Skip to main content

Kampf ums begehrte Areal

Stadt Pforzheim will kein Parkhaus auf Victor-Rehm-Gelände

Das Victor-Rehm-Gelände in idyllischer Lage an der Enz gehört seit Jahren zu den begehrtesten Grundstücken in Pforzheim. Dass darauf nach Vorstellungen der Berliner Firma Syscompany und von Stadtrat Schwarz ein Parkhaus mit Seniorenangebot entstehen könnte, überzeugt die Stadtverwaltung nicht.

Victor Rehm, Enz, evangelische Stadtkirche Schwan Foto: Daniel Streib

Investoren sind willkommen für die Neuentwicklung des Victor-Rehm-Geländes, aber kein neues Parkhaus, mit welcher Nutzung auch immer kombiniert. Dies bekräftigt die Stadt in Zusammenhang mit einem erneuten Vorstoß der Firma Syscompany aus Berlin.

Das Unternehmen war bereits Ende Juli von Mitarbeitern der aufgelösten Firma Victor Rehm ins Spiel gebracht worden. Seitdem hat Syscompany über ihr Angebot an den Insolvenzverwalter hinaus die Stadtverwaltung, Caritas-Chef Frank Johannes Lemke und in gestalterischer Hinsicht Hochschulrektor Ulrich Jautz mit seiner Projektidee beschäftigt.

Eine Art Scharnierfunktion bei alledem kommt Michael Schwarz zu, der als Stadtrat eingebunden war, als der Gemeinderat 2019 laut Stadtverwaltung alle Grundlagen für einen Kauf des Victor-Rehm-Areals samt Gebäude durch die Stadt beschloss. Der Freie Wähler bestätigt, er sei als Unternehmensberater eingebunden in das massive Bestreben von Syscompany, das Victor-Rehm-Areal zu übernehmen.

Die Firma mit Franka Schult an der Spitze arbeitet dabei mit einer vielschichtigen Argumentation. Dazu gehört, den Bestand schlecht zu rechnen, den Mehrwert des eigenen Projekts herauszuheben und dem Ganzen eine soziale Komponente hinzuzufügen.

Ist der Insolvenzverwalter schuld?

Als Buhmann bei alledem erscheint der Insolvenzverwalter, der „bis heute alles dafür getan hat, das Aus der Firma V. Rehm zu bewirken“, schreibt Schult an Oberbürgermeister Peter Boch. Ähnliches legten die ehemaligen Rehm-Mitarbeiter im Juli dar. Insolvenzverwalter Marc Schmidt-Thieme hatte in Reaktion bereits damals erläutert, dass über ein Jahr erfolglos nach einem Investor gesucht und dann der Betrieb eingestellt wurde.

Schult schreibt weiter, die Syscompany sehe es als „höchste Pflicht, den Erhalt der 14 Arbeitsplätze zu forcieren“. Das gehe allerdings nur zusammen mit der Immobilie, wo der Betrieb bis August 2021 über eine Auffanggesellschaft gesichert werden und dann in die Umgebung umziehen könne.

Das Engagement könnte im Sinne der Stadt sein, stünde das Nutzungskonzept nicht allem entgegen, was bislang zum Victor-Rehm-Areal gedacht wurde. Es soll „etwas Besonderes, ja Herausragendes entstehen“, heißt es ergänzend zu der klaren Ansage des Oberbürgermeisters vor wenigen Tagen, dass ein Parkhaus nicht gewünscht ist. Dies, so legt die Stadtverwaltung weiter dar, gelte sowohl für die Nutzung als auch für die Gestaltung. Es sei „durchaus vorstellbar, hier in Teilen Kultur und Design zu verorten“.

Vorschläge in diese Richtung gibt es wie schon früher berichtet auch von Brauhauschef Wolfgang Scheidtweiler. „Die Stadt kennt meine Ideen“, sagt er auf Nachfrage. Separate Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter führe er nicht.

Caritas-Chef ist in „unverbindlichem Austausch“

Das Berliner Unternehmen, dem enge Verbindungen zu einer Pforzheimer Immobilienfirma nachgesagt werden, strebt dagegen solo und ohne einen von der Stadt geforderten Architektenwettbewerb in Richtung Parken mit Senioren. Dies habe es bereits in einem Erstgespräch mit Caritas-Chef Lemke erläutert. Dieser selbst spricht von einem „unverbindlichen“ Austausch, bei dem er die zunächst vorlegte Kombination Kita/Parkhaus als nicht interessant und dann eine grundsätzliche Offenheit für Seniorenprojekte signalisiert habe.

„Die Lage wäre natürlich charmant“, sagt Lemke weiter. Ein Projekt dort ziehe aber nach sich, dass die Caritas den Martinsbau überdenken müsse. Außerdem werde er nichts gegen den erklärten Willen Pforzheims anstreben. Das will Lemke in dieser Woche auch bei einem OB-Gespräch deutlich machen.

Zwei Senioreneinrichtungen auf engem Raum im Umfeld des Sedanplatzes will Bürgermeisterin Schüssler ebenso wenig wie Lemke, wie dem Schult-Protokoll weiter zu entnehmen ist. Dies habe sie „sehr verwundert“, schreibt die Syscompany-Geschäftsführerin bei ihrem erneuten Vorstoß an den Oberbürgermeister. Sie sei „schockiert, aber eventuell ist das ein Pforzheim, wie ich es weder kennen, noch aussprechen oder denken würde“, teilt Schult weiter mit.

Syscompany-Geschäftsführerin will „Arbeitsplätze retten“ und investieren

Trotz der Zeitverzögerungen und Ablehnung, auf die sie als Investor aus Berlin seit April stoße, sei sie weiter „bereit, dafür Sorge zu tragen, die 14 Arbeitsplätze zu retten und Millionen in der Stadt zu investieren, ohne Subventionen oder öffentliche Gelder“. Weiter gibt die Immobilienfrau der Stadt mit, allein für Gebäudeabriss und Schadstoffentsorgung müsse mit 850.000 Euro gerechnet werden.

Auch das Wasser der Enz sei einzukalkulieren. Bislang hielten zwei Pumpen das Gebäude trocken, das auch aus Sicht von Stadtrat Schwarz nicht zu halten ist. „Beim Thema Filetstück oder Wohnen an der Enz muss man zunächst das Gebäude anschauen und dann die Probleme der Raumschaft.“ Dies leide unter einem Mangel an Parkplätzen. Schwarz zitiert bei dieser Einschätzung auch seine eigene Diplomarbeit über Brötzingen aus dem Jahre 1992. Auch am Sedanplatz gebe es Klagen, beispielsweise von Gastronomen, dass zu wenig Leute kommen, weil kein Parkraum zur Verfügung stehe.

nach oben Zurück zum Seitenanfang