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Altersklassen bleiben unter sich

Wieder erlaubt: Der aktive Musikunterricht kehrt in Pforzheim zurück auf den Stundenplan

Der Musikzug am Pforzheimer Hebel-Gymnasium bereitet sich auf den Schulstart unter neuen Bedingungen vor. Was das im konkreten Fall bedeutet, schildern die Musikpädagogen am Hebel-Gymnasium.

Das Klavier steht bereit: Nicolas Eichhorn, Anna-Katharina Kalmbach und Olga Trott (von links) freuen sich, dass Musizieren wieder möglich ist, wenn auch in begrenztem Umfang. Foto: Stefan Friedrich

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Wenn in wenigen Tagen die Schule wieder losgeht, dann wird überall dort einiges anders sein, wo Musikzüge angeboten werden. Die Landesregierung hat den Schulen hier Einschränkungen auferlegt.

Ganz so schlimm, wie es noch zu Ferienbeginn schien, wird es jedoch nicht kommen: Es darf wieder musiziert werden, wenn auch auf keinen Fall klassenübergreifend.

Altersklassen bleiben bei der Musik unter sich

Seit Ende vergangener Woche wissen sie Bescheid, dass das Land Baden-Württemberg seine Verordnung noch einmal gelockert hat. Obwohl im Hintergrund schon an einem Plan B gearbeitet wurde, waren alle erleichtert, verrät Anna-Katharina Kalmbach. Schließlich kommen die Kinder, die das Hebel-Gymnasium besuchen, vor allem wegen des Musikzuges hierher.

Noch ein Jahr Pause wäre für uns der Horror gewesen.
Nicolas Eichhorn. Musikpädagoge am Hebel-Gymnasium

„Musizieren gehört zu unserer Schule einfach dazu.“ Deshalb sei es ihnen allen auch ein „besonderes Anliegen“ gewesen, „die Möglichkeiten, die in letzter Sekunde von der Regierung gegeben wurden, auszuschöpfen“, pflichtet Nicolas Eichhorn bei. Auch wenn ein klassenübergreifend gemeinsames Musizieren nicht erlaubt ist, so versuche man doch, für jede Klasse ein Singangebot zu stellen. „Es geht sonst irrsinnig viel verloren“, weiß er. „Noch ein Jahr Pause wäre für uns der Horror gewesen.“

Insgesamt wird das neue Schuljahr für die gesamte Schule eine „große Herausforderung“, bestätigt Olga Trott. „Es war bis jetzt immer möglich, alles zusammenzumischen“, sprich: Schüler aus allen Klassenstufen konnten in den diversen Ensembles zusammenwirken. Besonders für die jüngsten Schüler sei das immer ein Anreiz gewesen, betont Trott. „Die Kleinen haben nach oben geschaut und gesehen: Da kann ich auch mal ankommen.“

Jetzt gehe der Unterricht vor und wie sich die Arbeitsgemeinschaften entwickeln, werde man abwarten müssen. Noch wissen die meisten Schüler auch nicht, dass sie wieder musizieren dürfen. Sie sollen es erst in den ersten Schultagen erfahren. Eltern werden zudem frühzeitig bei Elternabenden darüber informiert.

Die Ausnahme sind jene, die Anna-Katharina Kalmbach bereits angefragt hat – im Zusammenhang mit einem Tanzprojekt der Bachakademie, an dem das Hebel-Gymnasium beteiligt ist. „Die müssen bis nächste Woche Bescheid bekommen, ob wir dabei sein können.“ Das wird wohl der Fall sein, legt man die ersten Reaktionen der teilnehmenden Schüler und deren Eltern zugrunde: „Die freuen sich sehr“, schildert Kalmbach das Feedback, das sie bekommen hat.

Weihnachtskonzert bereits gestrichen

Definitiv ausfallen werden allerdings die traditionellen Konzerte, unter anderem jenes zu Weihnachten in der Stadtkirche mit regelmäßig rund tausend Besuchern. Klar ist auch, dass die sonst im Musikzug übliche Pflichtteilnahme an einer Arbeitsgemeinschaft in diesem Jahr ausgesetzt wird. Sie soll stattdessen auf freiwilliger Basis geschehen.

Vor allem die geforderten Mindestabstände müssen in der Stundenplanung noch bedacht werden. Bei Sängern und Blasmusikern beträgt dieser zwei Meter nach allen Seiten. Die Musikräume seien also zu klein, um dort singen zu können, bedauert Kalmbach.

Man wird auf die Turnhalle ausweichen müssen.

„Da kommt man mit entsprechender Größe einer Gruppe hin“, bestätigt Eichhorn. Das Problem dabei: die Turnhalle wird nicht nur parallel vom Theodor-Heuss-Gymnasium benutzt; sie wird auch für den regulären Sportunterricht gebraucht. „Wir haben also nicht unbegrenzt Zugriff darauf“, räumt Kalmbach ein. Das mache die Planungen kompliziert.

Schwierige Phase des Unterrichts ohne aktives Musizieren ist vorbei

Auch die Literatur muss so ausgesucht werden, dass sie zu den Möglichkeiten der Ensembles auf Ebene der Klassenstufe passt, gibt Olga Trott zu bedenken. Teilweise ist es unterschiedliche Literatur, die eingeübt wird, teilweise aber auch die identische. Optimismus und Hoffnung liegen nämlich auf dem zweiten Schuljahr; dass bis dahin auch klassenübergreifend wieder Proben möglich sind.

Dann könnten Chöre und Orchester gezielt zusammengeführt werden. Bis dahin sehen die Musiklehrer vor allem auch eine Chance für die Schüchternen unter den Schülern: in den kleineren Gruppen könne man den Einzelnen besser fordern und fördern, so Kalmbach. So oder so sind sie aber alle glücklich, dass die Landesregierung manches wieder erlaubt hat, was vor den Sommerferien verboten war. „Wir sind superglücklich, dass wir der Normalität wieder ein Stückchen näher kommen“, versichert Trott. Unterricht nur mit Papier und Stift, aber ohne aktives Musizieren, das sei für alle eine „schwierige Situation“ gewesen.

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