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Sommerspiele in Tokio

Auch ohne Olympia-Feeling: Schachmann hofft auf seine Chance

Höhentrainingslager in der Sierra Nevada, Verzicht auf die Tour de France, dazu die frühestmögliche Anreise - Maximilian Schachmann bereitete sich akribisch auf das olympische Straßenrennen vor. Das ist auch nötig. Denn die Strecke ist hart.

Deutscher Meister: Maximilian Schachmann hofft bei den Spielen in Tokio auf seine Medaillenchance. Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Für die Olympischen Spiele hat Maximilian Schachmann sogar auf einen Start bei der Tour de France verzichtet. Der deutsche Straßenradmeister ist als einer der ersten deutschen Athleten nach Japan gereist, um für das Straßenrennen am Samstag bestens vorbereitet zu sein.

Läuft alles nach Plan, kämpft er in Tokio um eine Medaille. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der 27-Jährige über seine Chancen, die Verhältnisse vor Ort und seine Erfahrungen vor seiner ersten Olympia-Teilnahme.

Maximilian Schachmann, Sie sind bereits als einer der ersten deutschen Sportler nach Tokio angereist. Wie sind Ihre Eindrücke?

Maximilian Schachmann: Ich bin zum ersten Mal in Japan und ich finde, dass es ein sehr beeindruckendes und schönes Land ist. Wir sind trotz der Pandemie und der Widerstände gegen die Spiele sehr gastfreundlich empfangen worden.

Zuletzt waren Sie im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada. Wie ist Ihre Form?

Schachmann: Wenn man den Zahlen und dem Körpergefühl vertrauen kann, sollte die Form ganz okay sein. Letztendlich wissen werden wir es erst am 24. Juli.

Wie bewerten Sie den schweren Kurs mit fast 5000 Höhenmetern?

Schachmann: Es wird ganz sicher ein sehr schweres Rennen. Insbesondere der Anstieg zum Mikuni Pass ist extrem steil. Insgesamt sind sicher die Bergfahrer im Vorteil.

Wie realistisch ist nach diesen Eindrücken eine Medaille, womöglich die goldene?

Schachmann: Ich bin ganz sicher nicht der Topfavorit, aber auch nicht völlig chancenlos. Ich gehe ambitioniert in das Rennen und werde alles geben. Dann nehme ich das Ergebnis, so wie es kommt. Frage: Wer sind Ihre größten Rivalen im Straßenrennen?

Topfavorit ist sicher Remco Evenepoel. Dann muss man abwarten, wie die Jungs drauf sind, die aus der Tour kommen. Einige sind ja vorzeitig in Frankreich ausgestiegen. Die Italiener, Kolumbianer und Slowenen haben auch eine sehr starke Mannschaft. Frage: Sie gehen auch im Zeitfahren an den Start. Was ist da möglich?

Schachmann: Wenn die Form gut ist, kann ich da sicher auch um ein sehr gutes Ergebnis mitfahren. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Straßenrennen. Frage: Sie haben für Olympia auf die Tour de France verzichtet. Wie schwer war es, den Teamkollegen im TV zuzuschauen?

Ich habe diese Entscheidung, gemeinsam mit dem Team, ja ganz bewusst getroffen. Daher ist es mir nicht schwergefallen, diesmal bei der Tour Zuschauer gewesen zu sein. Und ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre dabei bin und zur Tour zurückkommen kann. Frage: Es ist Ihre erste Olympia-Teilnahme. Was macht den Reiz der Spiele aus?

Das Schachmann: kann ich leider noch nicht sagen, da es ja dieses Mal Spiele sind, die unter dem Schatten einer Pandemie stattfinden. Daher ist natürlich nicht alles, wie es unter normalen Umständen wäre. Aber ganz allgemein sind Olympische Spiele sicher ein Karriereziel für die meisten Sportler.

Wie waren Ihre ersten Erfahrungen im olympischen Dorf?

Schachmann: Die kann ich leider auch nicht machen, da wir in der Nähe der Strecke für die Straßenrennen untergebracht sind. Das olympische Dorf werde ich daher leider gar nicht kennenlernen.

Wie erleben Sie die strengen Sicherheitsmaßnahmen der Gastgeber in Sachen Corona?

Schachmann: Das wird alles sehr sorgfältig und gründlich gemacht. Für mich gehört das mittlerweile dazu und ich empfinde es nicht als Belästigung.

Die Zuschauer sollen in Japan komplett ausgeschlossen werden. Auch an der Radstrecke soll es leer bleiben. Kann so Olympia-Feeling überhaupt aufkommen?

Schachmann: Nein, es wird sicher nicht möglich sein, dass so Olympia-Feeling aufkommt. Aber sind wir doch einfach froh, dass wir überhaupt Olympische Spiele erleben. Ich denke, das ist derzeit nicht selbstverständlich. Deshalb sehe ich das fehlende Feeling als einen Preis, den wir sicher gerne bezahlen.

Die japanischen Menschen stehen laut Umfragen den Spielen ablehnend gegenüber. Macht Olympia unter diesen Umständen überhaupt Sinn?

Schachmann: Ich glaube, dass es in diesem Punkt kein richtig oder falsch gibt. Am Ende muss es jeder mit sich selber ausmachen. Ich bin froh, dass die Spiele stattfinden, kann aber auch die andere Seite verstehen.

Der komplette Olympia-Tross soll quasi mit der Bevölkerung nicht in Kontakt treten. Wie gehen Sie mit dieser sogenannten Arbeits-Quarantäne um?

Schachmann: Ich halte mich daran. Alles andere macht ja keinen Sinn. Das sind die Vorgaben, damit die Spiele stattfinden können. Und wir sind alles gut beraten, wenn wir das akzeptieren. Zur Person: Maximilian Schachmann (27) wiederholte in diesem Jahr seinen Erfolg aus dem Vorjahr beim Traditionsrennen Paris-Nizza und gewann im Juni zum zweiten Mal die deutsche Straßenradmeisterschaft. Der Profi des deutschen WorldTour-Teams Bora-hansgrohe gehört zu den besten Fahrern bei Eintagesrennen und gilt als Kandidat auf eine olympische Medaille im Straßenrennen.

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