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Kulturszene vor dem Lockdown

Pforzheimer Kulturszene hofft auf Wiederöffnung der Betriebe im Dezember

Der Vorhang fällt in Pforzheim und hinter den Kulissen herrscht Ratlosigkeit. Aber auch Unverständnis über eine politische Entscheidung. Kulturschaffende fühlen sich ungerecht behandelt.

Varieté für die Familie: „Ein himmlischer Zirkus“ heißt ein Programm, das das Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld im Dezember seinem Publikum anbieten möchte. Foto: Hendrik Lüderwaldt

Nach dem Lockdown im März gingen die Kulturbetriebe nicht auf Tauchstation. Sie erarbeiteten hinter den Kulissen alternative Projekte und rüsteten auf, damit Veranstaltungen unter Pandemiebedingungen stattfinden können. Das Theater Pforzheim etwa hat seine Klimaanlage auf Frischluftzufuhr umgestellt. „Damit unser Handeln auch wissenschaftlich überprüfbar ist, haben wir die klimatechnischen Sensoren auf die Messung von Kohlendioxidwerten erweitert“, berichtet Verwaltungschef Uwe Dürigen. Um so mehr schmerze der zweite Lockdown.

Verschobene Termine könnten erneut ausfallen

Vorkehrungen gegen zu viele Aerosole in der Luft hat auch das Kulturhaus Osterfeld getroffen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Vorgaben für alle Säle lückenlos erfüllt“, erklärt Alexander Weber vom Trägerverein. Man habe „Corona-konforme Konzepte“ geschaffen und eher weniger Plätze besetzt, als es die Corona-Verordnung vorgab.

Mitte November sollte Hazel Brugger im Congresscentrum (CCP) auftreten. Da coronabedingt nicht 500 Fans der Kabarettistin an einem Abend im CCP hätten sein dürfen, wurden zwei Veranstaltungen daraus.

„Jetzt muss das Programm komplett ausfallen“, sagt Weber. Nach dem monatelangen Frühjahrs-Lockdown hatte das Kulturhaus viele Termine auf Herbst verschoben, die nun erneut auszufallen drohen.

Kein Verständnis für Aufführungsverbot

Auch Weber kann das Aufführungsverbot nicht verstehen. „Die Kultur ist kein Virentreiber.“ Weber glaubt, dass der Appell, Kontakte freiwillig zu beschränken, von vielen Menschen nicht gehört werde. Das treibe die Zahlen nach oben. „Ausbaden müssen es alle anderen, ob man es gerecht findet oder nicht.“

Kulturhaus und Theater öffnen an diesem Samstag nochmals den Vorhang zu Veranstaltungen, in der Hoffnung, dass der Spielbetrieb im Dezember weitergeht.

Wir klammern uns an jeden Strohhalm.
Alexander Weber, Kulturhaus Osterfeld

„Wir klammern uns an jeden Strohhalm“, sagt Weber und hofft dabei auch, dass das zweiteilige Varietétheater „Winterträumchen“ und „Ein himmlischer Zirkus“ stattfindet.

Beim Südwestdeutschen Kammerorchester (SWDKO) setzen Geschäftsführer Andreas Herrmann und Dirigent Douglas Bostock ebenfalls auf den Dezember. „Wir hoffen, dass wir dann wieder vor Publikum spielen dürfen, in welcher Größenordnung auch immer.“ Weil Corona eine Konzertreise nach China verhinderte, spielte das Ensemble stattdessen eine Audio-Produktion ein, die auch als CD zu haben ist, es ist die vierte CD in Pandemie-Zeiten. In den nächsten Wochen ist fürs SWDKO, wie beim Theater seit Monaten, Kurzarbeit angesagt.

Für viele Chormitglieder bedeutet Shutdown soziale Isolation

Nach vorne schauen will auch Beate Dufke-Falkenstein, Vorsitzende des Chorverbands Pforzheim Enzkreis. „Wenn ein Kurz-Lockdown hilft, geht die Welt nicht unter. Aber wir sind alle traurig.“ Sie tröstet sich damit, dass Chöre wie der MGV Arlinger, dem sie vorsteht, nach der Rückkehr des gesellschaftlichen Lebens im Juni durchproben konnten und die Sommerferien ausfallen ließen zugunsten von Veranstaltungen. Finanzielle Hilfe hätten die Musikvereine damals unbürokratisch vom Land bekommen. Für viele Chormitglieder bedeutet die Zeit des Lockdowns wieder soziale Isolation. „Es wäre wichtig, dass die Menschen ihre Verankerung im Verein nicht verlieren“, erklärt Dufke-Falkenstein. Einige Chormitglieder zählten zur Risikogruppe. „Hoffentlich hilft die Schließung“, meint sie mit Blick aufs Infektionsgeschehen.

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