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Rückkehr in die Europahalle

Indoor Meeting Karlsruhe: Weltklasse-Leistungen trotz Geisterkulisse

Die Leichtathleten sorgten beim Karlsruher Indoor Meeting auch ohne die Unterstützung von Zuschauern für ein Feuerwerk an Top-Resultaten und Stabhochspringer Renaud Lavillenie für das Highlight.

Starke Frau: Auriol Dongmo aus Portugal sorgte mit ihrem wuchtigen Stoß auf 19,65 Meter für den ersten Höhepunkt des Meetings. Foto: Indoor Meeting

Keine Zuschauer, Applaus aus der Konserve und US-Kugelstoßerin Raven Saunders im Ring mit Maske. Aber es gab auch die bekannte Stimme von Hallensprecher Wolf-Dieter Poschmann, erneut dreieinhalb Stunden Leichtathletik auf Top-Niveau und Stabhochspringer Renaud Lavillenie wie immer als Star des Abends.

Bei der Rückkehr des Karlsruher Indoor Meetings in die Europahalle war am Freitagabend wegen Corona vieles anders als in den 36 Auflagen zuvor, aber gleich blieb das Fazit: Bei der ersten Station der World Athletics Indoor Tour mit ihren fünf Etappen sorgten die 130 Starter aus 37 Nationen für Spitzenresultate en masse und gute Unterhaltung – wenn auch diesmal ausschließlich für das Fernsehpublikum.

Es fielen acht Weltjahresbestmarken

Dass insgesamt acht Weltjahresbestmarken fielen, war natürlich auch wieder dem frühen Zeitpunkt der Wintersaison geschuldet. Aber Leistungen wie jene von Sprinterin Dina Asher-Smith und von Lavillenie sind von einer Qualität, dass sie länger für die Spitzenposition reichen könnten.

Die britische 200-Meter-Weltmeisterin von 2019 trommelte in ihrem ersten internationalen Auftritt seit ihrem Gold-Rennen von Doha die 60 Meter in herausragenden 7,08 Sekunden herunter. Lisa Mayer aus Wetzlar kam in 7,21 Sekunden auf Rang vier.

Lavillenies große Flugshow

Für die große Flugshow zeichnete wieder einmal Renaud Lavillenie verantwortlich. Der französische Ex-Weltrekordler meisterte 5,95 Meter, womit er nicht nur die Weltjahresbestleistung um einen Zentimeter hievte, sondern auch bei seinem fünften Sieg in Karlsruhe seinen eigenen Meeting-Rekord um vier Zentimeter steigerte. Danach ließ der 34-Jährige die sechs Meter auflegen, doch nach zwei Fehlversuchen war Schluss für Lavillenie.

Auf den Plätzen folgten die US-Amerikaner Matt Ludwig (5,80) und Cole Walsh (5,72). Höhengleich mit dem Dritten landete der Leverkusener Torben Blech auf Rang vier, er hakte damit die Norm für die Hallen-EM Anfang März ab. Raphael Holzdeppe aus Zweibrücken und Oleg Zornikel aus Leverkusen überquerten 5,62 Meter und wurden gemeinsam Sechste.

Kugelstoßerin Schwanitz enttäuscht

Gleich zu Beginn des Meetings hatte Auriol Dongmo aufhorchen lassen. Mit einem spitzen Schrei schickte die 30-Jährige die vier Kilo schwere Kugel auf die Reise. Sie hatte ein echtes Pfund drauf, die gebürtige Kamerunerin, die sich seit vergangenem Jahr für Portugal ins Zeug wirft. Bei 19,65 Metern bohrte sich das Rundeisen in die blaue Matte – natürlich neue Weltjahresbestleistung und den bisherigen Meeting-Rekord von 18,41 Metern förmlich pulverisiert.

Dreimal 18,27 Meter

Die alte Karlsruher Hausmarke hatte seit vier Jahren Christina Schwanitz inne, ebenso hatte die gebürtige Dresdnerin für das Top-Ergebnis 2021 gesorgt. Doch fünf Tage nach ihren starken 19,11 Metern von Rochlitz brachte die Weltmeisterin von 2015 nicht ähnliche Dynamik und Wucht hinter das Gewicht. Die 35-Jährige vom LAV Erzgebirge musste sich mit enttäuschenden 18,27 Metern und Rang fünf begnügen. Kurioserweise landete ihre Kugel dreimal bei dieser Weite.

Sie hatte sich auf alle Fälle viel mehr versprochen. „Das Training hat anderes abgezeichnet. Dass da heute so ein blödes Ergebnis steht, ist schade, aber nächstes Mal wird es hoffentlich wieder besser“, sagte die Sächsin, die im vergangenen Jahr lange an den Folgen eines Bandscheibenvorfalls laboriert hatte.

Zwei deutsche Sieger

Zu den Athleten, die sich als Sieger bei der hochkarätigen Meeting-Serie feiern durften, zählten überraschenderweise auch zwei Deutsche: Viertelmeiler Marvin Schlegel aus Chemnitz und 1.500-Meter-Läuferin Katharina Trost. Der 23-Jährige schaffte das Kunststück, über die 400 Meter den dreimaligen Hallenweltmeister Pavel Maslak hinter sich zu lassen. Während der Deutsche in seinem Zeitlauf mit 46,61 Sekunden gestoppt wurde, brauchte der Tscheche fast vier Zehntel mehr.

„Ich wusste, dass ich gut drauf bin. Aber dass es mit dem Sieg klappt, ist schon überraschend und umso geiler“, meinte Schlegel. Irritiert habe ihn, dass beim Einmarsch in die Halle Beifall zu hören war, „das war schon sehr real“, hat ihn aber nicht aus der Bahn geworfen: „Beim Lauf war ich dann im Tunnel. Es hat mich nicht gestört, ohne Zuschauer laufen zu müssen.“

Auch Katharina Trost überraschte sich selbst. Die 800-Meter-Spezialistin ließ über die 1.500 Meter alle Expertinnen hinter sich. „Ich habe wirklich mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass ich am Ende ganz vorne bin“, sagte die Münchnerin, die mit 4:12,02 Minuten zwei Sekunden über ihrer Bestzeit blieb.

Kessler mit persönlicher Bestzeit

Die 800 Meter der Männer waren eine klare Angelegenheit von Elliott Giles. Der Brite lief 1:45,5 Sekunden und damit so schnell, wie kein anderer in 2021. Lokalmatador Christoph Kessler von der LG Region Karlsruhe kam als Sechster ins Ziel in neuer persönlicher Bestzeit von 1:47,2 Minuten.

Rückkehr in die Europahalle

Weil keine Zuschauer zugelassen waren, kehrte das Meeting noch einmal in die Europahalle zurück. Aus Brandschutzgründen durften nicht mehr als 200 Personen gleichzeitig in der Halle sein. Die vergangenen sechs Auflagen hatten in der Messehalle stattgefunden.

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