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Kritik an der neuen Marke

Pforzheimer Stadtumbau hat einen neuen Namen: Aus Innenstadt-Ost werden „Schlossberghöfe“

Das Pforzheimer Großprojekt zum Stadtumbau hat einen neuen Namen. Was helfen soll, neue Märkte zu erobern, stößt zumindest bei den Stadträten auf Kritik, weil die Innenstadt-Ost nur am, nicht aber auf dem Schlossberg liegt. Auf Flyern werden Bürger mit einem neuen Pforzheim gelockt.

Neues Lebensgefühl: Wohnungen und Geschäfte sollen in den drei neuen Gebäuden entstehen, die Ten Brinke an der Östlichen plant. Die „Schlossberghöfe“ sollen urbanes Lebensgefühl zwischen Schlossberg und Enzufer vermitteln. Foto: Ten Brinke/Wittfoht Architekten

Das Projekt Innenstadt-Ost heißt künftig „Schlossberghöfe“. So sieht es jedenfalls der Entwurf der Agentur für Immobilienmarketing „Core Idea“ vor, die aus einem Wettbewerb mit vier angefragten Agenturen beim Wirtschaft- und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) siegreich hervorgegangen ist. Es galt, für das neue Stadtviertel unterhalb des Schlossbergs eine Marke zu entwickeln, die während der Bauphase und danach für das Vorhaben wirbt und identitätsstiftend ist.

Das Ergebnis wurde jetzt dem Ausschuss für Wirtschaft und Digitalisierung vorgestellt und stieß dabei nicht nur auf Zustimmung. Kern der neuen Marke, die unter dem Namen „Schlossberghöfe“ firmiert, ist ein Logo mit Symbolkraft. In einem schwarzen Kreis finden sich die Initialen SBH für Schlossberghöfe und aus dem Kreis herausragend farbige Schnipsel, die das bunte, vielfältige Pforzheim darstellen sollen.

Das Logo wird bereits auf einem großen Baustellenschild den Hintergrund liefern für den Ersten Spatenstich in der zweiten Januarhälfte 2022. Danach soll es auf allerlei Plakaten und Flyern zur Bürgerinformation prangen. „Entdecken Sie Pforzheim neu“, ist deren Überschrift, und weiter: „Urbanes Lebensgefühl zwischen Schlossberg und Enzufer“.

Was die Grafikdesigner und Art Direktoren alles in solch eine Werbekampagne hineinstecken und der Betrachter dabei empfinden soll, ist erstaunlich: Das „neue Viertel unterhalb des Schlossbergs“ sei ein Meilenstein in der Stadtentwicklung. Es stehe für Begegnung, Erlebnis, Vernetzung, ja Aufwertung schlechthin.

Infobox soll neugierige Passanten über Projekt informieren

Als Mischquartier sei es die Antwort auf die verlorene Attraktivität der Innenstadt und das Vordringen des Onlinehandels. Es rückt neben dem Einkaufen, Arbeit, Wohnen, Gastronomie vor allem das „Erlebnis“ in den Mittelpunkt, formuliert Geschäftsführer Kai Engelmann. Seine Agentur hat beträchtliches Renommee und etwa das Marketing für die bekannte Bahnstadt in Heidelberg entworfen.

„Viele Schlagwörter, aber lässt sich das auch so umsetzen?“, zweifelt Stadtrat Carol Braun (FW). Seine Frage nach dem Preis für die „Marke“ konnte WSP-Chef Oliver Reitz noch nicht beantworten. Das werde noch verhandelt. Architekt Ten Brinke, der ein Mitglied der Jury war, stehe mit der Agentur und dem WSP in engem Austausch – auch über Details des Marketings.

Was Brinke gefiel, stößt bei Philipp Dörflinger (Junge Liste) eher auf Kritik. Die Schlossberghöfe lägen höchstens am, aber nicht auf dem Schlossberg. „Das könnten Bürger vielleicht unpassend finden.“ Auch eher unpassend findet „Ur-Pforzheimerin“ Stefanie Barmeyer (Bündnis 90/Die Grünen) die Namensgebung, die im Namen Schlossberghöfe ländliche Anklänge heraushört. „Das widerspricht jeglicher historischen Verantwortung.“

Das widerspricht jeglicher historischen Verantwortung.
Stefanie Barmeyer, Stadträtin (Bündnis 90/Die Grünen)

Auch Maximilian Müssle (CDU) stört sich an den Höfen, die „austauschbar“ wirkten. Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) hielt den Kritikern die Geschichte der Pforzheimer Fürstenhochzeit von 1744 entgegen, bei der Karl I. von Baden Katharina von Österreich ehelichte und die 53 Adligen der Stadt Gäste in ihren Adelshöfen beherbergen mussten.

Für einige Ideen der Marketing-Leute gab es jenseits subjektiver Wahrnehmung aber auch Zustimmung. So für die Idee einer Infobox für neugierige Passanten der künftigen Baustelle und auch für eine Kinder-Baustelle.

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