Skip to main content

Spendenaktion

Tante kümmert sich um die vier verwaisten Mädchen in Neuenbürg

Corona hat vier Mädchen in Neuenbürg zu Vollwaisen gemacht. Aber in der Kleinstadt im Enzkreis sind viele Menschen darum bemüht, ihnen die äußeren Umstände erträglich zu machen.

In dem Haus in der Grabenstraße mit einem Lebensmittel- und Second-Hand-Laden haben die an Corona verstorbene Mutter und der älteste Sohn bis vor einiger Zeit gearbeitet. Foto: Herbert Ehmann

Die Familie ist im Kernort gut bekannt, die Nachricht von dem Unglück, das sie getroffen hat, verbreitete sich in Neuenbürg wie ein Lauffeuer.

„Das hat uns alle überrollt“, berichtet Yvonne Maisenbacher, Abteilungsleiterin der Diakonischen Bezirksstelle Neuenbürg. Jetzt ist sie froh, die vier minderjährigen Kinder gut aufgehoben zu wissen. „Eine Tante, die in der Umgebung lebt, hat sie aufgenommen. Und dort können sie erst einmal sein.“

Vor zwei Wochen starb der älteste Sohn der achtköpfigen Familie an Corona, eine Woche danach die Mutter und zwei Tage später auch noch der Vater. Sie alle waren an Covid-19 erkrankt. Zurück bleiben eine verheiratete Tochter, die auswärts wohnt, und vier minderjährige Mädchen im Alter von 9 bis 17 Jahren.

Familientragödie hat große Hilfsbereitschaft ausgelöst

Die Familientragödie hat viele Menschen in der Kleinstadt fassungslos gemacht. Sie hat aber auch eine große Anteilnahme und Hilfsbereitschaft ausgelöst, die Yvonne Maisenbacher überwältigt – und auch Gloria Santos, Quartiersmanagerin im Begegnungszentrum Neuenbürg, in dem die Mutter und der ebenfalls verstorbene Bruder bis vor einiger Zeit gearbeitet haben.

In dem Begegnungszentrum mit einem Ladengeschäft und einem Cafébereich arbeiten mehrere Hauptamtliche und mitunter bis zu 30 Ehrenamtliche. Maisenbacher beschreibt die vertraute Atmosphäre in dem Haus in der Grabenstraße, in der man in der Pause bei einem Kaffee zusammen sitzt.

„Man ist gut untereinander bekannt.“ Die Familie habe gegenüber gewohnt, der Sohn gerade einige Praktika absolviert. Er sei im Begriff gewesen, eine außerbetriebliche Ausbildung zum Verkäufer zu starten, sagt Maisenbacher über den verstorbenen 30-Jährigen.

Wir können keine Spendenbescheinigung ausstellen.
Yvonne Maisenbacher, Diakonische Bezirksstelle

Gloria Santos sei nun am Organisieren, berichtet die Leiterin der Bezirksstelle und sie klingt erleichtert: „Es läuft alles gut.“ Das Rathaus mit Bürgermeister Horst Martin an der Spitze sei eingeschaltet.

Martin hatte dieser Redaktion am Montag zugesichert, die Stadt werde helfen, wo immer es notwendig sei. Sozialhilfe und Gleichstellungsbeauftragte stünden im engen Kontakt, teilt Maisenbacher mit, auch werde ein Psychologe die Kinder aufsuchen.

Um die überwältigende Anteilnahme zu bündeln, hat die Diakonische Bezirksstelle für die Familie ein Konto eingerichtet. Allerdings: „Wir können keine Spendenbescheinigungen ausstellen.“

Maisenbacher: „Wer Geld geben möchte, kann das tun.“

Maisenbacher sagt dies ausdrücklich deshalb, weil es mittlerweile Verwirrung gegeben hat: Nach dem Steuerrecht müssen Spenden, die als solche bezeichnet sind, jemandem zugewiesen werden. „Das ist uns aber nicht möglich“, erklärt sie. Sie spricht lieber von einer Hilfsaktion und betont: „Wer Geld geben möchte, kann das tun.“

Es gibt jetzt viel zu tun für das helfende Umfeld: „Die Wohnung muss aufgelöst werden, die Bestattungen müssen organisiert werden“, zählt Maisenbacher einige der dringlichsten Angelegenheiten auf. „Und dann, mit dem neuen Jahr fängt für die Familie der Alltag an.“ In Neuenbürg dürften viele Menschen dafür Sorge tragen, dass die Kinder nicht auf sich allein gestellt sind.

Spendenaktion

Das Konto der Familie ist bei der Sparkasse Pforzheim Calw. IBAN: DE 41 6665 0085 0007 7563 56

nach oben Zurück zum Seitenanfang