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Nicht nur ein Notnagel

Pforzheimer Kulturamt will seine digitalen Angebote auch nach Corona weiterführen

Im Pforzheimer Kulturamt mussten die Weichen neu gestellt, ein ausgeklügeltes System von der Lenkung der Besucher bis zur Desinfektionsmöglichkeit am Eingang der Museen ausgearbeitet und umgesetzt werden. Doch wie überlebt man einen zweiten Lockdown als Institution?

Kultur im Laptop: Kulturamtsleiterin Angelika Drescher am Eingang zum Kulturamt. Foto: Susanne Roth

Man hat sich angepasst und brav die Hausaufgaben gemacht. Viel anderes blieb nach Ausbruch der Corona-Pandemie auch nicht übrig. Doch wie kommt eine Institution durch einen zweiten Lockdown? Was geht? Was bleibt? Was ist neu? Fragen über Fragen, die einen Blick hinter die Kulissen des städtischen Kulturbetriebs interessant machen.

Man habe, berichtet Kulturamtsleiterin Angelika Drescher im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier, schon früh die Weichen für die Digitalisierung gestellt. So wurden unter anderem vermehrt Filme online (auf die Homepage der Stadt) gestellt – etwa zur Ausstellung Max Ernst und zur Napoleonschau im Schmuckmuseum. Aber auch in der Nachbarschaft wurde gefilmt: die Ausstellungen „Traumreisen“ und „Fero Freymark – Nachlese zum 80. Geburtstag“.

Aber auch „Starke Frauen aus Pforzheim“ und „Die Hochschule nach 1945“ wurden als 360-Grad-Ausstellung aufbereitet. Wie viel Einsatz und wie viel Einarbeiten in neues Terrain dafür nötig waren, kann man sich nur ausmalen. Stolz auf diese Leistung hört man heraus, wenn Angelika Drescher davon spricht, dass das Schmuckmuseum Inhalte ihres Audio-Guides nun als App anbietet, was die Möglichkeit bietet, mit dem Smartphone akustisch auf einen Rundgang durch die Ausstellung zu gehen.

Viel Engagement für „Reuchlin digital“

Manches musste nicht nur neu überdacht, sondern auch gestrichen werden. „Die Vorbereitungen für den Internationalen Museumstag im Mai waren schon recht fortgeschritten, eine Absage kam für uns jedoch nicht in Frage.“ Auch dieses Programm wurde kurzerhand digital aufbereitet: mit einer digitalen Fahrradtour zu den Museen, virtuellen Führungen, einer digitalen Schnitzeljagd rund um das Schmuckmuseum etwa.

Dieses Format ließ sich dann auch auf die „Woche der Brüderlichkeit“ und weitere Veranstaltungen anwenden. Unglaublich viel Engagement hat man von Seiten des Kulturamtes und seiner Ehrenamtlichen auch in das Projekt „Reuchlin digital“ gesteckt. Damit soll den Schulklassen ein leichterer und auch ein spielerischer Zugang zu dem Humanisten ermöglicht werden. Es mag für sich sprechen, dass das Projekt vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes gefördert wurde.

Dank digitaler Technik ist zudem ein Blick hinter die Kulissen möglich; so sehen Interessierte etwa, wie Sammlungen gepflegt und katalogisiert werden. Und sicherlich werden solche virtuellen Projekte dann auch bei einer Wiederöffnung der Museen auf die ein oder andere Art weiter fortgeführt. Die digitalen Projekte sind laut Angelika Drescher „ein weiterer Kanal, den es zu bedienen gilt“.

„Traumreisen“ bekam die meisten Klicks

Das Kulturamt hat während der Pandemie auch Kontakte vertieft. So wurde zusammen mit der WSP (Wirtschaft- und Stadtmarketing Pforzheim) ein digitaler Stadtspaziergang ins Leben gerufen. „Die Social-Media-Kanäle sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit geworden.“ Und was sagen die Bürger? „Wir bekommen durchweg positive Rückmeldungen.“ Durch die digitalen Angebote, so die Kulturamtsleiterin, würde man dazu beitragen, „dass die Kultur weiterlebt“.

Klickzahlen belegen dies, wobei die Ausstellung „Traumreisen“ mit weitem Abstand und 1.100 Klicks an erster Stelle liegt; auch „Starke Frauen“ traf auf große Resonanz (550 Klicks). „Narben des 23. Februar“ wurde innerhalb von sechs Tagen 818 Mal besucht.

Die Ausstellungsplanung bleibt bestehen, bei einem verlängerten oder erneuten Lockdown sieht sich das Kulturamt bestens gerüstet, um auf die virtuelle Plattform umzuschwenken beziehungsweise diese ausschließlich zu bedienen. Die virtuellen Angebote sollen auch in Zukunft Bestand haben.

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