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Ein Nachruf

Pforzheim trauert um Bruder Martin: Er starb wohl nach einer Coronavirus-Infektion

Bruder Martin ist tot. Für viele Menschen in Pforzheim ist der Geistliche das Gesicht Afrikas. Mit dem traditionellen Afrika Festival im Enzauenpark machte er die Stadtgesellschaft mit Kultur und Tradition seines Heimatkontinents vertraut. Martin Ngnoubamdjum starb 74-jährig nach einer Lungenerkrankung - vermutlich infolge einer Coronavirus-Infektion.

Bruder Martin (links) ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Der aus Kamerun stammende Geistliche engagierte sich als in vielfältiger Weise als Mittler zwischen den Kulturen. Foto: Wacker

Bruder Martin ist tot. Für viele Menschen in Pforzheim ist der Geistliche das Gesicht Afrikas. Mit dem traditionellen Afrika Festival im Enzauenpark machte er die Stadtgesellschaft mit Kultur und Tradition seines Heimatkontinents vertraut. Martin Ngnoubamdjum starb 74-jährig nach einer Lungenerkrankung - vermutlich infolge einer Coronavirus-Infektion.

Voll sprühender Lebensfreude, mit viel Herz besonders für seinen Heimatkontinent Afrika und einem breiten, fröhlichen Lachen, mit dem er Menschen in seiner Umgebung für sich einnahm: So kannte man in Pforzheim Bruder Martin, wie Martin Ngnoubamdjum liebevoll genannt wurde.

Gebürtiger Kameruner mit 74 gestorben

Jetzt ist der gebürtige Kameruner im Alter von 74 Jahren überraschend gestorben, an einer Lungenerkrankung, wie seine Familie mitteilt. Vermutlich als Folge einer Infektion mit dem Coronavirus.

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Er gab Afrika ein Gesicht und eine Stimme

Der Mann mit dem für deutsche Zungen schier unaussprechlichen Namen hat wie kein anderer in Pforzheim Afrika ein Gesicht gegeben und eine Stimme, die nicht nur in Kirchenkreisen und unter Kulturschaffenden gehört wurde. Mit den von ihm initiierten Afrika Festival machte der Geistliche viele Menschen der Stadtgesellschaft und darüber hinaus neugierig auf eine fremde Welt.

Alljährliches Festival im Enzauenpark

Darunter war manch einer, für den Afrika und dessen Probleme zunächst sehr weit weg schienen. Begleitet vom rhythmischen Schlagen seiner Trommel, auf der er oft spielte, bot Bruder Martin im Enzauenpark eine Bühne für gegenseitiges Kennenlernen und Austausch.

Beitrag zum besseren Verstehen

Bei diesen alljährlichen Sommerfesten im Enzauenpark mit viel Livemusik, ökumenischem Gospelgottesdienst, Modenschau und kulinarschen Leckereien zeigte sich auch Bruder Martins besondere Fähigkeit, die darin bestand, Menschen zusammenzubringen. Einen Beitrag zu leisten zum besseren Verstehen der afrikanischen Kulturen, Religionen und Traditionen – so wie es sich der von Martin Ngnoubamdjum gegründete Verein Afrika Präsenz zum Ziel gesetzt hat. Ein weiteres liegt darin, Vorurteile abzubauen zwischen Menschen afrikanischer und europäischer Kultur.

So war Bruder Martin auch bei den vom städtischen Kulturamt ausgerichteten interkulturellen Veranstaltungen gerne gesehener wie gerne gehörter Gast und Redner. Er machte mit und er mischte sich ein.

Das Bewusstsein für die "Eine Welt" geschärft

„Es war ihm ein Anliegen, uns immer die ,Eine Welt’ ins Bewusstsein zu rufen, uns zu zeigen, dass wir alle verbunden sind und es uns daher nicht egal sein kann, wie es den Schwestern und Brüdern in Afrika geht“, sagt Christiane Quincke, die Bruder Martin Mitte der 90er-Jahre in ihrer Zeit als Vikarin in Huchenfeld kennen lernte und seither in vielen Bereichen mit ihm zusammenarbeitete. Die Dekanin erlebte den Verstorbenen als mahnende Stimme, verbunden mit Lebensfreude und Lebensmut. „Er hat viele tiefe Spuren in unserer Kirche hinterlassen", sagt sie.

Bruder Martin habe sich sowohl in Gremien als auch gottesdienstlich in der Gemeinde und seelsorgerisch umfassend eingebracht und viel Integrationsarbeit geleistet. „Sein Tod erschüttert uns sehr und macht mich persönlich sehr traurig. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Alt-OB Hager: Er hat viel für den inneren Frieden in der Stadt getan

Auch Alt-OB Gert Hager zeigte sich sehr erschüttert über den Tod Bruder Martins. „Ich habe ihn als herzensguten Menschen kennengelernt, dem stets das Wohlergehen aller am Herzen lag." Er habe viel für die Integration und den inneren Frieden in der Stadt getan und sich bleibende Verdienste erworben, sagte Hager.

Martin Ngnoubamdjum kam 1970 nach Deutschland, wo er zunächst in Köln und dann in Ulm als Seelsorger in Diensten der evangelischen Kirche tätig war und sich intensiv mit der Missionsarbeit und der Ökumene befasste. Seit Mitte der 80er-Jahre lebte er in Pforzheim. Hier leitete er 15 Jahre die Begegnungsstätte Hohenwart Forum. Als Seelsorger besuchte Bruder Martin auch regelmäßig Pflegeheime. Er hinterlässt Ehefrau Berthe, acht Kinder und mehrere Enkel.

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