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Ersten Teil 2020/21 findet nicht statt

Pforzheimer Narren sagen Kampagne teilweise ab und müssen auf Einnahmen verzichten

Nicht nur für die Fastnacht im Enzkreis und in Pforzheim brechen harte Zeiten an. Der Präsidentenbeschluss, zumindest den ersten Teil der Kampagne 2020/21 abzusagen, bringt die Vereine in Schwierigkeiten und rüttelt an ihrer Funktion im kommunalen Geschehen.

Ordenspräsentation Pforzheimer Faschingsgesellschaft PFG Präsident Steffen Henne (rechts) Goldfunkengarde Tanzmariechen Fabienne Pamer Ordensidee von Fabienne Pamer Ordensgestaltung Eugen Ruhl Foto: Björn Fix

Für Prinzen und Prinzessinnen in der Region ist Amtszeitverlängerung angesagt. Sie müssen dafür aller Voraussicht nach nicht viel tun. Die Tollheiten regieren einfach nur länger, weil Nachfolger nicht gekrönt werden. Theatertüll, Strasskrönchen und Plastikzepter indes brauchen sie wohl bestenfalls im Homeoffice.

Für alles andere haben die Faschingspräsidenten aus Pforzheim und dem Enzkreis vergangenen Donnerstag stimmgewaltig „Ausmarsch“ angesagt, bestätigt Steffen Henne von der Pforzheimer Faschingsgesellschaft (PFG). Der erste Teil der Kampagne ist abgesagt und den zweiten Teil wird es aller Wahrscheinlichkeit nicht geben.

Die Leutrum Garde in Würm zeigt die Richtung an: Nicht nur die Verabschiedung des Prinzenpaars am 15. November, sondern auch die Prunksitzung im Januar und der Kinderfasching sind gestrichen. Das, so erläutert die Vorsitzende Sindy Schulze, hängt auch mit der Probensituation zusammen. Am Freitag soll zum letzten Mal in diesem Jahr im Freien geübt werden. Danach wird es draußen zu dunkel und kalt für die Musiker. Nach drinnen ins Vereinsheim dürfen sie aber nur in Kleingruppen. Mehr lässt das Virenmanagement nicht zu.

Vereine müssen auf Einnahmen verzichten

Rein technisch betrachtet ist das und manches andere verkraftbar. Auch finanziell ist es sicher besser, den enormen Verwaltungsaufwand zur Einhaltung der Hygienevorschriften gegenzurechnen und zu verzichten, wenn Eintritt und Bewirtung nicht reichen, Hallenmiete, Kostüme, Musik und einiges mehr zu begleichen sind.

Wenn nach der Probe erst gelüftet und desinfiziert werden muss, bleibt keiner da.
Sindy Schulze , Vorsitzende der Leutrum Garde

Die Vorsitzenden der Fastnachtsvereine rechnen aber mit Langzeitschäden. „Wenn nach der Probe erst eine Viertelstunde gelüftet und desinfiziert werden muss, dann bleibt keiner mehr da“, beschreibt Schulze den Verlust an Geselligkeit. Außerdem gebe es kein Ziel mehr, wenn die Auftritte fehlen – im Falle der Leutrum Garde bis zu 35 übers Jahr.

„Die Jugendarbeit muss weiter laufen“, unterstreicht auch Henne, dass das Coronavirus weit mehr Schaden anrichten kann, als die Kampagne 2020/21 zu vermasseln. Es gehe auch um das Hobby des Vereinsnachwuchses, sagt er mit Blick auf den Gardetanz der PFG. Finanziell betrachtet, sei das alles zwar nicht ideal. Schließlich komme nichts rein für den Verein, wenn keine Narren zu bewirten sind, während Trainingsräume und Kosten für Kostüme weiter anfallen. Aber immerhin gehe es dadurch weiter für den Verein mit rund 160 Mitgliedern.

Den Blick nach innen auf die Bedürfnisse der Mitglieder richten auch die Dillsteiner Oberfastnachter. Damit verbunden ist, dass es bei den Kräheneck Hexen und bei der Belrem-Gilde zumindest intern närrische Kontinuität geben soll. Ritter Belrem und seine Suleima werden aus dem Schlaf geholt, verspricht Jörg Müller. Dies gehe allerdings nicht wie bislang ohne Datenblatt, Einlasskontrolle und ohne Hygienekonzept.

Alternativen zu Hallenveranstaltungen gesucht

Auch die neuen Kräheneck Hexen werden wohl auf den großen Auftritt beim (noch nicht abgesagten) Hexenball im Januar verzichten müssen, aber sie werden am 11.11. zumindest vereinsintern eingekleidet, kündigt Thomas Häffelin an. Später könne es vielleicht noch „spontan“ einen der 30 bis 35 Auftritte geben, die sonst auf dem Hexen-Fahrplan stehen. Grundsätzlich, so sagt Häffelin weiter, will er aber nicht riskieren, dass der Name Kräheneck Hexen zu einem anderen Wort für Corona-Hotspot wird.

Fast schon dorferschütternde Wirkung entfaltet die Corona-Kampagne der hiesigen Fastnachter in mancher Enzkreisgemeinde, so denn wie erwartet im November alles abgesagt wird. In Kämpfelbach zum Beispiel verlieren etliche Vereine, die sonst jenseits der fünften Jahreszeit agieren, eine wesentliche Geldquelle. Allein in Ersingen folgen auf die Eröffnungsprunksitzung bis Aschermittwoch um die elf Maskenbälle, jeweils von einem oder je nach Größe auch mehreren Vereinen bewirtet.

Fledermaus-Präsident Dominik Kern und sein Team suchen auch deshalb nach Alternativen zu den Hallenveranstaltungen, die Corona hinwegfegen dürfte. „Spruchreif ist noch nichts“, sagt er und verweist auf mangelnde Planungssicherheit wegen der sich stetig verändernden Vorgaben. In Kerns Worten schwingt aber die Hoffnung mit, dass es wenigstens einen Auftritt für Nico I. und Svenja I. gibt, wenn sie schon in die Verlängerung geschickt werden.

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