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Konzept für 100-Tage-Event 2024

Pforzheim: Verein zur Ornamenta-Finanzierung angedacht

Pforzheim setzt auf dauerhafte Strukturen für das angestrebte Aushängeschild Ornamenta 2024. Ein mit Unternehmen und anderen Organisationen besetzter Verein soll ebenso die finanzielle Seite des 100-Tage-Events stützen wie die Identifikation mit dem Vorhaben fördern.

Enzufer Am Schoßgatter Foto: Harry Rubner

Ein Haus mit drei tragenden Säulen direkt an der Enz könnte symbolisieren und beheimaten, was in Pforzheim jetzt in Sachen Ornamenta 2024 auf den Weg gebracht werden soll. Bürgermeisterin Sibylle Schüssler und das Projektteam präsentieren einen „Ornamenta-Werkbund“ als neuen, dritten Träger für das als Aushängeschild der ganzen Region konzipierte 100-Tage-Ereignis.

Dabei lassen sie und Kulturamtsleiterin Angelika Drescher anklingen, dass das Victor-Rehm-Gelände in der Jörg-Ratgeb-Straße eine schöne Adresse für dieses zweite dauerhaft angelegte Strukturelement sein könnte. Das erste ist die vom Gemeinderat bereits beschlossene Ornamenta-Gesellschaft. Ein neues Gebäude dort böte natürlich auch Platz für die inhaltlich verantwortlichen Kuratoren, die stets neu bestimmt werden sollen.

Wir wollen die Ornamenta nicht überstülpen, sondern sie wachsen und sich entwickeln lassen.
Sibylle Schüssler, Pforzheimer Bürgermeisterin

Der Charme der erweiterten Trägerstruktur ist aus Sicht der Verantwortlichen eine breite gesellschaftliche Verankerung sowie eine dauerhafte finanzielle Absicherung des Großevents. „Wir wollen die Ornamenta nicht überstülpen, sondern sie wachsen und sich entwickeln lassen“, erläutert Schüssler. Parallel dazu will die Bürgermeisterin „so schnell wie möglich“ die Kuratorenfrage gelöst sehen.´

Die beschlossene Trägergesellschaft dagegen solle erst bis in zwei Jahren, spätestens zu Jahresbeginn 2022 auf den Weg gebracht werden. Damit würde jetzt unmittelbar auch kein Geschäftsführergehalt fällig. Aber „eine Art kleine Projektführung für Organisation und Kommunikation“ brauche es schon.

Es geht um eine kommunal-, wissenschafts- und wirtschaftsorientierte Interessengesellschaft bei dieser neuen Stütze für die Ornamenta, aber nicht nur. Vorbildhaft dafür könne der Deutsche Werkbund gesehen werden, an dem sich offensichtlich auch der Name orientiert. Der vor 113 Jahren gegründete Verein „von Gestaltern, kulturell-gesellschaftlich engagierten Personen, Selbständigen und Unternehmen“ verfolgt „eine qualitätsvolle Gestaltung unserer Umwelt, mit interdisziplinär bearbeiteten Themen beispielhaft“.

Darin steckt das Interesse an Austausch mit Kreativen und an der gemeinsamen Bearbeitung von Fragestellungen, die Schüssler als wirtschaftliche Motivation ausgemacht hat, dem angestrebten Ornamenta-Verein beizutreten. Bei der Ornamenta solle sich das in gemeinsamen neuen Produkten zeigen, die präsentiert werden.

Ornamenta 2024 wird dringend gebraucht

Außerdem habe sie in zahlreichen Gesprächen erfahren, dass die Ornamenta 2024 gerade wegen der aktuelle Corona-Schwäche dringend gebraucht wird, sagt Schüssler weiter: Ohne Imagewandel fehlen die Fachkräfte von morgen. Neben diese seit Jahren variantenreich vorgetragene Forderung stellt Schüssler das Bedürfnis nach Vernetzung über die einzelnen Branchen hinweg.

Finanziell betrachtet, ist der Verein als Dauereinnahmequelle konzipiert. Schüssler nennt hier zwar keine Zahlen. Aber allein aus dem Gemeinderatsbeschluss im Dezember 2019 geht hervor, dass bis 2024 etwa 2,1 Millionen Euro an Sponsoren- und Fördergeld in die Kasse kommen müssen, damit die Ornamenta gestemmt werden kann.

So der Wirtschafts- und Kulturausschuss am 18. November sowie Gemeinderat am 15. Dezember das Vorhaben beschließen, müsste ab Januar überschlägig mit 500.000 Euro pro Jahr gerechnet werden. Daneben wären laut Schüssler natürlich weiterhin auch Sponsoren für einzelne Projekte gerne gesehen.

Ideelle Motive alleine reichen also nicht für die Mitgliedschaft im neuen Verein. Das setzt eine Grenze zum bestehenden Förderverein für die Ornamenta. Beim dortigen Führungsteam aus Forestadent-Chef Stefan Förster, C.Hafner-Geschäftsführer Philipp Reisert und Sparkassen-Vorstandsvorsitzendem Stephan Scholl sei man aber „froh, dass der Gedanke Förderverein weitergeführt wird“, sagt Schüssler.

Da zwei Fördervereine nicht sinnvoll seien, könne der bestehende entweder den Satzungszweck ändern oder sich auflösen. Er wurde im Oktober 2015 gegründet, hat etwa 150 Mitglieder und unterstützt derzeit die Entwicklung des Alfons-Kern-Turms mit jeweils 15.000 Euro im vergangenen und in diesem Jahr.

Um Geldgeber geht es übrigens auch bei dem schon seit Jahrzehnten begehrten Victor-Rehm-Gebäude. Die Stadt Pforzheim hat hier ein Vorkaufsrecht, das sie im Zuge der Abwicklung des insolventen Unternehmens geltend machen kann. Es sei auch eine Art private-öffentliche Partnerschaft denkbar, wird im Gespräch mit Schüssler deutlich.

Das Gebäude mit dem „einmaligen Schwung“ entlang der Enz sei nicht haltbar, sagt sie weiter. Aber der Platz selbst eröffne eine Chance mitten in der Stadt und stehe allein deshalb für Parkhäuser nicht zur Verfügung.

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