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Segen und Überraschungstüte

Mobiles Angebot in der Pforzheimer Nordstadt: An Weihnachten kommt Kirche zu den Menschen

Weil die Thomaskirche unter Pandemiebedingungen für maximal 45 Menschen Platz gehabt hätte, war man an Heilig Abend mit einem kleinen Truck durch die Nordstadt unterwegs. An fünf Stationen hielt Pfarrerin Ruth Nakatenus eine kurze Andacht

Die Friedensgemeinde war an Heilig Abend mit einem mobilen Angebot in der Nordstadt unterwegs. Foto: Stefan Friedrich

Kurz vor 16 Uhr bog er am Heilig Abend von der Güterstraße aus kommend auf die Zähringerallee ein, der Weihnachtstruck der evangelischen Friedensgemeinde Pforzheim, der an Heilig Abend zu den Menschen kommen wollte, die nicht in die Kirche gehen konnten.

„Simply having a wonderful christmastime“ schallte es da bereits mit Paul McCartney aus den Lautsprecherboxen auf dem Hänger, direkt neben dem mit weihnachtlichen Lichterketten verzierten Christbaum, während Pfarrerin Ruth Nakatenus und mehrere Gemeindeglieder bereits gespannt vor der Goldenen Pforte gewartet haben.

Es war die erste von insgesamt fünf Stationen, an denen der Truck innerhalb von gut zweieinhalb Stunden Station machte, um Weihnachten in die Nordstadt zu bringen. Im Halb-Stunden-Takt fuhr er von der Nibelungenstraße weiter bis zur Hachelallee und über den Kutscherweg zurück zur Thomaskirche.

Wir wollten das eigentlich im letzten Jahr schon machen.
Ruth Nakatenus, Pfarrerin

„Wir wollten das eigentlich im letzten Jahr schon machen“, erzählt Nakatenus im Gespräch mit unserer Redaktion, gewissermaßen als weihnachtliches Angebot inmitten einer Pandemie. „Da war dann der Lockdown und da durften wir nicht dazu anregen, dass Leute sich versammeln.“

Deshalb hat man im vergangenen Jahr zunächst noch darauf verzichtet. Die Pandemie ist allerdings auch jetzt noch präsent, doch anders als damals sind solche Versammlungen draußen jetzt erlaubt.

„Deshalb haben wir uns gedacht: Jetzt oder nie“, verrät Nakatenus. Sie sieht diese Aktion allerdings als hoffentlich einmaliges Angebot, das alleine Corona geschuldet ist. „Unsere Kirchen sind klein und wir müssen zwei Meter Abstand zwischen den Stühlen halten.“ Bei ihnen in der Thomaskirche heißt das: maximal dürfen dort 45 Menschen gleichzeitig Gottesdienst feiern.

Gerade an Heilig Abend, wenn das Interesse an einem Gottesdienstbesuch natürlich besonders groß ist, reicht das bei weitem nicht aus. „Wir wollten aber auch niemanden wegschicken“, so Nakatenus. „Also haben wir uns gedacht: wenn die Leute nicht zur Kirche kommen können, dann kommt die Kirche zu den Leuten.“

Die Idee des Weihnachtstrucks kam gut an

Schon bei der ersten Station öffnete sich das ein oder andere Fenster in den Häusern nebenan. Einige waren auch trotz des Regens persönlich vorbeigekommen. Und selbst auf dem Dach der Seniorenresidenz gegenüber lauschten ein paar Zuhörer, die am Ende der kurzen Andacht – eingebettet in musikalische Beiträge von Teilen des Posaunenchors und Leon Meyer - Applaus spendeten.

Die Idee des Weihnachtstrucks kam offenkundig gut an. Geschmückt worden ist dieser bereits am Tag zuvor, „in Eiseskälte“, ist Nakatenus dankbar für das Engagement aller Beteiligten.

Während die meisten anderen sich am Freitag überraschen lassen mussten, wie der Weihnachtstruck wohl aussehen würde, hat die Pfarrerin der Friedensgemeinde „gestern schon mal gespickelt“, lacht sie, „als ich ihnen Kaffee vorbeigebracht habe, weil es so schweinekalt war.“ Trotzdem war es auch für sie „spannend und aufregend“ den geschmückten Hänger im Einsatz zu sehen. Sogar für Glockenläuten vom Band war gesorgt.

Bei der ersten Station gab es dieses allerdings auch in live: Während man gerade zusammen „O du fröhliche“ sang, läuteten die Glocken der Schlosskirche nicht weit entfernt den Heiligen Abend ein.

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