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KSC-Präsident sieht „tollen Pokalfight“

Elfmeter und Eigentor verhindern Pokal-Überraschung der KSC-Frauen gegen Jena

Viel fehlte dem Frauenteam des KSC nicht zur Überraschung im DFB-Pokal. Doch ein Elfmeter und ein Eigentor brachten den Favoriten aus Jena auf Kurs. Für Abteilungsleiter Behr war der Pokal-Mittag in Bruchsal dennoch viel wert.

Starke Teamleistung: Die Frauenmannschaft des Karlsruher SC war im Achtelfinale des DFB-Pokals nah dran an einer Überraschung. Am Ende setzte sich aber doch der Bundesligist Carl Zeiss Jena durch. Foto: Markus Gilliar/GES

Während die Siegerinnen aus Jena recht zügig vor dem nasskalten Herbstwetter in die Kabine flüchteten, hatten es Selina Häfele und Co nicht eilig. Die Kapitänin des Karlsruher SC und ihre Mitspielerinnen hielten am Spielfeldrand noch den ein oder anderen Plausch mit befreundeten Zuschauern.

Frauen-Abteilungsleiter Helmut Behr ließ derweil im Clubhaus des 1. FC Bruchsal bei einem Kaffee mit KSC-Vizepräsident Günter Pilarsky den besonderen Pokalmittag ausklingen.

Wir kennen hier den Platz, der liegt uns.
KSC-Trainerin Romina Konrad zur Anlage beim 1. FC Bruchsal

Die Szenen nach Schlusspfiff verdeutlichten zweierlei: Die Enttäuschung bei den KSC-Frauen und ihrem Anhang nach der 1:3(0:0)-Niederlage im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den FC Carl Zeiss Jena hatte sich rasch verflüchtigt. Und: Die Karlsruherinnen sind in ihrem Interims-Domizil in Bruchsal längst heimisch geworden.

„Der Wildpark ist im Moment für uns Utopie. Der Rahmen für so ein Spiel ist aktuell dort nicht vorhanden“, erklärte Behr mit Blick auf die Baustelle im und rund um das Stadion am Adenauerring. Und auch Trainerin Romina Konrad meinte: „Wir kennen hier den Platz, der liegt uns. Wir haben hier schon sehr, sehr viele gute Spiele bestritten.“ Im Wildpark anzutreten hätte für Konrad eher den Charakter eines Auswärtsspiels gehabt, „da wir momentan die Gegebenheiten dort nicht kennen“.

KSC-Frauen geben auch nach Rückstand nicht auf

Am Samstagmittag hatte das KSC-Frauenteam, das sonst in der drittklassigen Regionalliga um Punkte kämpft, in Bruchsal einen weiteren starken Auftritt hingelegt und dem Bundesligisten aus Jena alles abverlangt.

Selbst als der erwartungsgemäß spielbestimmende Favorit nach 70 Minuten in Person von Verena Volkmer via Foulelfmeter den Bann gebrochen hatte, gab sich Konrads Team noch nicht auf. Die kurz zuvor eingewechselte Lisa Grünbacher glich postwendend aus (72.), ehe ein Eigentor von Lisa-Marei Halm (83.) und ein Treffer von Nicole Woldmann (87.) die Karlsruher Hoffnungen begruben.

Das war Werbung für uns.
Helmut Behr, Abteilungsleiter der KSC-Frauen

„Insgesamt war das eine tolle Leistung, die Zuschauer waren begeistert“, resümierte Behr und ergänzte: „Das war Werbung für uns. Was wir nicht wollten: 5:0 oder 6:0 untergehen.“

Eine Klatsche im Pokal hatten Häfele und Co fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor kassiert, als sie – damals noch im Grenke-Jugendstadion des KSC – beim 0:8 gegen das Spitzenteam von Eintracht Frankfurt chancenlos gewesen waren.

