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Flusskraftwerk in Revision

Warum die Enz in Pforzheim gerade weniger Wasser führt

Der ein oder andere wird sich gewundert haben, warum die Enz momentan deutlich weniger Wasser führt als sonst. Die Antwort: Am Flusskraftwerk werden Teile geprüft, die sonst unter Wasser liegen.

Ökologische Stromquelle: Das Flusskraftwerk an der Auerbrücke liefert jährlich rund 3,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Aktuell wird die Technik überholt. Deshalb wurde das gestaute Wasser abgelassen. Foto: Stefan Friedrich

Von Stefan Friedrich

Bis zu 3,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt das Flusskraftwerk an der Auerbrücke in jedem Jahr. Dass die Enz im Bereich davor momentan deutlich weniger Wasser führt als sonst, liegt daran, dass eben dieses Kraftwerk aktuell in der Revision ist, sprich: Es wird überprüft, ob alle Teile, die ansonsten unter Wasser liegen, noch funktionsfähig sind.

Aus Verschleißgründen wird lediglich eine Antriebskette der Rechenreinigungsmaschine ausgetauscht, die Führungskette selbst wird geschmiert und kontrolliert, wann hier eine Reparatur oder ein Wechsel fällig wird. Insgesamt sind dafür etwa drei Tage veranschlagt.

Bis die Enz im Stadtzentrum den gewohnten Stand wieder erreicht, wird es allerdings noch ein paar Tage länger dauern. Die Maßnahme ist nämlich mit Bauarbeiten im Metzelgraben abgestimmt worden. Dort muss ein Gerüst aus dem Zulauf entfernt werden.

Die Enz wäre ohne Stauung immer so niedrig

Das, was die Pforzheimer in diesen Tagen zu sehen bekommen, wenn sie zwischen der Auerbrücke und dem Sedan Carré spazieren gehen und dabei auf die Enz blicken, ist eigentlich die normale Höhe der Enz, wenn der Fluss nicht gestaut wäre. Wo ursprünglich nur ein Rinnsal war, sollte im Zuge des Baus des Flusskraftwerks im Jahr 1984 nämlich eine Wasserfläche in der Stadt geschaffen werden.

Dabei „war eine Vorgabe, dass man von dem Kraftwerk möglichst nichts sehen durfte“, erklärte Ralf Gottwald, bei den Stadtwerken Pforzheim verantwortlich für Netze und Strom Mittel-/Hochspannung. Das hat man durch das Aufstauen des Flusses erreicht.

Wir nutzen das Wasserangebot unserer drei Flüsse.
Ralf Gottwald, Stadtwerke Pforzheim

Die ursprüngliche Stauhaltung erfolgte zuvor übrigens noch über das Nonnenmühlwehr und wurde erst durch den Bau etwa fünfzig Meter weiter flussabwärts gesetzt, an die Auerbrücke.

„Wir nutzen das Wasserangebot von den drei Flüssen hier in Pforzheim zur Energiegewinnung“, erklärte Gottwald und verwies auf die Vorgaben des Naturschutzes, der Fischer und der Wasserbehörden, die die Stadtwerke in vertrauensvoller Kommunikation mit allen Beteiligten einhalten.

Stillstand: Die Tretboote am Enz-Ufer liegen die nächsten Tage auf Grund. Foto: Stefan Friedrich

Das zeigte sich beispielsweise vor fünf Jahren, als es um die Genehmigung dafür ging, dass die Turbinen weitere 30 Jahre in Betrieb sein durften. In dem Zuge hat man 2016 eine Fischtreppe eingebaut und dafür viel Geld in die Hand genommen: eine dreiviertel Million, so Gottwald.

Über ein Rondell können die Tiere jetzt flussaufwärts das Bauwerk umschwimmen. Flussabwärts wiederum kommen die Fische durch ein Rohr. Üblicherweise ist das vom Wasser verdeckt, durch die Revisionsmaßnahme momentan aber freigelegt. Die Fischtreppe sei damals schon eine richtige Maßnahme gewesen, betonte Gottwald. „Die Natur muss erhalten bleiben und die Fische sollen ihre Wanderungen machen können.“

Turbinen wurden 2016 generalüberholt

Der Umweltgedanke ist den Stadtwerken ohnehin wichtig, versicherte Volker Tantow, zuständig für den Bereich Netzkommunikation bei den Stadtwerken Pforzheim. Das Flusskraftwerk stehe dafür: „Mehr sauberer Strom als wir hier produzieren, das geht nicht.“

Insofern sei es für die Stadtwerke selbstverständlich, viel Geld in dieses Kraftwerk zu investieren. Zeitgleich zur Fischtreppe sind 2016 deshalb auch die Turbinen ausgebaut und generalüberholt worden. Eine solch kostenintensive Maßnahme steht im Zuge der aktuellen Revision zwar nicht an.

Verschlissen: Eine Antriebskette musste ausgetauscht werden. Foto: Stefan Friedrich

Allerdings wirft sie ganz nebenbei auch ein Schlaglicht auf die Schattenseiten des städtischen Lebens. Die niedrige Wasserhöhe hat nämlich manche Umweltsünde freigelegt: ein Stoppschild, ein Bolzenschneider und vor allem viel Plastikmüll finden sich im derzeit gut sichtbaren Flussbett. Achtlos entsorgt belastet dieser Müll den Fluss und seine Lebewesen. Nicht alles kann herausgeholt werden.

Übliche Höhe der Enz kommt bald nach Abschluss der Bauarbeiten

Leichter klappt das schon bei den Ästen, die aus der Nagold in den Metzelgraben gespült und von dem Gerüst abgefangen worden sind, das dort noch im Wasser steht. Sie werden dieser Tage mithilfe eines Baggers herausgeholt, quasi zeitgleich mit dem Abbau des Gerüsts.

Während für die Revision am Flusskraftwerk insgesamt drei Tage veranschlagt sind, werden die Gerüstbauer hier allerdings etwas länger beschäftigt sein. „Sie müssen über eine Länge von 50 Metern das Gerüst aus dem Wasser holen“, erklärte Gottwald.

Das brauche eben seine Zeit. Sobald die Bauarbeiten aber abgeschlossen sind, wird es ziemlich schnell gehen, bis die Enz wieder ihre übliche Höhe erreicht hat. Bei einem Zulauf von sieben Kubikmetern in der Sekunde wird diese Prozedur zwischen vier und sechs Stunden dauern, schätzt Gottwald.

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