Die dritte und vierte Generation, Vater Bernd und Sohn Peter Höllstern, sind gemeinsam stark und begeistert bei der Arbeit. | Foto: Höllstern

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Vom Schädlings­bekämpfer zum Umwelt­experten

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Der Besucher spürt es nach wenigen Minuten: Hier führen zwei die Geschäfte, die wissen, wovon sie sprechen, die Freude haben an dem was sie tun und die sich als eingespieltes Zwei-Generationen-Team gegenseitig ergänzen. Was dann doch nicht weiter verwundert, sind doch Bernd und Peter Höllstern Vater und Sohn.

Ein Bild aus vergangenen Tagen zeigt, wie und wo alles begann., 1919 in der Karlsruher Kanonierstraße als Einmann-Betrieb. | Foto: Höllstern

Dritte und vierte Generation am Start

In nunmehr dritter und vierter Generation leiten die beiden ein weit über die Grenzen Karlsruhes hinaus bekanntes Familienunternehmen, das in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. Früher nannte man Unternehmen dieser Branche Kammerjäger. Zutreffender ist jedoch die heutige Bezeichnung der Bernd Höllstern GmbH als „Fachunternehmen für Umwelthygiene, Holz- und Bausanierung“, womit die Geschäftsinhalte schon präzise abgesteckt sind. Peter Höllstern lacht und greift zum Telefon-Branchenbuch. Da gibt es tatsächlich noch eine Rubrik, die mit „Kammerjäger“ überschrieben ist, dann aber doch auf die Rubrik Schädlingsbekämpfung verweist. „Diese Bezeichnung, die mittlerweile innerhalb unseres Berufsstandes fast beleidigenden Charakter hat, ist immer noch ganz tief in den Menschen verwurzelt“, sagt Peter Höllstern nachdenklich. „Dabei umfasst dieser Beruf heute so viel mehr, da sich brancheninterne Standards, Verfahren und Technologien stetig weiterentwickeln. Dabei ist die Qualität der Ausbildung mit der Anpassung an zeitgemäße Anforderungen über die Jahre hinweg deutlich gestiegen.“

Einmal Empfehlung – immer Empfehlung: Der Ruf des hundertjährigen Unternehmen reicht heute weit über Karlsruhe hinaus. | Foto: Archiv qHöllstern

Aus vielen Adressen hinausgewachsen

Vom Gift spritzenden „Kammerjäger“ zum umsichtigen Umweltfachmann. So könnte man die Entwicklung dieses Berufes beschreiben und so lassen sich auch die ersten 100 Jahre des Familienunternehmens Höllstern erzählen. Im Karlsruher Stadtarchiv aufbewahrte Dokumente zeigen: Friedrich Höllstern gründete 1919 das Unternehmen in der Karlsruhe Kanonierstraße als kleinen Einmannbetrieb. Danach wechselt die Firma wiederholt ihren Sitz innerhalb von Karlsruhe und sitzt nun iner Mannheimer Straße in Rintheim. „Wir sind einfach immer sehr schnell gewachsen“, erzählt der heutige Seniorchef Bernd Höllstern, der die Firma von seinem Vater Kurt übernahm, der wiederum der Sohn von Firmengründer Friedrich war. Heute beschäftigen die Höllsterns rund 20 Mitarbeiter in der Schädlingsbekämpfung sowie zehn Mitarbeiter in der Sparte Bausanierung.

Wenn Bernd Höllstern äußerst lebendig aus dem Firmennähkästchen des vorigen Jahrhunderts plaudert, dann bleibt so mancher Mund weit offen stehen: In den 70er Jahren drei Mitbewerber samt Mitarbeitern aufgekauft, in ganz Westdeutschland geschäftlich unterwegs gewesen, nach dem Mauerfall 1989 in Chemnitz eine Firma gegründet, die sich dem Bautenschutz und der Bausanierung widmete, Anfang der 90er Jahre im Auftrag der damaligen Sowjetunion am Schwarzen Meer erfolgreich mehrere Hotels sowie Altenheime und städtische Gebäude von Schädlingen – insbesondere heftigen Schabenbefällen befreit.

Auch für Sohn Peter war früh klar, dass nach seiner betriebswirtschaftlichen Erstausbildung die Ausbildung zum Schädlingsbekämpfer und der Eintritt in die Firma folgen sollte. „Das war eigentlich schon immer mein Ziel“, verrät der heute Mitdreißiger. „Ich bin hier einfach reingewachsen“. Vater Bernd, der eigentlich Bauzeichner-Ingenieurbau gelernt hat, lacht: „Das war bei mir nicht anders. Mein Vater sagte mir: Hilf doch bitte mal aus. – Und seither habe ich mit dem Aushelfen nicht aufgehört.“ Die reibungslose Familiennachfolge funktioniert also hier bestens und die nächste potentielle Nachfolgegeneration bahnt sich bereits an.

