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Großbank neuen Typs

Von Forbach bis in den Enzkreis: Volksbanken geben Fusions-Druck nach

Die Fusion der Volksbanken Pforzheim, Karlsruhe Baden-Baden und der VR-Bank Enz plus soll der Kundschaft ein stabiles Filialnetz und neue Produkte bringen. Auch die Arbeitsplätze sollen attraktiver werden.

Das Einzugsgebiet der künftigen Großbank hängt hinter Matthias Hümpfner, Jürgen Zachmann und Jürgen Wankmüller (von links) als sie das Fusionsprojekt präsentieren. Foto: Edith Kopf

Die Volksbank Pforzheim arbeitet gemeinsam mit der frisch fusionierten Volksbank Karlsruhe Baden-Baden und der VR-Bank Enz plus an einem neuen Superlativ.

Wenn alles gut geht mit den am Montag von den drei Aufsichtsräten einstimmig auf den Weg gebrachten Fusionsverhandlungen, wird die größte Genossenschaftsbank in Baden-Württemberg entstehen.

Darüber informieren die Vorstandsvorsitzenden Jürgen Zachmann für Pforzheim, Jürgen Wankmüller für Remchingen und Matthias Hümpfner an Stelle des erkrankten Andreas Lorenz für Karlsruhe.

Aber die schiere Größe mit einer Bilanzsumme von dann elf Milliarden Euro ist nicht der Kern der Anstrengung, die die Bankchefs stemmen wollen. „Es geht nicht um einfach um eine Fusion“, betont Zachmann und grenzt sich damit indirekt auch von den erfolglosen Sondierungsgesprächen mit Karlsruhe im Jahr 2016 ab.

Bankchefs ergreifen einmalige Chance

Jetzt ergreife man „die einmalige Chance, eine ganz neue Bank zu bauen“. Es bewegten sich „ähnlich wie in Berlin vier fast gleich große Partner aufeinander zu“.

Für Kundschaft, Mitarbeiter und die Region ergeben sich daraus nach Darstellung der drei Verantwortlichen nur Vorteile. Sieht man von Niefern ab, wo die VR-Bank Enz plus und die Volksbank Pforzheim eine Niederlassung haben, werde sich am Filialnetz nicht nur nichts ändern – im Gegenteil „es wird sicherer und fester“ durch eine größere Zahl von Kunden, verspricht Zachmann.

Beratungen sind zum Online-Thema geworden

Sollte es um eine Beratung gehen, dann könne man in Zukunft durch die große Zahl von 1.400 Mitarbeitenden noch spezialisierter agieren als bislang. Corona bringe mit sich, dass das nahezu selbstverständlich zu einem Online-Thema geworden sei.

Auch der von Hümpfner hervorgehobene starke Mittelstand in Pforzheim und im Enzkreis könne darauf vertrauen, dass „Regionalität weitergelebt wird“. An beiden Standorten werde es weiter Vorstände geben, so Zachmann. Als Plus kommt laut Wankmüller hinzu, dass Remchingen-Vorstandsmitglied Ulf Meißner, „eine höhere Kompetenz auch bei den Summen haben wird“ als bislang.

Wettbewerber sind die Banken, die am wenigsten regionale Nähe haben.
Jürgen Zachmann, Volksbank Pforzheim

Treiber bei dem Fusionsprozess, den die Verantwortlichen der VR-Bank Enz plus bereits im Juni angestoßen haben, „ist der immer größer werdende Druck auf Banken“. Zachmann beschreibt hier beispielhaft, dass Pforzheim gerade einen sechsstelligen Betrag in das digitale Pilotprojekt Smart Data investiere. Eine vergleichbar große Summe für Robotics sei notwendig, aber nicht da. Daran werde aber in der Volksbank Karlsruhe gearbeitet.

Banken befinden sich durch Digitalisierung im Umbruch

Der von Zachmann mehrfach betonte fundamentale Umbruch durch die Digitalisierung bringe überdies mit sich, dass die Konkurrenz nicht mehr unbedingt vor Ort zu sehen sei. „Wettbewerber sind die Banken, die am wenigsten regionale Nähe haben.“ Zachmann unterstreicht dies mit einem Hinweis auf den Versandhändler Amazon, der morgen schon mit Finanzprodukten handeln könne.

Haus mit 40 altersgerechten Wohnungen wird gebaut

Finanziell erstrecken sich die Fusionshoffnungen auch auf eine höhere Wertschöpfung durch neue Produkte. Zachmann nennt hier Immobilienverwaltung, Testamentsbetreuung und Vorsorgethemen. Auch Investitionen in eigene Immobilien würden ausgeweitet – konkret gehe es derzeit um ein Haus mit 40 altersgerechten Wohnungen im genossenschaftlichen Modell.

In Pforzheim gehen die Verantwortlichen davon aus, dass ihre „sehr erfolgreiche Vermögensverwaltung aufs gesamte Fusionsgebiet ausgeweitet wird“. Wankmüller kündigt an, die bei der VR Bank Enz plus installierte Kompetenzcenter-Konzeption werde zu einer Blaupause für die künftige Großbank.

Arbeitsplätze würden durch größere Einheiten attraktiver

Eine sorglose Zukunft skizzieren die Bankchefs für ihre Mitarbeitenden. Sie betonen unisono, die Arbeitsplätze würden durch größere Einheiten attraktiver. Außerdem bringe die Größe des künftigen Hauses und des Geschäftsgebiets mehr Entfaltungsmöglichkeiten.

50 Angehörige gehen in den Ruhestand

Damit will die noch namenlose Großbank auch beim Nachwuchs punkten. Allein in Pforzheim gehen kommendes Jahr 50 Angehörige der so genannten Babyboomer-Generation in den Ruhestand, unterstreicht Zachmann die Bedeutung attraktiver Arbeitsbedingungen. Die demografische Herausforderung war laut Hümpfner auch bei der zum 1. Juli abgeschlossenen Fusion der Volksbank Karlsruhe mit Baden-Baden ein wesentlicher Punkt.

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