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Nachverdichtung

Stadt Pforzheim wehrt sich gegen Vorwürfe von Bau-Investoren

Die Nachverdichtung sorgt in Pforzheim für Ärger: Investoren und Nachbarn beschweren sich aus verschiedenen Gründen. Die Stadt versucht, mit Argumenten gegen die Klagen anzukommen.

Wehren sich: Baurechtsamtsleiter Ingo Baumann, Bürgermeisterin Sibylle Schüssler und Planungsamtschef Michael Wolf (von links) weisen Vorwürfe zu starker Einschränkungen von vier Bauherren zurück. Foto: Jürgen Peche

Nicht allen Recht machen kann es die Stadtverwaltung bei diversen Bauvorhaben. So klagen Investoren oft über die enge Auslegung von Vorgaben des Bebauungsplans oder des städtischen Baurechtsamts, Nachbarn dagegen fühlen sich wegen geringerer Bauabstände eingeengt und sorgen sich durch die Verdichtung um den Charakter ihres Quartiers. Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler und die Leiter des Planungsamts und Baurechtsamt, Michael Wolf und Ingo Baumann, wollen das Dilemma aufzeigen und wehren sich gegen die harsche Kritik von vier Bauherren, die sich vor zwei Wochen an die Medien wandten.

CDU-Stadtrat Andreas Sarow machte sich damals zum Anwalt der vier Investoren, die mit der Arbeit der Baubehörden im Pforzheimer Rathaus unzufrieden sind. Dem Vorwurf, die Stadtverwaltung sei nicht kommunikativ hält Schüssler entgegen: „Wir sind effizient, freundlich und agil.“ Bei oft komplexen Bauvorhaben reagiere man zügig und leiste dabei gute Arbeit, stellt sich Schüssler vor ihre Baubehörde, „unterstützt auch von Oberbürgermeister Peter Boch“. Meist geht es bei den Problemen um Überschreitungen der Vorgaben von Baugrenzen und Bauhöhen im Bebauungsplan. Großzügige Auslegungen durch das Baurechtsamt beeinträchtigten wiederum die Nachbarn, deren Rechte gleichfalls beachtet werden müssten, so Schüssler zu dem Spannungsverhältnis zwischen Bauherren und Anwohnern.

Das Erfordernis von Wohnungsbau mit Hilfe von Nachverdichtung stößt bei den Nachbarn oft an ihre Grenzen. „Wir müssen aber die ganze Stadt im Blick haben“, beschreibt die Baubürgermeisterin die Zwickmühle. Nachverdichtung sei sinnvoll, aber nicht, wenn ein Grundstück bis zum letzten Tropfen ausgewrungen werde. „Wir wollen in unserer Stadt auch hohe Qualität“, betont Schüssler.

Michael Wolf beschreibt die Stadt als historisch gewachsen mit Quartieren, die den Zeitgeist widerspiegelten. Das Nachverdichtungspotenzial müsse sich auch am Charakter dieser Quartiere orientieren, damit diese nicht gesichtslos würden. Bei dieser komplexen Melange stelle sich die Frage, ob mehr Dichte zumutbar sei, oder man eher aufstocken sollte. Dabei treten oft unterschiedliche Erwartungen auf: „Die Menschen vor Ort haben andere Bedürfnisse als der, der dort bauen will.“ Beim Bauen und Verdichten in gewachsenen Quartieren könne es nicht darum gehen, aus wirtschaftlichen Gründen so viel wie möglich Wohnfläche herauszuholen. Nicht jedes Bauvorhaben sei somit automatisch gut. Oft hätten langjährige Anwohner ihr Wohnumfeld liebevoll mitgestaltet und wehrten sich verständlicherweise gegen drastische Veränderungen. Bei Änderungen des Bebauungsplans gehe es also immer um eine Abwägung und gleichzeitig um die Verlässlichkeit des Planungsrechts. „Deshalb können wir nicht jedem Wunsch nachgehen“, stellt Wolf fest.

Wie schwierig die Kommunikation mit Bauherren sein kann, schildert Ingo Baumann vom Baurechtsamt. Auf Hinweise des Amts, das Objekt im Volumen zu reduzieren, wie bei einem der vier Fälle, sei nicht eingegangen worden. „Wir haben früh kommuniziert, dass das Vorhaben rechtlich nicht durchsetzbar ist“, hebt Baumann hervor. Das sei aber ignoriert worden. In einem anderen Fall sei man dem Bauherrn bei den Baugrenzen weit entgegengekommen, sodass die betroffenen Nachbarn heftig bei der Stadt protestierten. Mit „kleinen Änderungen“ ging das Projekt beim VGH Mannheim laut Baumann vor wenigen Wochen durch, bekam aber für das „von den Bauplänen abweichende Weiterbauen“ inzwischen ein Bauverbot aufgedrückt. „Nicht einfach“ kommentiert Baumann insgesamt die Situation, bei der es „um viel Geld geht“. Möglichst viel Geld mit Bauprojekten zu erwirtschaften sei zwar legitim, habe aber auch seine Grenzen.

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