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Schausteller in Not

Von Mini-Mess bis Weihnachtsbaum - wie die Pforzheimer um ihren Weihnachtsmarkt kämpfen

Stadl und Mittelaltermarkt sind in Gefahr, vielleicht auch der gesamte Markt. Nun will die Stadt den Schaustellern zumindest einen kleinen Ausgleich ermöglichen. Auch, weil man verärgert ist über die unklare Haltung der Wirtschaftsministerin.

Auf der Kippe: Ob es einen Weihnachtsmarkt in Pforzheim geben wird, steht noch nicht fest. Szenarien gibt es viele - ebenso wie Gefahren. Foto: Daniel Streib

Artur Dingeldein ist in Kampfstimmung. Der Vorsitzende des Pforzheimer Schaustellerverbands war am Donnerstag noch in Stuttgart bei einer Demonstration, um zu verhindern, was ein realistisches Szenario geworden ist: das coronabedingte Aus für die Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg und damit auch in Pforzheim.

„Das wäre der Todesstoß für viele Schausteller”, sagt Dingeldein. Viele hätten demnach 2020 noch überhaupt kein Geld erwirtschaftet. Dass bereits einige Weihnachtsmärkte wie der in Schwetzingen abgesagt wurden, nennt er „Aktionismus”. Schließlich könne man durchaus Hygienekonzepte entwerfen.

Es darf kein Weihnachtsmärktchen sein mit drei, vier Buden.
Oliver Reitz, Geschäftsführer der Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim

In Pforzheim gibt es noch keine offizielle Haltung. „Das ist im Moment alles Spekulation”, erklärt Marktleiter Marc Pfrommer. Man rechne mit einer Landesverordnung noch im Sommer.

Oliver Reitz, Geschäftsführer der Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), hofft darauf, „dass man die großzügig interpretieren kann”. Allerdings ist für ihn auch klar: „Es darf kein Weihnachtsmärktchen sein mit drei, vier Buden.” Neben dem Traditionellen sei der Weihnachtsmarkt auch ein Motor für den Einzelhandel in der Weihnachtszeit. „Er muss Gäste aus der ganzen Region anziehen.”

Weitere Highlights der Weihnachtszeit stehen auf der Kippe

Doch wie könnte ein Weihnachtsmarkt in Corona-Zeiten tatsächlich aussehen? Frank Daudert, Betreiber des „Stadls”, ist für seinen Part skeptisch. Zwar sei das „ein Baby, das ich selbst aus der Taufe gehoben habe” – aber sein Zelt dürfe auch nicht zur Virenschleuder werden. Und die Eisfläche? Auch die ist noch längst nicht fix. Hier stehe man in Gesprächen, sagt Daudert.

Stadtrat Jörg Augenstein (CDU), der zuletzt im Wirtschaftsausschuss den Anwalt der Schausteller gegeben hatte, sieht darin auch eine Chance. Man könne etwa dank des freigewordenen Platzes endlich den Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz aufstellen. Allerdings nur, wenn man auch einen Weihnachtsmarkt ohne die klassischen Highlights zulasse. Denn auch der Mittelaltermarkt, so berichtet Augenstein, stehe auf der Kippe. Dennoch müsse man eine Lösung für die Schausteller finden, Absagen sei da keine Option.

Nicht nur Augenstein stellt sich hinter die Schausteller. Auch der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum (CDU) äußerte sich entsprechend und der FDP-Landtagsfraktionsvorsitzende und Pforzheimer Stadtrat Hans-Ulrich Rülke sprach sogar am Freitag auf der Schausteller-Demo in Stuttgart. Dabei kritisierten er und auch der Enzkreis-FDP-Abgeordnete Erik Schweickert Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) scharf: „Auch auf wiederholtes Nachfragen hin kann die Wirtschaftsministerin sich nicht zu einer klaren Aussage für eine Planungsperspektive durchringen”, teilt Schweickert mit.

Mini-Mess als Probelauf?

Einen Test-Ballon könnte die Stadt schon vorher starten. Der Gemeinderat entscheidet am Dienstag über einen speziellen Antrag des Schaustellerverbands. Es geht um die Erlaubnis, zwischen dem 18. September und 10. Oktober eine Art Pforzheimer Mini-Mess durchzuführen. Bislang gilt das als „Mess-Ersatz”. Doch Jörg Augenstein bestätigt, dass dies auch ein mögliches Szenario für den Weihnachtsmarkt sei, neben dem Innenstadt-Markt und einem Ausweichen auf den Messplatz.

Als Standorte für die Mini-Mess sind die Innenstadt, Brötzingen, Dillweißenstein, Huchenfeld, Eutingen, Büchenbronn und Würm geplant. Dabei könnte unter Umständen auch das 70 Meter große Riesenrad der Firma Göbel aus Worms in Brötzingen aufgestellt werden. Es gilt als das größte transportable Riesenrad der Welt. Die Firma bestätigt entsprechende Vorgespräche.

Das ist wie ein bisschen schwanger
Frank Daudert, Betreiber des „Stadls”

Doch bringt die Mini-Mess wirklich etwas? Gastwirt Daudert bezweifelt das. „Das ist wie ein bisschen schwanger”, sagt er. Augenstein wiederum betont: „Eine solche Lage wie jetzt hatten wir noch nie, es gibt keine vergleichbaren Situationen.” Und da müsse man es eben drauf ankommen lassen. Gegenstimmen am Dienstag wären für ihn jedenfalls „ein fatales Zeichen”.

Schaustellervertreter Dingeldein jedenfalls sieht seine Branchenkollegen bereit für alles. Der Vorlauf sei nicht groß, innerhalb weniger Tage seien die Buden, Karusselle et cetera aufgebaut. Die generelle Zusage, beim Weihnachtsmarkt mitzumachen, hätten die entsprechenden Schausteller ja schon zu Jahresbeginn erhalten.

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