Sie wollen nicht weniger, als mit der Plattform ato dem Kunstmarkt im deutschsprachigen Raum neue Impulse verleihen: Elisabeth Kuon (li.), Andreas Hölldorfer und Norina Quinte (re.) | Foto: Sebastian Heck

Anzeige

Landeskongress shareBW: Hier beginnt die Zukunft des Kunstmarkts

Anzeige

Das Team von ato aus Karlsruhe macht es spannend. Im Moment ist das, womit die InitiatorInnen den Kunstmarkt aufmischen wollen, noch im Bereich der grauen, nein besser: schwarzen Theorie, der Erkennungsfarbe von ato. Doch mit dem Launch der Online-Plattform im Frühjahr 2019 soll dann das Rätsel zur Gänze gelöst werden. Und das beginnt bereits beim Namen.

ato ist nicht etwa die Abkürzung für „Allgemeine Transport Organisation“. ato ist vielmehr ein wohlklingendes Kunstwort, das für sich stehen soll. Der Kunstmarkt? Am liebsten ato. Das Konzept, das die Jury des shareBW-Wettbewerbes überzeugte, ist freilich jetzt schon bekannt. Die Ausgezeichneten in der Kategorie Creativity haben nicht weniger im Sinn, als den Kunstmarkt der Zukunft zu gestalten, zumindest ihm frische Impulse zu verleihen.

ato verbindet den analogen mit dem digitalen Kunstmarkt

„Galeristen haben es verpasst, sich der digitalen Welt zu stellen“, erklärt Elisabeth Kuon, eine der InitiatorInnen von ato. „Mit gängigen Modellen fällt Galerien der Sprung in die Zukunft zunehmend schwer. Das Projekt ato hingegen will mit seinem nachhaltigen Neuentwurf des Kunstmarktes die analoge mit der digitalen Welt verbinden.“ Damit entstehe Potenzial zur Rettung des Kunstmarktes aus seiner Schieflage. „Der boomt zwar zunehmend“, beobachtet die zweite im Bunde von ato, Norina Quinte, „gleichzeitig können gegenwärtig nur fünf bis zehn Prozent der KünstlerInnen in Deutschland von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben.“ Die beiden Studierenden der HfG Karlsruhe sind davon überzeugt, dass Kunst als ein wichtiges Sprachrohr der Gesellschaft weiterhin zugänglich bleiben sollte.

Wie geschieht die Rettung des Kunstmarkts?

Die Rettung des Kunstmarktes, aber auch der oft weit unter dem Existenzminimum agierenden Künstler wird sich auf zwei Ebenen abspielen: Zum einen wird ato die Online- Schiene bedienen. „Der Künstler hat es nämlich schwer, gefunden zu werden“, schildert Elisabeth Kuon die derzeitige Situation. „Deswegen stellen wir ihn in den Mittelpunkt. Auf unserer Plattform vermitteln wir Kunstwerke und Ideen von von uns ausgewählten Künstlern an Kunstinteressierte.“ Das Team von ato, dem auch der gelernte Mechatroniker und studierte Elektro- und Informationstechniker Andreas Hölldorfer angehört („Verschiedene Perspektiven bereichern uns“), wird sich der technischen Seite widmen. Will heißen: eine IT-Struktur aufbauen und sich um die handwerkliche Seite beispielsweise beim Ausstellungsaufbau kümmern.

Künstler werden fair beteiligt

„Wenn dem Besucher der ato- Plattform ein digital präsentiertes Werk gefällt, das wir natürlich zuvor garantiert mit eigenen Augen gesehen haben, gibt die Plattform darüber Auskunft, wo das Werk ‚offline‘ zu sehen ist“, erklärt Norina Quinte. Ein wichtiger Aspekt: Sämtliche Werke der Plattform bleiben auch nach ihrem Verkauf Teil des stetig wachsenden und von Karlsruhe ausgehenden, digitalen Kunstarchivs. Ein zweiter Bereich der ato-Plattform ermöglicht dem Künstler die Plattform mit ihren Möglichkeiten und Verkaufskanälen eigenständig zu nutzen. Denkbar sind dabei das Einstellen von beispielsweise Lebensläufen, Porträts, Presseartikeln, Abbildungen oder Videomaterial.

Faire Beteiligung der Künstler

Einen Aspekt betont Norina Quinte, die den Kunstbetrieb bestens kennt, mit Nachdruck: „Wir werden die Künstler fair beteiligen.“ Die Macher von ato haben hierfür ein System entwickelt, das den Künstlern erlaubt, auch nach dem Verkauf ihrer Werke an der Wertsteigerung zu partizipieren. „Wie das im Einzelnen funktioniert, hüten wir im Moment aber noch als unser Geheimnis.“ Kunst will aber nicht nur digital, sondern auch im realen Raum, erlebt werden. Deshalb wird das prämierte Kunstportal sowohl selbst Ausstellungen realisieren, als auch Künstlern die Möglichkeit geben, Präsentationen in Eigenregie umzusetzen.

Nach Unterstützern wird gesucht

Zuversichtlich blickt das ato-Trio in die Zukunft: „Die Auszeichnung ist die Basis für unsere weitere Arbeit.“ Gleichwohl ist ato auf der Suche nach weiteren Unterstützern. Das kann in der Form temporärer oder langfristiger Überlassungen von Räumlichkeiten in ganz Deutschland liegen – in Karlsruhe beispielsweise sucht das Start-up noch einen Büroraum. Für klassisches Mäzenatentum sind die InitiatorInnen offen, genauso wie für Schenkungen von Werken der Moderne und Gegenwart, etwa aus Sammlungen und Nachlässen. Informationen über ato im Internet unter www.ato.black. Von Matthias Schöffl