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Theaterstart Pforzheim

Theaterstart in Pforzheim: Chor darf nur stumm zum eigenen Playback agieren

„Fidelio“ zum Auftakt der Theatersaison in Pforzheim: Dass sich der Vorhang wieder hebt, macht Theaterfreunde glücklich. Dafür sind sie auch bereit, kurzzeitig eine Maske zu tragen.

Großes Finale: Auch beim Schlussapplaus, wenn sich das ganze Ensemble bei „Fidelio“ auf der Bühne zeigt, ist Abstandhalten angesagt. Foto: Sabine Haymann

Einen kurzen Blick auf Robin Davis konnten die Zuschauer von „Fidelio“nur beim Schlussapplaus am Freitagabend werfen. Mehr war nicht drin. Corona zwang den neuen Chef am Dirigentenpult beim Start in die Pforzheimer Theatersaison auf die Hinterbühne. Und weil die Regelungen zur Pandemie keine Premierenfeier zuließen, gab es auch keinen Austausch mit dem Publikum im Foyer.

Der Chor stand zwar auf der Bühne, aber der Gesang kam über Playback, was Davis ein hohes Maß an Koordination abverlangte. „Zum Glück ist alles gut gelaufen.“ Dass er keinen direkten Kontakt zu den Sängerinnen und Sängern hatte, empfand er als unangenehm. Trotzdem habe es allen Spaß gemacht. Davis erinnert sich an den lange anhaltenden Schlussapplaus. Inken Meents, Dramaturgin am Musiktheater, bedauert, dass nur ein Viertel des sonstigen Premierenpublikums „Fidelio“ sehen konnte.

Hauptsache wieder ins Theater - zur Not auch mit Maske

Die Pforzheimerin Susanne Reize hat am Freitag ein gewaltiges „Synchronklatschen“ erlebt. Der Inszenierung seien keine Einschränkungen wegen Corona anzumerken gewesen, erzählt die passionierte Theatergängerin. „Es war sehr gut gemacht, gesanglich und schauspielerisch.“

Die Sänger beispielsweise hätten die Distanz bei Liebesszenen mit besonders intensivem Spiel wettgemacht. Reize hat sich auch „Die Zofen“ angeschaut, mit denen das Schauspiel eröffnete. Wie sie seien viele Zuschauer glücklich darüber, wieder ins Theater gehen zu können. Dafür ist sie auch bereit eine Maske aufzuziehen, die man wieder abnehmen kann, sobald das Licht ausgeht. „Pforzheim braucht ein Theater.“

Das Theater hat das Beste draus gemacht.
Ralf Fuhrmann, SPD-Stadtrat und Theaterbesucher

Für Ralf Fuhrmann hat der große Beifall am Schluss ein Stück weit wettgemacht, was an Zuschauern fehlte. Der SPD-Stadtrat gehörte zu den 130 Zuschauern, die im Großen Saal erlaubt waren. Der Chor, der nur stumm agieren und dem eigenen Playback zuhören durfte, habe ihm „körperliche Schmerzen“ bereitet. „Es ist gegen die Natur des Künstlers, still zu halten.“

Und wider die Natur des Theaters sei auch, dass man sich nicht habe austauschen können. „Es war alles anders als sonst, aber das Theater hat das Beste draus gemacht.“ Um sicher zu stellen, dass die Akteure gesund auf der Bühne stehen würden, hatte der Internist Fuhrmann in seiner Praxis im Vorfeld Covid-19-Tests angeboten.

Ensembles brennen auf Rückkehr auf die Bühne

Chefdramaturg Peter Oppermann hebt die Energie hervor, „die unser Theater gerade jetzt unter Beweis stellt und damit auch Trostpflaster für Zuschauer ist, denen es aus unterschiedlichen Gründen vielleicht gerade nicht so gut geht.“ Selbst unter sehr herausfordernden Bedingungen sei es gelungen, die Bühne wieder zum Leben zu erwecken. Die Ensembles hätten förmlich darauf gebrannt, wieder auf der Bühne zu stehen.

Das ist wenige Tage nach der Premiere Stamatia Gerothanasi anzumerken. Bei der Sopranistin, die den Part der Leonore singt, überwiegt die Freude daran, wieder singen zu dürfen. „Im März wussten wir nicht, ob wir Fidelio überhaupt würden machen können.“ Es sei sei schwer gewesen, die Corona-Vorschriften umzusetzen und dabei zu versuchen, das Spiel so natürlich wie möglich zu gestalten. Gerothanasi zeigt sich angetan vom neuen Generalmusikdirketor. „Er ist so musikalisch“, sagt sie und rühmt Davis’ positive Energie.

Krichbaum: Pandemie lässt nicht mehr zu

Intendant Thomas Münstermann hatte vor Beginn der Premiere einen eindringlichen Appell an die Politik gerichtet. Damit verbunden ist die Hoffnung vieler Kulturschaffenden, das Land möge mit der nächsten Corona-Verordnung Ende Oktober eine Lockerung der Abstandsregelung zulassen, so dass das Theater mehr Plätze füllen kann.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum, der im Publikum saß, äußert sich anerkennend darüber, „was unser Dreisparten-Haus in Pforzheim umsetzt“. Kunst und Kultur würden weder vom Bund nach vom Land allein gelassen, betont Krichbaum. „Ich verstehe, dass es für Künstler schwierig ist, vor halb leeren Häusern zu spielen.“ Aber die Pandemie lasse derzeit einfach nichts Anderes zu.

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