Keine Pokal-Klatsche für den KSC wie gegen Frankfurt

Ein Déjà-vu deutete sich nun gegen Jena nicht an. Zum einen, weil der Bundesliga-Vorletzte nicht dasselbe Tempo vorlegte wie einst die Eintracht, und zum anderen, weil der lauf- und zweikampfstarke Außenseiter seinem Kontrahenten kaum Raum zur Entfaltung gab.

Und wenn es den Jenaerinnen doch einmal gelang, die KSC-Defensive zu knacken, war Melanie Döbke zur Stelle. Die überragende Torhüterin der Heimelf machte etwa die besten Chancen im ersten Durchgang durch Anna Weiß (21.) und Rita Schumacher (34.) zunichte.

Grünbacher belohnt „weltklasse“ Reaktion der KSC-Frauen

Nur wenige Sekunden nach Wiederbeginn war Döbke dann im Glück, als Annika Graser einen Nachschuss an den Pfosten setzte. Jena fiel in der Folge nicht mehr viel ein und doch lag der Bundesligist nach 70 Minuten plötzlich auf Kurs. Emily Wolff war gegen Adrijana Mori zu spät gekommen, Kapitänin Volkmer verwandelte den fälligen Strafstoß.

„Die Reaktion der Mannschaft, die war weltklasse, bärenstark“, beschrieb Trainerin Konrad hinterher die Minuten, die auf das 0:1 folgten. Ihre Mannschaft bekam die zweite Luft und nach ihrem besten Angriff der Partie die Chance zum Ausgleich. Grünbacher ließ sich diese nach Vorarbeit von Fabien Eichler nicht entgehen und plötzlich – das spürten nun auch die rund 320 Zuschauer – war die Pokal-Überraschung wieder möglich.

Halm im Pech, Woldmann macht alles klar

Die Karlsruherinnen gestalteten die Begegnung nun offener, mussten aber sieben Minuten vor dem Ende den entscheidenden Nackenschlag hinnehmen. Karla Görlitz lief über links auf und davon und flankte nach innen, wo KSC-Abwehrchefin Halm den Ball unglücklich ins eigene Tor lenkte. Woldmanns satter Schuss ins kurze Eck beseitige kurz darauf endgültig die Zweifel am Weiterkommen der Gäste.

„Ein Riesenlob an diese Teamleistung. Natürlich sind sie jetzt teilweise etwas geknickt, aber da müssen wir sie aufbauen“, meinte Konrad, „den Respekt, von jedem, der heute hier war, den haben wir uns verdient.“

Neben Pilarsky gehörten auch Präsident Holger Siegmund-Schultze und Sportchef Oliver Kreuzer zu den Zuschauern in Bruchsal. Den Zwei-Klassenunterschied habe man nicht gesehen, fand Siegmund-Schultze und betonte: „Das war ein toller Pokalfight.“

Und auch mit dem Austragungsort konnte sich der Clubchef durchaus anfreunden. „Ich finde das nicht so schlimm, weil wir ein Verein aus der Region sind und Bruchsal ja nur 20 Kilometer weg ist“, erklärte Siegmund-Schultze.

KSC-Frauen haben Zweite Liga im Blick

Behr freute sich derweil über die Wertschätzung und das Interesse der Vereinsverantwortlichen und zudem bereits auf die „top Perspektive“, nach Fertigstellung des neuen Wildparks im kleinen Stadion auf dem derzeitigen Germania-Gelände spielen zu dürfen.

Und im Idealfall soll es dann nicht nur um Punkte in der Regionalliga gehen. Den Aufstieg hat der aktuell Viertplatzierte der Süd-Staffel 1 noch nicht abgeschrieben.

„Wir wollen die Abteilung auf das nächste Level heben und das heißt Zweite Liga“, betonte Behr. Und der hätte sicher nichts dagegen, wenn der Aufschwung der KSC-Frauen in den kommenden Jahren eine ähnliche Dynamik gewinnen würde wie beim Pokal-Kontrahenten aus Jena. Diesem war in den vergangenen Jahren der Durchmarsch aus der dritten in die erste Liga gelungen.

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