2 Milliarden Euro. Allein bei der Immobilienfinanzierung gebe es ein Plus von 11,8 Prozent. Der gewerbliche Anteil liege bei 55 Prozent, erläutert Baum. Insgesamt seien 465 Millionen Euro neuer Kredite zugesagt worden. Auch 83 Existenzgründer bekamen Geld. Dank des Eigenkapitals von 280 Millionen Euro habe man „ein gutes Polster für Wachstum“.

Negativzinsen kommen

Als Vertrauensbeweis, aber auch Kostentreiber, sieht der Volksbank-Vorstand das Sparverhalten. 3,54 Milliarden Euro hätten die Kunden bei der Volksbank angelegt, ein Anstieg um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Die hohen Mittelzuflüsse sind auf Dauer nicht zu verkraften.“ Deshalb werde bei sechs- bis siebenstelligen Sichteinlagen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Liquidität und langfristigen Anlagen angestrebt. Es geht um Lösungen, die für beide Seiten gut sind, so Baum. „Neukunden, die ihr Geld nur parken wollen“, müssten ab 100.000 Euro mit 0,5 Prozent Minuszinsen rechnen.

Wie stark die Niedrigzinsphase ins Kontor schlägt, macht Günther-Schmidt deutlich. Seit 2016 habe die Volksbank rund zehn Millionen Euro eingebüßt. Dies werde durch Gebühren für Dienstleistungen ausgeglichen. Außerdem habe die Bank im gleichen Zeitraum die Verwaltungskosten um rund zwei auf 46,9 Millionen Euro gesenkt.

Dass das Grenzen hat, macht Günther-Schmidt an den Ausgaben für mobile Arbeitsplätze deutlich. Die Volksbank hatte 30 homeofficefähige Ausrüstungen als das Coronavirus auftauchte, jetzt seien es 140.

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