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Baum hat 230 Kilometer zurückgelegt

Pünktlich um zehn kam der Baum aus Frankreich in Pforzheim an

Die Stadt La Bresse in den Vogesen hat in diesem Jahr den Weihnachtsbaum gesponsert, der am nordwestlichen Ende des Pforzheimer Marktplatzes Hoffnung in turbulenten Zeiten schenken soll.

Der Baum schwebt ein: Mithilfe eines Lastkrans wird er von der Ladefläche des LKW an seinen Platz gebracht Foto: Stefan Friedrich

Pünktlich um zehn Uhr war er da, der weiße Lastkraftwagen aus der französischen Stadt La Bresse. Auf seine Fracht haben viele Pforzheimer schon gewartet: Er hatte eine Tanne aus den Vogesen geladen, die in diesem Jahr den Marktplatz als Weihnachtsbaum zieren wird.

Es ist ein Geschenk des Vereins „Les Amis de Pforzheim“, ein Zeichen von Verbundenheit und Freundschaft, aber auch der Hoffnung in diesen Zeiten voller Ungewissheit.

Eine solche Ungewissheit betraf am Montagmorgen auch den Weihnachtsmarkt: findet er statt oder wird er doch abgesagt? Der Baum war kaum aufgestellt, da tagte direkt nebenan auch schon der Verwaltungsstab, um das zu besprechen, während Marktmeister Marc Pfrommer – er war einer von vielen Besuchern, die das Aufstellen der Tanne verfolgt haben – darauf hoffte, „dass wir den Markt normal durchführen können, natürlich unter den geltenden Beschränkungen“.

Baum hat 230 Kilometer zurückgelegt

Als Alex Azvedo im Lkw gemeinsam mit Laurent Pierrat, Stadtrat von La Bresse, und Jean Luc Arnould im Begleitfahrzeug gegen 5.30 Uhr losfuhren, lag zumindest diese Entscheidung gefühlt noch weit weg.

Von den Hochvogesen aus haben sie sich auf dem Weg gemacht. La Bresse, erklärt Arnould, sei ein Wintersportort etwa 230 Kilometer von Pforzheim entfernt, der ähnlich viele Tannen habe wie der Schwarzwald.

Die Fahrt nach Pforzheim sei an diesem Morgen reibungslos verlaufen, versichert er. Nur das Begleitfahrzeug sei an einer Kreuzung versehentlich mal geradeaus gefahren, statt links abzubiegen. „Aber jetzt ist alles in Ordnung“, sagt Arnould – und meint damit auch den Baum, der seinen Platz am nordwestlichen Ende des Marktplatz gefunden hat.

Geschlagen wurde er bereits am 9. November, ein symbolträchtiges Datum. An diesem Tag, genau 77 Jahre zuvor, wurden etwa 600 Männer im Alter zwischen 16 und 60 Jahren nach Pforzheim deportiert, wo sie als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden.

Nach einer halben Stunde stand der Baum

Etwas über eine halbe Stunde hat es gedauert, bis der Baum am Montagmorgen an dem ihm zugedachten Platz stand. Präzisionsarbeit war dabei gefragt. Mit einem Lastkran musste der Baum zunächst vorsichtig von der Ladefläche des Lkw gehoben werden, dann waren die Mitarbeiter der Technischen Dienste gefragt.

Der Stamm wurde ausgemessen, fast eine Millimeterarbeit. Was an Stammholz zu viel war, wurde mit der Kettensäge abgetrennt. Erst dann war alles bereit, die Tanne aufzustellen und zu befestigen. Begleitet wurde diese Aktion von zahlreichen Passanten. Viele hatten ihre Smartphones gezückt und schossen Erinnerungsfotos, auch wenn der Baum selbst im Moment natürlich noch relativ nackt dasteht. Rechtzeitig zur Adventszeit wird er aber bunt geschmückt sein.

An Weihnachten rückt man zusammen und denkt aneinander.
Monika Finna, Koordinatorin der Städtepartnerschaften

„An Weihnachten rückt man zusammen und denkt aneinander“, betont Monika Finna, Koordinatorin der Städtepartnerschaften, in diesem Kontext. Zugleich stehe Weihnachten für Frieden und Versöhnung, genauso wie der Baum, der „als Geste der Freundschaft für die engen Beziehungen zwischen La Bresse und Pforzheim“ zu sehen ist.

Die Idee zu diesem einmaligen Geschenk hatte der neue Vorsitzende des Vereins „Les Amis de Pforzheim“, Christian Claudel. Maryvonne Crouvezier, Bürgermeisterin von La Bresse, hatte diese Idee sofort begeistert aufgenommen und alles weitere in die Wege geleitet, auch wenn sie selbst am Montag bei der Aufstellung nicht persönlich dabei sein konnte. Dafür hatten die angereisten Mitglieder des Vereins eine kleine Überraschung im Gepäck.

Der große Baum, betont Arnould im Gespräch mit unserer Redaktion, sei zwar ein Geschenk der Stadt gewesen, „aber wir haben natürlich auch viele kleine Geschenke dabei“, genauer gesagt: kleine Tannen und frisches Baguette, „weil wir wissen, dass die Deutschen französisches Brot mögen.“

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