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Warme Mahlzeiten zum Mitnehmen

Vesperkirche in Pforzheim wird ein „To-Go-Angebot“

Den Hunger stillen und dabei in gemütlicher Atmosphäre miteinander ins Gespräch kommen. Dafür steht seit vielen Jahren die Pforzheimer Vesperkirche. Das karitative Angebot soll es auch ab kommenden Januar geben, aber es wird anders sein als sonst.

Essen in Gemeinschaft. Die Vesperkirche in der Stadtkirche wird es in ihrer bekannten Form diesmal nicht geben. Besucher erhalten stattdessen eine warme Mahlzeit, gut verpackt, zum Mitnehmen. Foto: Archivfoto: Herbert Ehmann

Es wird auch in diesem Winter eine Vesperkirche in Pforzheim geben. Aber: „Die Mahlzeiten werden ausschließlich zum Mitnehmen sein“, berichtet Frank-Johannes Lemke, Vorstandsvorsitzender des Vereins Ökumenische Vesperkirche Pforzheim, worauf sich das Leitungsteam um Elisabeth Schweizer verständigt hat.

Das „To-Go-Angebot“entspricht einem Notfallplan, der der Pandemie geschuldet ist. „Unsere Gäste erhalten in einer großzügig gestalteten Zeitspanne ein warmes Essen mit Vespertüte, gut verpackt ausgehändigt, das sie dann zuhause verzehren“, beschreibt der Caritasdirektor den groben Ablauf. Eine Hygieneplanung der Vesperkirche in Pandemiezeiten sei mit Fachleuten erfolgt.

Leitungsteam hat Notfallplan erarbeitet

„Es wird eine andere Form von Vesperkirche“, ergänzt Thomas Lutz, stellvertretender Geschäftsführer der Diakonie. Wie in Vor-Coronazeit ist das karitative Angebot von Mitte Januar an auf vier volle Wochen ausgerichtet. Vorausgesetzt, die Pandemie-Regelungen lassen dies zu.

Im November will das Leitungsteam endgültig entscheiden, ob der Notfallplan umgesetzt wird. „In jedem Fall werden wir uns unserer Verantwortung dem Nächsten gegenüber nicht entziehen und eine wirkungsvolle Unterstützung auch in diesen merkwürdigen Zeiten gewährleisten“, betont Lemke.

Bewährtes Organisationsteam. Rudolf Mehl, Elisabeth Schweizer und Johannes Lemke werden mit ihren Helferinnen und Helfern auch im kommenden Winter das karitative Angebot der Vesperkirche auf die Beine stellen. Foto: Archivfoto: Herbert Ehmann

Angesichts der Corona-Bedingungen fällt das gemeinsame Mittagessen aus – und damit ein wichtiger sozialer Aspekt der Vesperkirche: „Die Gemeinsamkeit erleben, Zeit miteinander verbringen“, fasst Lutz zusammen. Nach Erfahrungen des ehrenamtlichen Teams kommen die Besucher nicht nur, um für einen Euro gut zu essen, sondern auch, um für ein paar Stunden dem Alleinsein zu entfliehen. Daher rechnet man diesmal mit weniger Klienten.

Wenn wir mehr Essen brauchen, kann der Caterer nachliefern.
Frank-Johannes Lemke, Caritasdirektor

250 bis 300 Essen würden ausgegeben, anstatt wie sonst rund 400, schätzt Lemke. „Wenn wir mehr Essen brauchen, kann der Caterer in Kürze nachliefern“, hebt er hervor, dass keiner, der die Kirche betritt, hungrig nach Hause gehen muss.

Für eine Vesperkirche unter normalen Bedingungen gäbe es diesmal nicht genügend Helfer. Unter den 60 bis 70 Frauen und Männern, die in der Vergangenheit täglich im Einsatz waren, sind etliche 70 Jahre und älter. Damit gehören sie zur Risikogruppe. Caritaschef Lemke verweist auf die Fürsorgepflicht gegenüber den Ehrenamtlichen. Mit 25 bis 30 Helfern am Tag glaubt das Team bei der Vesperkirche 2021 auszukommen. Weil das Essen mitgenommen wird, haben sie erheblich weniger Aufwand.

Weniger Essen, aber höhere Kosten durch Verpackungsmaterial

Auch wenn weniger Portionen verteilt werden, rechnet das Vesperkirchenteam mit weit höheren Kosten als bisher – wegen des zusätzlichen Verpackungsmaterials. 20 bis 30 Cent pro Essen dürfte das ausmachen, glaubt Lemke. Bislang kalkulierte das Organisationsteam mit Kosten zwischen 150.000 und 170.000 Euro. Wie viel Spenden jetzt gebraucht werden, könne er noch nicht sagen, erklärt Lemke: „Wir hoffen auf die bekannte, gute Spendenbereitschaft der Menschen.“ Weitere Kosten werden für einen professionellen Ordnungsdienst anfallen, der darauf achten muss, dass Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Kein Arzt, aber bei Bedarf Sozialarbeiter

Verzichten müssen die Besucher der Vesperkirche diesmal auch auf ärztliche Untersuchung und Kinderbetreuung. Dagegen sollen Sozialarbeiter zur Verfügung stehen, um Notlagen abzufedern. Lemke spricht von Gesprächs-Nischen, die man dafür schaffen will, etwa im geschützten Bereich der Werktagskirche, bei Einhaltung von Maskenpflicht und Sicherheitsabstand.

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