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Zwei Tests pro Woche für das Personal

Wiedereröffnung der Pforzheimer Kitas und Grundschulen: Elternvertreter befürchten Chaos

Ab Montag öffnen die Kindergärten schrittweise. Das Personal soll zweimal pro Woche getestet werden. Elternvertreter rechnen allerdings vor, dass das logistisch schon gar nicht möglich ist und hoffen auf den Impfstoff

Am Ende führt nur ein Impfstoff aus dem Chaos um Testungen beim Personal von Kindergärten und Schulen, befürchten die GEB-Vorsitzenden Valerie von Schilling (links) und Tina Bonk . Foto: Stefan Friedrich

Ab kommenden Montag sollen die Kindergärten wieder geöffnet werden: in der Regel zuerst für die Vorschulkinder, ab Mittwoch dann auch für den mittleren Jahrgang und ab 1. März schließlich für alle Kinder. Angeboten wird dann ein Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen. Das Personal soll zweimal pro Woche getestet werden. So sieht es jedenfalls das Konzept des Landes vor, das auch in Pforzheim umgesetzt wird. Elternvertreter halten jedoch wenig davon – Probleme seien programmiert.

Um ausreichend Tests zur Verfügung zu haben, hat die Stadt Pforzheim zwar 32.000 Antigen-Schnelltests aus der Notreserve des Landes bestellt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Schnelltests, die man selbst nutzen kann, wie das beispielsweise in Tübingen gehandhabt wird. Diese Tests muss zwingend eine eingewiesene Person vornehmen, teilt die Stadt in einer Presseerklärung mit, sprich: Apotheker und Ärzte.

Wie praktikabel dieses Modell allerdings im Alltag ist, daran gibt es bereits Zweifel. Ob die Verantwortlichen wirklich durchgerechnet haben, wie viele Menschen getestet werden müssten, das frage sie sich schon, räumt Tina Bonk ein, Gesamtelternbeiratsvorsitzende der evangelischen Kindergärten. „Das sind ja nicht nur Lehrer und Erzieher, sondern auch Azubis, Schulsozialarbeiter und Hauswirtschafter.“

9.000 Tests pro Woche in Pforzheim - ist das zu schaffen?

Wie viele Menschen es genau betrifft, das hat Valerie von Schilling, GEB-Vorsitzende bei den städtischen Kindergärten, einmal nachgerechnet. „Wir reden von 4.500 Personen, die getestet werden müssen innerhalb von Pforzheim“, erklärt sie. Das wären pro Woche 9.000 Tests verteilt auf fünf Apotheken und die hier ansässigen Ärzte. Alleine die Apotheken wären folglich 45 Tage lang damit beschäftigt, das Personal durchzutesten, so von Schilling. Vorausgesetzt natürlich, es machen alle mit. Ob das der Fall sein wird?

Carmen Treftz, Leiterin des Kindergartens in der Hochkopfstraße, ist eine der wenigen, die bei dem ganzen Organisationsaufwand momentan überhaupt Zeit für ein Gespräch mit der Presse hat. Die Berechtigungsscheine haben sie und ihre Kollegen zwar schon bekommen, erzählt sie. „Ich glaube aber nicht, dass sich jeder zwei Mal testen lassen wird.“ Der Aufwand sei einfach viel zu hoch und die Mitarbeiter würden im Endeffekt ja auch in den Kitas gebraucht, nicht in Wartezimmern von Ärzten.

„Es wäre einfacher, wenn jemand zu uns in die Einrichtung kommt und alle testet“, ist deshalb ihr Vorschlag. Die Bereitschaft des Personals wäre dafür vorhanden. Auch die Elternvertreter halten das für ein gutes Modell. Was offenbar fehlt, ist jedoch das geschulte Personal, das testen darf, gibt von Schilling zu bedenken.

Aus Gesprächen mit der Stadt wisse sie, „dass man sich der Problematik schon bewusst ist und versucht, Lösungen zu finden.“ Der trägerübergreifende Gesamtelternbeirat hat sich dennoch bereits positioniert und stellte diese Woche öffentlich die Frage: „Warum sollte ein Vorgehen, das in Tübingen und Reutlingen funktioniert, nicht auch in Pforzheim funktionieren?“

Weitere Konzepte liegen auf dem Tisch

Das Tübinger Modell wäre eben niederschwellig gewesen, erklärt Bonk, auch wenn sie die rechtlichen Bedenken daran natürlich versteht. So herrscht bei vielen Eltern allerdings die große Befürchtung, dass sich zu wenige testen ließen, weil es zu umständlich sei.

Dabei liegen weitere Konzepte durchaus auf dem Tisch, unter anderem von der Landeselternvertretung. „Die Frage ist, warum mahlen die Mühlen immer so langsam?“, bemerkt Bonk. Und warum mache gefühlt jeder Träger eigentlich sein eigenes Ding? „Das ist auch wieder so ein riesen Ärgernis.“ Die Hoffnung auf einen Ausweg aus der Situation liegt auf den Impfstoffen. Zumindest einer sei mit Astrazeneca verfügbar – auch wenn er nur bis 65 Jahre gespritzt werden soll.

Er könnte folglich Erziehern und Pädagogen verabreicht werden, schlägt Bonk vor, begleitet natürlich von einer umfassenden Aufklärung. Dafür wäre dann allerdings das Land zuständig. Die Stadt wiederum kümmert sich derweil um die kommunalen Abläufe und weist auf eine Sache hin: Wenn die Kindergärten ab März wieder für alle geöffnet haben, werden auch die Elternbeiträge entsprechend der seit Anfang des Jahres geltenden neuen Satzung fällig. Bis Ende Februar sollen Beiträge dagegen nur für die Inanspruchnahme der Notbetreuung erhoben werden.

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