Lästige Plagegeister und Schädlinge haben bei Höllstern keine Chance. | Foto: supasart/Adobe Stock

Schutz vor Schädlingen und …

Was Bernd und Peter Höllstern sowie deren Mitarbeiter an dem Beruf des Schädlingsbekämpfers begeistert, ist dessen große Vielfalt. Die Kernkompetenz und heute eine der beiden Standsäulen des Unternehmens ist die Schädlingsbekämpfung. Dazu zählen unter anderem der klassische Gesundheits- und Vorratsschutz der Pflanzenschutz, der Holzschutz (chemisch-technisch oder biophysikalisch durch Heißlufttechnik), die sogenannte Taubenvergrämung sowie Desinfektionen und Geruchsbeseitigungen. Hierfür besitzen die Mitarbeiter die entsprechende Grundausbildung samt unterschiedlichen Zusatzqualifikationen wie beispielsweise zum staatlich geprüften Desinfektor.

… schlechten Einflüssen

Zum anderen hat Bernd Höllstern in jungen Jahren das Portfolio um das Tätigkeitsfeld des Bautenschutzes erweitert. Das umfasst neben der Bauwerksabdichtung die Sanierung von Balkonen und Terrassen sowie die Wasserschadensbeseitigung inklusive der Trocknung. „Ganz einfach gesagt: Wir schützen Gebäude vor schlechten Einflüssen“, erklärt der Senior.

Für Wirkstoffe gilt Minimierungsgebot

Bernd und Peter Höllstern haben den Wandel des Berufes über die vielen Jahre hinweg hautnah mitbekommen. So waren früher zum Beispiel größere Einsatzmengen insektizider Spritzmittel üblich. Heute hingegen wird im Rahmen des Minimierungsprinzips der Einsatz von bioziden (Wirk-)Stoffen durch Prävention, mechanische, bauliche oder biophysikalische Maßnahmen auf ein notwendiges Mindestmaß reduziert. „Wir setzen kleine Mengen ein, aber diese ganz gezielt. Eine immer größere Rolle spielt dabei die biologische Bekämpfung, wobei in manchen Fällen natürliche Feinde eines Schädlings zum Zuge kommen wie etwa bestimmte Schlupfwespenarten und andere räuberische Insekten gegen andere Schadinsekten. „Das Bewusstsein in Sachen Umwelt und auch in der Schädlingsbekämpfung hat sich spürbar gewandelt“, so Peter Höllstern.

Veränderungen durch Klimawandel

Zwei unsere Zeit prägende Tendenzen erlebt das Fachunternehmen für Umwelthygiene, Holz- und Bautenschutz besonders hautnah: Die globale Mobilität, die Schädlinge um die gesamte Welt trägt, und den Klimawandel. „Alle fünf bis zehn Jahre sehen wir eine Veränderung in der Welt der Tiere“, schildert Peter Höllstern seine Erfahrungen.

Einsatz gegen eine aus dem Süden hereingebrochene Plage,
die Raupen des Eichenprozessionsspinners.
| Foto: Höllstern

Das wohl prominenteste Beispiel ist der Eichenprozessionsspinner, ein aus südlichen Gefilden stammenden Falter, der vor rund 20 Jahren nach Deutschland kam und mit steigender Tendenz in Nordeuropa und Osteuropa für Furore sorgt. Die feinen Brennhaare der Raupe enthalten ein Gift, das starke Hautreizungen, Allergien und Asthma auslösen kann. „Prophylaktisch haben wir im vergangenen Jahr mehrere tausend Bäume vorbeugend wirksam unter anderem in Schwimmbädern, Kindergärten, Schulen und Parks behandelt.“

Präsenz in vielen Fachverbänden

Als Ausbildungsbetrieb geben Bernd und Peter Höllstern sowie ihr erfahrenes Team ihr Wissen auch gerne an die Jugend weiter. Obgleich es die Branche schwer hat, Nachwuchs zu finden, hat die Höllstern GmbH in diesem Jahr wieder zwei Lehrlinge zu einem erfolgreichen Ende ihrer Ausbildung geführt und sucht bereits neue Auszubildende für das kommende Ausbildungsjahr 2020. Die Nachwuchsproblematik ist freilich nicht der Grund für Bernd Höllstern, sich auch nach seinem 70. Lebensjahr noch aktiv ins Unternehmen einzubringen: „Warum sollte ich in Rente gehen? Meine vielfältigen administrativen Aufgaben und die immer neuen Herausforderungen machen mir wahnsinnig viel Spaß und halten mich fit. Ich mach’ ganz einfach weiter.“ Zudem geht Bernd Höllstern unabhängig von seiner Tätigkeit in seinem Unternehmen gerne seiner Arbeit als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger nach. Auch am Verbandsleben nehmen die Herren Höllstern aktiv teil und vertreten das Unternehmen in mehreren Berufsfachverbänden. (öff)

Weitere Informationen zur Bernd Höllstern GmbH finden Sie auch unter www.hoellstern.de