Skip to main content

Vier Fragen an die Pforzheimer Tierheimleiterin

Wie geht es den Tieren im Pforzheimer Tierheim während Corona?

„Die Vermittlung ist gezielter“, hat die Pforzheimer Tierheimleiterin Kristin Hinze im Interview gesagt. Sie warf außerdem einen Blick auf Silvester und das Böllerverbot.

Ein Hund schaut durch die Stäbe (Symbolbild). Foto: Thomas Frey/dpa/Archiv

Die Gassigeher bleiben im Lockdown weg, aber die Hunde im Pforzheimer Tierheim wollen raus.

Leiterin Kristin Hinze erzählt von den Aufgaben der Tierpfleger und hofft auf einen ruhigen, angstfreien Jahreswechsel für ihre Schützlinge.

Kristin Hinze ist Leiterin des Tierheims in Pforzheim. Foto: Herbert Ehmann

Haben die Hunde im Tierheim genügend Auslauf?
Hinze

Es ist schon schade, wenn die Gassigeher nicht kommen. Aber so negativ wie man vielleicht denkt, ist das nicht. Bei den Hunden sind meistens vier Tierpfleger da. Sie sorgen dafür, dass die Hunde mindestens zweimal am Tag raus kommen. Jeden Morgen verteilen wir sie auf unsere fünf Freiläufe. Weil wir nicht alle 40 bis 50 Hunde gleichzeitig in die Freiläufe lassen können – manche können einander nicht riechen – nehmen die Tierpfleger die übrigen Hunde an die Leine und führen sie auf dem Gelände umher. Dann wird getauscht. Was viele Besucher nicht wissen: Unser Trampolin, das eigentlich für Kinder gedacht ist, ist auch bei den Hunden heiß begehrt.

Das Tierheim ist bis mindestens 10. Januar für Besucher geschlossen. Was ist der Unterschied für Sie im Vergleich zu sonst?
Hinze

Für uns läuft vieles wie sonst. Es gibt ja nach wie vor Leute, die Fundtiere abgeben. Was anders ist: Wer sich für ein Tier interessiert, gibt nun auf unserer Homepage eine Selbstauskunft. So kann man vieles im Vorfeld abklären. Aus unserer Sicht ist das besser, weil die Vermittlung gezielter geschieht. So macht es beispielsweise keinen Sinn, wenn Leute eine reine Wohnungskatze wollen, wir aber gerade nur Freigänger haben. Auch kann man vorher manches abklären, um zu sehen, ob ein Hund zum Interessenten und dessen Lebenssituation passt. Im Unterschied zu sonst laufen die Leute nun nicht mehr durchs gesamte Gelände, um sich alle Tiere anzugucken. Das ist für alle stressfreier. Auch die Hunde haben weniger Stress, wenn nicht dauernd jemand zum Zwinger kommt. Und wir haben dadurch mehr Zeit, um uns um die Vergesellschaftung der Hunde zu kümmern.

Leidet das Sozialverhalten der Tiere im Lockdown?
Hinze

Wir haben circa 30 Hunde, die nicht so sozial sind. Im Freilauf kommen sie mit uns Pflegern in Kontakt und lernen zusammen mit diesen, besser mit anderen Hunden umzugehen – und mit andern Menschen. Natürlich fehlen hier unsere Stammgassigeher, die gerade diese Hunde an neue Dinge heranführen.

Wird Corona-Silvester schöner für Ihre Tiere, weil Böller wegfallen?
Hinze

Ich bin gespannt. Der Verkauf ist zwar verboten, aber was man noch hat, darf im kleinen Kreis angezündet werden. Das Tierheim ist zwar abseits gelegen, aber in der Nachbarschaft gab es in der Vergangenheit immer Leute, die geknallt haben. Die letzten Jahre hatten wir Pensionshunde, die Angst hatten. Wenn sie an einer Nacht wie Silvester ohne ihr Rudel sind, ist das nicht so gut. Dieses Jahr haben wir zwar keine Pensionshunde, aber einen Tierheimhund, von dem ich weiß, dass er panische Angst haben wird, wenn es knallt. Der muss entweder im Zwinger bleiben, wo er sich dann auch wohler fühlt oder ich gehe mit ihm in den Aufenthaltsraum. Man weiß nie, wie sich ein Hund verhält, wenn er Panik bekommt, auch wenn es der eigene Hund ist. Ich glaube, dass Katzen noch mehr leiden. Man sieht es ihnen im Gegensatz zu Hunden nicht an, weil sie sich verstecken. Sie leiden still. Und Katzen kann man in der Situation weniger unterstützen, auch wenn man das Radio einschaltet, um den Lärm zu übertönen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang