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Offensivstarker FC St. Pauli

KSC erwartet im hohen Norden eine steife Offensiv-Brise

Um ein Defensiv-Fiasko wie gegen Darmstadt zu vermeiden, muss der KSC bei den offensivstarken Paulianern besser verteidigen. Dabei rücken zwei Routiniers in den Fokus, die länger nicht mehr auf dem Platz standen.

Kein leichter Gang: Robin Bormuth, Kapitän Jerôme Gondorf und Lukas Fröde (von links) erwartet mit dem KSC am Sonntag beim offensivstarken FC St. Pauli eine schwere Aufgabe. Foto: Helge Prang/GES

Jérôme Gondorf hatte sich seine blaue Wollmütze weit über die Ohren gezogen und Daniel Gordon seine Handschuhe aus dem Schrank geholt. Das Thermometer zeigte nur wenige Grade über Null, als sich die Profis des Karlsruher SC vor ihrer Abreise gen Hamburg am frühen Freitagvormittag noch einmal auf dem Trainingsplatz im Wildpark versammelten. KSC-Cheftrainer Christian Eichner und sein Assistent Zlatan Bajramovic ließen Eckbälle und Freistöße üben und hatten dabei vor allem das Defensivverhalten im Blick.

Kein Wunder, hatte der KSC doch zuletzt beim 3:4 gegen Darmstadt gleich mehrfach bei Standards schlecht ausgesehen und drei der vier Gegentore nach ruhenden Bällen kassiert, eines davon per Elfmeter. Man habe die Fehler im Laufe der Woche aufgearbeitet, erklärte Eichner, stellte aber klar: „Das gehört zu dieser Liga im Guten wie im Schlechten sehr oft dazu.“

Sie haben eine starke Wucht nach vorne und gute Spieler im Zentrum.
KSC-Kapitän Jerôme Gondorf

Der Gegner, mit dem es die Karlsruher am Sonntag (13.30 Uhr) zu tun bekommen, hat bislang vor allem aus dem Spiel heraus zugeschlagen – und das nicht gerade selten. Der FC St. Pauli stellt mit zwölf Toren hinter dem Stadtrivalen Hamburger SV (15) und gemeinsam mit Darmstadt 98 die zweitbeste Offensive der Liga.

Mit dem Zwei-Meter-Hünen Simon Makienok aus Dänemark und dem quirligen Daniel-Kofi Kyereh dürfte dem KSC am Sonntag eine steife Offensiv-Brise ins Gesicht wehen. Kapitän Gondorf und seine Kollegen müssen sich trotz angesagter Temperaturen im zweistelligen Plusbereich also warm anziehen. „Sie haben eine starke Wucht nach vorne und gute Spieler im Zentrum. Da geht es darum, dass wir das gut verteidigen und auch wirklich zu Ende verteidigen“, warnte Gondorf.

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Die Paulianer stehen unter ihrem neuen Trainer Timo Schultz für Offensivspektakel, aber eben auch für defensive Anfälligkeit. Elf Gegentore bedeuten die drittschwächste Defensivbilanz aller Zweitligisten. Vier der bisherigen sechs Partien der Hamburger endeten 2:2, zuletzt auch das Stadtderby gegen den HSV. Bei Schultz, der am Millerntor seit 15 Jahren in den unterschiedlichsten Funktionen wirkt, steckt da durchaus System dahinter.

Bei Pauli-Trainer Schultz haben Spektakel System

„Wir wollen riskieren, wir wollen offensiv spielen, wir wollen auch mal Fehler machen“, erklärte Schultz bei der Pressekonferenz am Freitag und fügte hinzu: „Mit acht Mann hinten rein und hoffen, dass ich keinen reinkriege und vorne irgendwie nach einem Standard einen reinmurmel, das ist nicht mein Ding, das wird auch nicht das Ding der Mannschaft sein und das sollte auch nie die Art und Weise sein, wie der FC St. Pauli Fußball spielt.“ Eine klare Ansage von Schultz und eine Herangehensweise, die der seines Karlsruher Kollegen durchaus ähnelt.

Auch Eichner legt Wert auf fußballerische Lösungen, auf ein mutiges Auftreten, auf regelmäßige Pressingphasen. Welches Personal diese Vorgaben am Sonntag in die Tat umsetzen soll, darauf legte sich der KSC-Coach am Freitag noch nicht fest. Gut möglich, dass Dominik Kother nach seiner abgesessenen Sperre in die Startelf zurückkehrt und Benjamin Goller auf die Bank verdrängt.

Routiniers Gordon und Pisot kommen als Kobald-Ersatz infrage

In der Viererkette kommen die Routiniers Daniel Gordon und David Pisot als Ersatz für Christoph Kobald infrage, der nach einer Gelb-Roten Karte gegen Darmstadt gesperrt fehlt. Pisot tauchte in der Freitagseinheit zwischenzeitlich an der Seite von Innenverteidiger Robin Bormuth auf. Für die Variante mit Gordon spricht, dass dieser im Gegensatz zu Pisot in den vergangenen beiden Partien im Kader gestanden hatte.

Am Freitag hatte Eichner Zeit genug, sich über die Aufstellung Gedanken zu machen. Der KSC-Tross, der am Vormittag nach einer weiteren Corona-Testreihe in den Bus gestiegen war, wurde erst am Abend in Hamburg erwartet. Dort wird er am Samstagmittag auf dem HSV-Gelände eine letzte Einheit absolvieren, ehe er am Sonntag vor leeren Rängen um seine Zweitliga-Punkte fünf bis sieben kämpfen wird.

Für Gondorf ist es zurzeit „relativ irrelevant, wo wir spielen“

Gondorf kennt und schätzt die Atmosphäre am Millerntor, die diesmal nun eine ganz andere sein wird. „Jetzt sind keine Zuschauer da. Von daher ist es relativ irrelevant, wo wir spielen.“ Wichtig sei es, sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren, „dass wir dann auch Punkte mitnehmen können“. Andernfalls droht dem Tabellen-17. witterungsunabhängig ein ungemütlicher November.

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