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Türme der Stadt (9)

Warum „Lothar“ den Pforzheimer Aussichtsturm „Hohe Warte” erst möglich machte

Der Aussichtsturm „Hohe Warte” thront mit seinen 40 Metern über dem Pforzheimer Stadtteil Hohenwart. Das war nicht immer so. Ein Naturereignis von 1999 legte den Grundstein für das Bauwerk.

Aus Holz und Stahl: Als Vorbild für den Turm Hohe Warte diente eine Konstruktion in Wilhelmsfeld bei Heidelberg. Foto: Jürgen Peche

Von Jürgen Peche

Wer positiv denkt, sieht im Schlechten auch das Gute. So haben das auch die Ideengeber für den Aussichtsturm Hohe Warte gesehen, nachdem der Orkan „Lothar“ am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 über den Nordschwarzwald fegte und rund um Hohenwart über 200 Hektar Wald umwarf.

Der Leiter der städtischen Forstverwaltung, Markus Haller, hatte schnell erkannt, dass bei aller Schrecklichkeit der Sturmfolgen die entstandene Kahlfläche auch eine Chance bot, die völlig neue Aussicht nutzbar zu machen. So war die Idee eines Aussichtsturms geboren, die schnell den damaligen Ortsvorsteher Alois Amman, den Ortschaftsrat und den Gemeinderat überzeugte.

270.000 Euro wurden locker gemacht und am 24. Mai 2002 wurde der imposante Turm aus einer Stahl-Holz-Konstruktion durch Bürgermeister Matthias Wittwer eröffnet.

„Wir wollen heute diesen prächtigen Turm, die ,Hohe Warte’ einweihen und damit einen neuen attraktiven Anziehungspunkt für Wanderer und Erholungssuchende aus nah und fern anbieten“, so Wittwer bei der Eröffnungsfeier, die von Musikverein und Männergesangverein Hohenwart mitgestaltet wurde.

Als Vorbild diente der Turm in Wilhelmsfeld bei Heidelberg

Die Kosten des Turms konnten so niedrig gehalten werden, weil man sich am Vorbild des 2001 eröffneten Turms in Wilhelmsfeld bei Heidelberg orientierte. Durch den weitgehend identischen Nachbau entfielen Architekten- und Statiker-Kosten. Zudem gab die Nachbargemeine Neuhausen 25.500 Euro zu den Baukosten hinzu.

Mit der Bauweise aus heimischen Lärchenholz zusammen mit Stahl, wolle die Stadt Werbung machen für den nachwachsenden Rohstoff Holz, „der sich zudem besser in die Landschaft einfügt“, wie Wittwer in seiner Eröffnungsrede betonte.

Der Aussichtsturm Hohe Warte befindet sich auf einem Bergrücken im Gewann Hofacker, zwischen dem Nagoldtal und dem Würmtal ganz am Rand des Pforzheim Stadtgebiets.

Es ist einer der jüngsten und gleichzeitig höchsten Aussichtstürme des Schwarzwalds. Bei der Erbauung des Turms hat man vorgesorgt, dass die Aussicht auch bestehen bleibt, wenn die Bäume der Umgebung wieder höher gewachsen sind. Der Turm hat die beachtliche Höhe von 40 Metern.

Die Aussichtsplattform befindet sich 36 Meter über dem Boden. Auf einer Tafel am Fuße des Turms wird die Höhe mit 537 Metern über Meeresspiegel angegeben. Der Turm ist immer geöffnet. Schwindelfreiheit ist für die Besteigung ratsam, denn der Anstieg erfolgt auf einer Wendeltreppe aus Stahlgitter mit guten Blicken in die Tiefe.

Panoramatafel, die auf die Berge, Städte und Wahrzeichen verweiset Foto: Jürgen Peche

Kondition muss für 196 Stufen reichen

Eine gewisse Kondition ist auch vonnöten, für den, der die 196 Stufen hinauf zur Plattform bewältigen will. Droben freilich wird die Mühe belohnt durch einen Ausblick weit ins Land.

Auf der überdachten Aussichtsplattform sind zwei Panorama-Tafeln montiert, die bei der Orientierung hilfreich sind. Sie weisen nach Südost und Nordwest und beinhalten viele Ziele. Je nach Witterung tauchen am erweiterten Horizont bekannte Orte und Wahrzeichen auf, im Norden etwa der Speyerer Dom, der Pfälzer Wald, im West sind die Vogesen zu sehen und im Süden die Schwäbische Alb.

Auch am Boden muss man sich orientieren - um den Turm zu finden. So wurde bewusst auf eine Zufahrt im Auto direkt am Turm verzichtet. „Wir setzen hier ganz auf eine möglichst sanfte Erholung“, sagte Wittwer damals bei der Eröffnung. Er wolle keinen „Rummelplatz“.

Und auch heute noch gilt, dass Landschafts- und Naturerlebnis im Vordergrund stehen sollen. Und so gibt es auch die zunächst angedacht Grillstelle nicht und nur zwei etwas entfernte Wanderparkplätze, die Turmbesucher nutzen können: an der Unterreichenbacher Straße, etwa 800 Meter vom Turm entfernt, und an der Straße zwischen Hohenwart und Schellbronn.

Für ältere Menschen bietet sich der asphaltierte Fußweg über das Hohlwegle an

Für ältere Menschen und Familien mit Kindern bietet sich der bequeme und fast bis zum Turm asphaltierte Fußweg über das Hohlwegle an, ausgehend von der Heilig-Kreuz-Kirche in Hohenwart.

Beim Aussichtsturm Hohe Warte führt auch der Drei-Täler-Weg vorbei. Das ist ein Weitwanderweg mit drei Tagesetappen von Pforzheim-Eutingen zum Neuenbürger Schloss, den die Naturfreunde eingerichtet haben. Der Aussichtsturm Hohe Warte befindet sich im Verlauf der zweiten Etappe des Wegs vom Pforzheimer Seehaus nach Unterreichenbach.

Eine heute unsichtbare, historische Linie verbindet die Hohe Warte mit dem Wartbergturm, worauf der frühere Ortsvorsteher Alois Amann aufmerksam macht. Demnach hat Johann Georg Friedrich Pflüger in seiner Geschichte der Stadt Pforzheim von 1862 den Zusammenhang der römischen Siedlung Portus, dem heutigen Pforzheim, und den in der Umgebung befindlichen römischen Kastellen und Siedlungen betrachtet.

Die Verbindungen untereinander wurden durch Warttürme hergestellt. Und so sieht Pflüger eine Korrespondenz zwischen den Turmberg bei Durlach und dem Wartberg in Pforzheim.

Laut Amann geht Pflüger davon aus, dass sich die Römer vom Wartberg über einen Wartturm im heutigen Hohenwart mit ihrem Stützpunkt in Leonberg verständigten. „Der Namen Hohenwart lässt solche Vermutungen zu“, sagt Amann und der Turm „Hohe Warte“ stehe wohl im Bereich des vermuteten römischen Turms.

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