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Immer mehr Austritte aus der katholischen Kirche

Pforzheimer Pfarrer im Interview über Strukturreform des Erzbistums: „Kirche muss da sein, wo Menschen leben“

Pfarrer Georg Lichtenberger, stellvertretender Dekan, spricht über die Strukturreform des Erzbistums Freiburg. Wegen der sinkenden Zahl der Kirchenmitglieder sollen zahlreiche Pfarreien zusammengelegt werden.

Pfarrer Georg Lichtenberger, Leiter der katholischen Kirchengemeinde Pforzheim
Pfarrer Georg Lichtenberger, Leiter der katholischen Kirchengemeinde Pforzheim Foto: Rolf Constantin

Das Erzbistum Freiburg will zahlreiche Pfarreien zusammenlegen. Aus bislang 224 Seelsorgeeinheiten und 1.000 Pfarreien sollen in den kommenden Jahren insgesamt 36 Großpfarreien entstehen.

Mehrere zehntausend Katholiken gehören dann zu einer Pfarrei, die jeweils nur von einem Pfarrer geleitet wird. Die katholische Kirche in Baden-Württemberg reagiert mit der Strukturreform auf die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder und Priester.

Was sagt der stellvertretende Dekan, Pfarrer Georg Lichtenberger dazu? Er sprach darüber mit unserem Mitarbeiter Jürgen Peche.

Gibt es solche Pläne zur Zusammenlegung von Pfarreien auch im Dekanat Pforzheim?
Lichtenberger

Bis dato steht fest, dass das bisherige Dekanat Pforzheim zu einer großen Kirchengemeinde zusammengefasst wird. Bislang besteht das Dekanat aus den Gemeinden Pfinztal (Wöschbach, Berghausen, Söllingen, Kleinsteinbach), Kämpfelbachtal (Remchingen, Köningsbach-Stein, Eisingen, Bilfingen, Ersingen und Ispringen), Biet (Neuhausen und Tiefenbronn), Eutingen (mit Bauschlott, Dürrn), Niefern (mit Öschelbronn) und der Kirchengemeinde Pforzheim (identisch mit Stadt Pforzheim, außer Eutingen und Hohenwart).

Was wären die Folgen eines solchen Zusammenschlusses für Personal, Seelsorge und Finanzen?
Lichtenberger

Die Konsequenzen bezüglich Organisationsstrukturen, finanziellen und personellen Konsequenzen und alle weiteren Fragen, werden zurzeit von einem Ausschuss des Dekanatsrates mit den Entscheidungsträgern vor Ort beraten. Ergebnisse liegen derzeit noch nicht vor, da coronabedingt noch keine Treffen stattfinden konnten. Es geht aber nicht um Einbußen. Es geht darum, dass Kirche da sein muss, wo Menschen leben. Wo Menschen wohnen und arbeiten. Wo Kinder zur Schule gehen. Wo Kirche nicht mehr im Beziehungsnetz vor Ort und im eigenen Lebensumfeld erfahren werden kann, da schafft sie sich selbst ab. Allerdings ist Kirche nicht nur der Pfarrer. Hauptamtliche pastorale Mitarbeiter werden mehr und mehr Verantwortung in Leitung und Begleitung der Gemeinden vor Ort übernehmen, wie es ja jetzt schon zum Teil der Fall ist. Gemeinden werden selbstständiger werden und miteinander das lebendig halten, was sie für ihren Glauben und für ihre Gemeinschaft brauchen.

Werden durch die Zusammenlegung nicht Priester vor Ort fehlen?
Lichtenberger

Die Auswirkungen werden weit über die „organisatorische Ebene“ hinausgehen. Je größer das Gebiet wird, für das Priester leitend Verantwortung übernehmen sollen, desto mehr werden sie vor Ort fehlen. Sie werden zunehmend als jene wahrgenommen werden, die zwar zum Feiern von Gottesdiensten und Sakramenten „angereist“ kommen, aber den Alltag mit den Menschen ihrer Gemeinde immer weniger teilen. Dies wird sich wahrscheinlich nur ändern, wenn aus der Gemeinde heraus selbst berufene verheiratete und unverheiratete Frauen und Männer mit den priesterlichen Diensten beauftragt und dafür geweiht werden. Aber dies scheint noch ein weiter Weg…

Wie werden die Zeitabläufe aussehen?
Lichtenberger

Die zeitliche Perspektive zur Umsetzung ist mal bis 2025/26 vorgesehen. Der Vorteil ist, dass bereits im Dekanat auf eine sehr gute Kooperation zurückgegriffen werden kann.



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