Das Gründerteam von V-INDUSTRY, das mit seiner Plattform den Gedanken der Share Economy in die Industrie tragen will. Links der für Sales und Marketing zuständige Thorsten Eller. | Foto: oef

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Landeskongress shareBW: Sharing Economy für die Industrie 4.0

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Geteilt wird mittlerweile vieles: Autos, Werkzeuge, Gartengeräte, Wohnungen und vieles mehr. In der Industrie hingegen hat das Sharing- Prinzip bislang nur wenig Verbreitung gefunden. Dabei gäbe es zahlreiche Vorteile, würden Unternehmen ihre Maschinen zeitweise Dritten überlassen, wenn gerade mal kein Auftrag ausgeführt wird. An einer Lösung wurde schon getüftelt.

Das in Ostfildern ansässige Start-up V-INDUSTRY (V steht dabei für „virtuell“) hat die einzigartigen Vorzüge des Maschinenteilens erkannt und sich den Herausforderungen der Umsetzung gestellt. Die Firma wurde mit der Auszeichnung des Ideenwettbewerbes shareBW in der Kategorie Smarther Earth/Energy belohnt. Der Dreh- und Angelpunkt: Die Unternehmen werden über eine online- Plattform miteinander verknüpft. Automatisch lässt sich so erkennen, wenn eine Maschine stillsteht und von einer anderen Firma genutzt werden könnte.

Vorteile für beide Seiten

Der Vorteil dieses kollaborativen Verhältnisses ist beidseitig: Auf der einen Seite kann der Auftraggeber mit Fertigungsbedarf trotz voller Auslastung seiner Maschinenkapazität eine Fertigung zeitnah ausführen. Der Kunde bleibt ihm also erhalten. Auf der anderen Seite sind die Maschinen der Firma im günstigsten Fall weitgehend ausgelastet. Das aufwendige Schreiben von Angeboten entfällt und neue Kunden ergeben sich sogar ohne Akquise.

Kosten gespart, Umwelt geschont

Durch die verbesserte Produktionsauslastung kann das Unternehmen seinen wirtschaftlichen Erfolg vergrößern. Die gemeinsame Nutzung von Maschinen spart also Zeit und Kosten – und schont die Umwelt. Zudem hat ein Unternehmen mit seinem Angebot den ersten Schritt in die Industrie 4.0 gemacht. „Genau diese Industrie 4.0 mit der Vernetzung als Grundlage verstehen wir nicht als unbeherrschbare Komplexität“, sagt Mitgründer und Gesellschafter Thorsten Eller, „sondern als die Chance, ein einfaches und belastbares Geschäftsmodell zu entwickeln.“ An dem V-INDUSTRY freilich prozentual beteiligt sein wird. Derzeit befindet sich das Projekt noch in einer Pilotphase. „Zusammen mit den Pilotpartnern setzen wir gegenwärtig Prozesse auf, um dann in einem weiteren Schritt auf einer folgenden Plattform ein einfaches Teilen der Maschinen zu ermöglichen“, schildert der für Marketing und Sales zuständige Eller den aktuellen Stand des perspektivreichen Projekts.

Ressourcen mit agilen und belastbaren Lösungen

Kennengelernt haben sich Thorsten Eller und die weiteren Gründer Olaf Krause und Prof. Dr. Oliver Maroner über die gemeinsame Leidenschaft, die Technologie. „Wir stammen aus Berufen, in denen das eine große Rolle spielt.“ Schon früh war das Gründertrio davon überzeugt, dass Baden-Württemberg eine große Ressource besitzt: technologische Phantasie und deren Überführung in praktische Lösungen. „Die Ressourcen, die besonders in unserer Region stark sind, wollen wir anderen Unternehmen agil in einfachen und belastbaren Lösungen zugänglich machen“, formuliert Eller die Philosophie von V-INDUSTRY.

Zeit und Geld, um zu überzeugen

Damit dies gelingt, ist einiges an Überzeugungsarbeit nötig. Möglichst viele Pilotpartner sollen die entwickelten Lösungen zum Teilen von Maschinen unverbindlich testen. Das bedeutet häufiges Reisen, zeitintensive Workshops, gut vorbereitete Vorträge und überzeugende Unternehmensbesuche. „Um die Forschung und Entwicklung zu betreiben sowie die Pilotprojekte zu akquirieren und zu finanzieren, setzen wir viel Zeit und Geld ein“, sagt Thorsten Eller.

„Da haben wir uns über das mit dieser Auszeichnung verbundene Fördergeld natürlich besonders gefreut.“ Da kann man motiviert in die Zukunft schauen: „Ab September suchen wir eine Anschlussfinanzierung.“ Mehr Informationen im Internet unter www.v-industry.com. Von Matthias Schöffl