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Mehr Wege zum Ziel

KSC arbeitet an seiner Emanzipation von Hofmanns Toren

Philipp Hofmann ist und bleibt die dominante Figur im Angriff des Karlsruher SC. Beim 4:2-Sieg in Würzburg ging der Mittelstürmer aber leer aus. Das Trainerteam des Zweitliga-Zehnten freut sich, dass auch andere im Team torgefährlicher werden.

Mit allen Mitteln: KSC-Torjäger Philipp Hofmann rieb sich auch am Samstag wieder in Strafraumduellen auf. In dieser Szene sichert er den Ballbesitz gegen den Würzburger Textil-Tester Nzuzi Toko ab. Foto: Helge Prang/GES

In Würzburg entlud sich bei Philipp Hofmann im zweiten Abschnitt einmal geballter Frust. Als ihm der Kickers-Schlussmann Fabian Giefer nach Benjamin Gollers durchgesteckten Ball zuvorgekommen und so die Chance auf das 5:1 vorüber war, trat der Mittelstürmer hinter dem Tor gegen eine Werbebande. Für diese Unbeherrschtheit sah der Torjäger des Karlsruher SC die Gelbe Karte und eine Minute später dabei zu, wie das Zweitliga-Schlusslicht durch Christoph Kobalds abgefälschten Ball ins eigene Tor auf 2:4 verkürzte.

Hinterher blieb davon festzuhalten, dass Hofmanns nächste Verwarnung in der Liga seine fünfte sein wird. Im Duell mit dem Tabellendritten Spvgg Greuther Fürth am Freitag (18.30 Uhr) droht dem 27 Jahre alten Sauerländer damit eine Sperre.

Derweil bewertet das Trainerteam das Würzburg-Spiel als Indiz, dass die Mannschaft des Tabellenzehnten im Prozess, sich von Toren ihres Goalgetters zu emanzipieren, vorankommt. Dass das wichtig bleiben wird, belegt die Statistik: Siebenmal traf Hofmann 2019/2020 bis zu diesem Saisonzeitpunkt.

Ebenso oft tat er es trotz der durch Wechselquerelen negativ beeinflussten Startphase in der laufenden Runde. Dass sich der KSC im kommenden Sommer abermals mit dem Bundesliga-Wunsch seines Angreifers beschäftigen muss, ist wahrscheinlicher als dessen Bereitschaft zu einer Vertragsverlängerung.

Woche für Woche Eigenwerbung

Hofmann betreibt Woche für Woche Eigenwerbung. Er reibt sich als einzige Spitze gegen die Verteidiger auf. Trainer Christian Eichner sagt dazu: „Ich glaube nicht, dass es in der Liga einen zweiten Spieler gibt, der in der Luft über 90 Minuten so bearbeitet wird wie Hofmann, der, solange die Kräfte da sind, eigentlich keine Bälle verliert. Der nach langen Abschlägen die Bälle festmacht, ablegt.“ So wie auch in Würzburg, als Karlsruhes 1,96 Meter großer „Baumstamm“ (O-Ton Hofmann) vor Marvin Wanitzeks Tor zum 2:0 dafür sorgte, dass Marco Thiedes Flankenball im Strafraum so richtig gefährlich wurde. Hofmann ackert, macht, tut.

Dass er selbst in Würzburg leer ausging, dafür drei andere für Torerfolge sorgten, fand Eichner mit Blick aufs Ganze „umso schöner“. Der Sonntagsschuss des Doppel-Torschützen Wanitzek zum 3:1 war der erste Treffer in dieser Saison, den der KSC von außerhalb des Sechzehners erzielte. Gondorfs Heber zum 4:1 der zweite. Neun Profis sind nach 14 Spieltagen für die 22 vom KSC selbst erzielten Tore verantwortlich. Beim 3:1 in Braunschweig profitierte der KSC auch von einem Eigentor. Das ist eine ausbaufähige Zwischenbilanz.

Goller bestätigt gute Eindrücke

Es bleibt eine Kernaufgabe im Spiel mit Ball: Die Wege der Badener zum Spielziel sollen noch unberechenbarer werden. Dahingehend war das Würzburg-Spiel mustergültig. Hohe, lange Bälle auf Hofmann hat die Konkurrenz immer auf der Rechnung, die ruhenden Bälle gleichermaßen. „Die langen Bälle bleiben auch immer ein wichtiges Stilmittel, weil sie dazu geeignet sind, die Pressinglinie des Gegners zu überspielen und dass wir so im Strafraum Gleichzahl erreichen“, sagt Eichners Assistent Zlatan Bajramovic dazu. Mit mehr Tempo und Torgefahr will der KSC daneben über die Flügel auftreten.

Goller, der seinen zweiten Saisontreffer erzielte, bestätigte in Würzburg auf der rechten Seite seine guten Eindrücke aus dem HSV-Spiel (1:2) vor Weihnachten. Und Lorenz befindet sich in einem guten Flow, nur ein Torerfolg fehlt ihm. Bei seinem Tor zum 1:0 war Goller am Samstag in den Strafraum durchgelaufen und damit nach Lorenz` Flanke zur Stelle.

Auch die Achter sollen die Torbedrohung erhöhen, wobei Bajramovic, wie berichtet, die eigene Erfahrung in den Trainingsalltag einbringt. „Es ist gut, wenn man selbst die Position gespielt hat. So weiß man, wie man Unterschiede erarbeitet. Mit Übungsformen rufen wir immer wieder in Erinnerung, dass die Achter und auch die Spieler vom Flügel situativ die Läufe in den Strafraum suchen“, erklärt er. Bajramovic weiß aber auch: Hofmanns Tore werden in dieser Saison eine Konstante bleiben.

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