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Kein Gardetanzturnier im Corona-Jahr

Wie steht es um die Faschingskampagne 2021 in Pforzheim?

Kann man trotz Corona Fasching feiern? Vereine in Pforzheim und im Enzkreis wollen mit der Entscheidung, Umzüge und andere Veranstaltungen auszurichten, noch warten.

Umzug in Dillweißenstein: Ob das beliebte Großereignis im Februar stattfinden kann, bleibt weiter offen. Im November soll die Entscheidung darüber fallen. Foto: Roland Wacker

Hygienevorschriften, Abstandsregelungen und die steigenden Infektionszahlen bringen Narren in Pforzheim und der Region in die Bredouille. „Die Verantwortung könnte ich nicht übernehmen – und sonst auch keiner”, sagt Mario Romeiko. Der Präsident der Karneval-Gesellschaft Hochburg Pforzheim (KGHO) spielt auf ein Szenario an mit vielen Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und von denen manche um ihr Leben kämpfen.

Wir wollen nicht aus der Reihe tanzen.
Mario Romeiko, Präsident der KGHO Pforzheim

Kann oder darf man in solch einer Situation Fasching feiern? Das Thema treibt Karnevalisten um. „Wir wollen nicht aus der Reihe tanzen”, erklärt Romeiko zu der kontrovers diskutierten Frage. Schon jetzt hat die KGHO sich durchgerungen, das erste Großevent der fünften Jahreszeit abzublasen: Das Jugend-Tanzsport-Garde-Turnier, das jährlich bis zu 1.000 Besucher in die Jahnhalle lockt, hätte Anfang Dezember stattfinden sollen. Wie dieses fällt auch die Ordensmatinée am 7. November aus.

Viele würden gerne beim Umzug mitlaufen

Was aus dem Dillweißensteiner Umzug und anderen karnevalistischen Highlights in Pforzheim und der Region werden wird, bleibt vorerst noch ungewiss. „Es ist eine sehr dynamische Situation”, begründet Jörg Müller, Präsident des Vereins Fasnetsumzug, die abwartende Haltung, die Fastnachter der Region weitgehend eint. „Wir entscheiden im November anhand der dann bestehenden Verordnungslage, ob wir den Umzug veranstalten”, erklärt Müller.

Dann gelte es abzuwägen, ob die Großveranstaltung bei entsprechenden Auflagen finanziell gestemmt werden kann, ist seinen Worten zu entnehmen. Zunächst werde aber weiter geplant.

Karnevalspräsidenten treffen sich Mitte September

Die Einladungen sind schon vor Wochen raus. Müller erlebt einen deutlich stärkeren Zuspruch als sonst bei auswärtigen Vereinen, die beim Umzug mitlaufen wollen. „Das ist erst einmal erfreulich.” Im November aber gibt es kein weiteres Aufschieben der Frage, ob hü oder hott: Dann müssten Rettungsdienste und Sicherheitspersonal beauftragt werden, erklärt Müller. Ob Ritter Belrem erweckt werden kann, soll sich im Oktober entscheiden.

Keine Prunksitzung im November

Heiko Stoll vom Neuhausener Fastnachtsverein Hau-Hu verweist auf ein gemeinsames Treffen der Karnevalspräsidenten aus Pforzheim und dem Enzkreis am 17. September. „Wir wollten es über die Sommerferien offen lassen.” Eine Entscheidung nimmt der Hau-Hu-Präsident praktisch vorweg: „Unsere große Prunksitzung im November wird wahrscheinlich ausfallen.”

Bei anderen Veranstaltungen laufen die Planungen derzeit ganz normal weiter, auch für den Umzug, der am 14. Februar über die Bühne gehen soll. „Er steht eigentlich schon. Wir müssen nur auf den Knopf drücken”, berichtet Stoll. Ein Hygienekonzept habe man. Die Gardemädchen würden ihr Training aber erst nach den Ferien beginnen.

In Ersingen wird Umzug geplant, als ob es Corona nicht gäbe

Auf der Homepage des Narrenbunds Kakadu Bilfingen wird vermeldet, dass die „Feier des Elften im Elften” am 7. November in der Kämpfelbachhalle ausfällt. Schweren Herzens habe man sich dazu entschlossen. Man sei in den Vorbereitungen sehr eingeschränkt und könne nicht absehen, wie viele Leute sich für die Teilnahme an einer Feier bereit erklärten, heißt es zur Begründung.

Die Narren der K.G. „Fledermaus” Ersingen wollen bei allen Vorhaben die Entscheidungen des Karneval-Komitees Mitte September abwarten. Gleichwohl sind sich Präsident Dominik Kern und Vize Raphael Reich mit Blick auf steigende Corona-Zahlen einig in der Einschätzung, dass es eher schlecht bestellt ist um den 11.11.

Eine abgespeckte Form von Veranstaltungen Anfang 2021 kann Reich sich derzeit noch vorstellen. Er zitiert eine Stimme vom Bund Deutscher Karneval, die da lautet. „Ostern war auch. Es war nur anders.” Umzugsleiter Robin Brenk plant jedenfalls so, „als ob es Corona nicht gebe”. Aber auch so, dass es mit Verträgen keine Probleme gibt, erklärt er.

Gardetänzern wurde bereits abgesagt

Dass die KGHO Pforzheim so früh ihren karnevalistischen Auftakt abgesagt hat, begründet Präsident Romeiko mit der Größe der Veranstaltung in der Jahnhalle und dem damit verbundenen Aufwand. Die Teilnehmer dieses offenen Gardetanzturniers reisen aus allen Teilen des Landes an, das muss weit im Vorfeld geplant werden. „Wir haben ihnen schon abgesagt.”

Gardetänze, bei denen man sich gegenseitig anfassen muss, scheinen in Pandemie-Zeiten einfach undenkbar. So ruht derzeit auch der gesamte Probebetrieb der Gardetanzgruppen. Romeiko kann sich nur an ein Ereignis in seiner 25-jährigen Karriere als KGHO-Präsident erinnern, das die fünfte Jahreszeit ähnlich durcheinander gewirbelt hat wie Corona: Der Irak-Krieg 2003. „Es fiel uns damals schwer, die Veranstaltungen abzusagen, zumal wir schon die ganzen Vorbereitungen getroffen hatten.”

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