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Verkehrsdebatte in Pforzheim

Wie sich Tempo 30 in Pforzheim auf Blaulicht-Fahrten auswirken könnte

Rettungs- und Einsatzkräfte sind meist deutlich schneller als der Restverkehr unterwegs. Nun möchte die Stadt Pforzheim für mehr Lärmschutz nahezu flächendeckend Tempo 30. Die Meinungen der Blaulicht-Fahrer dazu gehen dabei auseinander.

Schnell am Einsatzort: Das müssen Rettungskräfte wie Notarzt, Feuerwehr und Polizei sein. Die Folgen von Tempo 30 bewerten sie unterschiedlich. Foto: Paul Zinken/dpa

Das Martinshorn heult auf, es geht um Leben und Tod. Der Fahrer heizt durch die vollen Pforzheimer Straßen, Autos fahren irgendwie zur Seite, bei Tempo 30. Kann das gut gehen?

Sebastian Fischer jedenfalls hat davor Respekt. Der Kommandant der Berufsfeuerwehr und Amtsleiter glaubt, dass die Pläne der Stadt, im Rahmen des neuen Lärmaktionsplans großflächig das Tempo zu reduzieren, auch seine Truppe vor neue Herausforderungen stellt. „Ich komme schon noch durch. Die Frage ist nur: Mit welcher Geschwindigkeit?”

Natürlich sind Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen nicht ans Tempolimit gebunden, wenn das Tatütata losgeht. Doch ganz so simpel ist es dann auch wieder nicht. Immer wieder müssen sich Blaulichtfahrer verantworten, weil sie im Einsatz Unfälle bauen. Die Polizei Pforzheim etwa verweist auf die „gebührende Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung”, die auch im Einsatz gelte.

Feuerwehr kann im Einsatz nicht immer den kürzesten Weg fahren

Im Planungs- und Umweltausschuss brachte Constantin Heel (Junge Liste) unter Berufung auf Fischer einen entsprechenden Einwand gegen die aktuellen Pläne vor, alle Straßen – auch Hauptstraßen – auf Tempo 30 zu reduzieren. Der Innenstadtring soll als Ausnahme auf 40 Kilometer pro Stunde reduziert werden, wobei einzelne Fraktionen unterschiedliche Anpassungen fordern.

Wir sind als Feuerwehr nicht generell gegen diese Maßnahme.
Sebastian Fischer, Kommandant der Berufsfeuerwehr Pforzheim

„Ich möchte mich hier nicht instrumentalisieren lassen. Wir sind als Feuerwehr nicht generell gegen diese Maßnahme”, sagt Fischer.

Aber: „Blaulicht hin oder her, es ist nicht einfach, da Tempo 50 zu erreichen.” Vor allem mit 2,50 Meter breiten Löschfahrzeugen, die ja nicht durch jede Straße ohne Mühe kommen. Die Feuerwehr müsse nach spätestens acht Minuten am Einsatzort sein. Das könne man auch anders gewährleisten – durch den neuen Standort in Eutingen etwa.

Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer setzt auf einen zweiten Standort, um schnelle Fahrten sicherzustellen. Foto: Edith Kopf

„Die Ost-West-Achse war unser Problem”, sagt Fischer. Mit dem Zweitstandort würden aber die Wege an sich kürzer. Fischer sieht auch in den Straßenbreiten ein Problem. Was, wenn Hauptstraßen verengt würden, etwa durch Blumenkübel wie an der Zerrennerstraße oder durch Radwege. Schon jetzt fahre die Feuerwehr nicht immer den kürzesten Weg, da man gerade in Wohngebieten nicht immer durch die engen Straßen komme.

Pforzheimer DRK und Polizei sehen Tempolimit weniger kritisch

Beim Deutschen Roten Kreuz in Pforzheim hat Geschäftsführer Stefan Adam Verständnis für Fischer. „Die haben ja deutlich breitere Fahrzeuge, die kommen nicht so gut durch wie wir.” Dass auch seine Einsatzwagen gebremst würden, glaubt er nicht. Schließlich seien seine Fahrer gut ausgebildet.

Aber auch er weiß: „Genau sagen kann das niemand.” Es könnte genauso gut zu weniger schweren Verkehrsunfällen kommen, was die Zahl der Blaulichtfahrten reduziert.

Zuversicht strahlt die Polizei aus. Man sehe „keine Auswirkung” für die Erfüllung der Aufgaben. Im Idealfall könnten die Autos sogar bei Tempo 30 schneller Platz machen als bei Tempo 50. „Man kann nicht davon ausgehen, dass ein langsamer fahrendes Fahrzeug ein höheres Unfallrisiko für die jeweiligen im Einsatz befindlichen Personen darstellt”, teilt die Polizei Pforzheim auf Anfrage mit.

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