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Mitgliederversammlung

KSC-Mitglieder erkennen Fortschritte an: 2G, Rauchzeichen und die Suche nach dem „Turbo“

Die Ordentliche Mitgliederversammlung des Karlsruher SC war auch 2021 wieder nur virtuell möglich. Die Verantwortlichen sprachen über das blaue Auge, das der Fußball-Zweitligist vor der Pandemie-Kulisse wirtschaftlich hinzunehmen hatte.

Versammlungsleiter: KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze während der Mitgliederversammlung, die er von Wössingen aus in die Kamera hinein moderierte. Foto: Markus Gilliar/GES

Mit der Meldung des Tages war der Karlsruher SC schon Stunden vor der virtuellen Verabredung mit seinen Beitragszahlern herausgekommen: So war der Mehrheit der aktuell 11.154 Mitglieder des Fußball-Zweitligisten, von denen anfangs über 650 und in der Spitze über 850 zugeschaltet waren, längst bekannt, dass für Spiele im Wildparkstadion künftig die 2G-Regel gelten wird.

Heißt: Bis auf Weiteres werden dort an Spieltagen nur vollständig Geimpfte und Genesene eingelassen, Ausnahmen gibt es für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren und für nicht impffähige Personen.

Wollen „niemanden diskriminieren“

„Sie können sich sicher sein, dass wir die Frage intensiv diskutiert haben“, stellte Holger Siegmund-Schultze in seinem Jahresbericht fest. Der e.V.-Präsident leitete die Versammlung aus den Räumen eines IT-Partners im Walzbachtal-Wössingen. „Wir wollen so vielen Menschen wie möglich wieder den Zugang zum Stadion gewähren“, sagte er, dabei ohne jede Absicht, irgendwen „zu diskriminieren“.

Als Mangel an Wertschätzung wollte Siegmund-Schultze auch nicht verstanden wissen, dass er auch in diesem Jahr auf die Ehrung verdienter Mitglieder in deren Präsenz verzichten musste. Das betraf unter anderem die Ex-Präsidenten Hubert H. Raase (40 Jahre) und Roland Schmider, der 70 Jahre im Verein ist.

20.000 Zuschauer möglich, keine Maskenpflicht, keine Personalisierung

Mit der Umstellung auf das mit der neuen Landesverordnung möglich gewordene 2G-Modell darf der KSC die derzeit vorhandene Kapazität von 20.000 Zuschauern (2.000 davon im Gästeblock) ausschöpfen. Die Maskenpflicht fällt damit ab 31. Oktober mit der Heimpartie gegen den SC Paderborn genauso weg wie das personalisierte Ticket.

Die Nachverfolgung erfolgt stattdessen anonymisiert via Luca-App, Corona-Warn-App oder Kontaktverfolgungsformular. Vor allem, was die Finanzen im laufenden Geschäftsjahr angeht, ergeben sich durch 2G für den KSC bessere Möglichkeiten.

Beim Raucherthema „medial überrumpelt“

Natürlich reichten Mitglieder sowohl zu diesem Entschluss sowie zum eben erst ausgesprochenen Rauchverbot per Chatfunktion Nachfragen ein. Siegmund-Schultze räumte ein, dass der Verein sich beim Rauchthema „medial überrumpelt“ gefühlt habe. Er bekräftigte, dass der „Nichtraucherschutz“ über allem stehe, mit Blick auf den neuen BBBank Wildpark neue Überlegungen nicht ausgeschlossen sind.

Er unterstrich die Absicht zu größtmöglicher Transparenz und erwähnte den eingeschlagenen Veränderungsprozess, der sechs Handlungsfelder unter der Überschrift „Startup mit Tradition“ umschließt. Die Fortschritte seien deutlich auszumachen. Der Rückstand zu anderen Vereinen sei „mindestens verkürzt“ und die Rahmenbedingungen für den Sport „verbessert“, sagte er.

Eichner passt „wie die Faust aufs Auge“

Im Sport, dem ersten Feld, stehen die Absicht zur weiteren Professionalisierung und stärkeren Durchlässigkeit aus dem Nachwuchs im Vordergrund. Mit Cheftrainer Christian Eichner und Zlatan Bajramovic, die diesen Anspruch weiter mit Leben zu füllen haben, verlängerte der Tabellensechste der Saison 2020/21 die Verträge vorzeitig um drei Jahre bis 2025 und sorgte damit für Kontinuität.

Sportgeschäftsführer Oliver Kreuzer wiederholte, dass Eichner zum Verein „wie die Faust aufs Auge“ passe und versicherte in seinem Bericht gegenüber den Mitgliedern: „Das schließt ein, auch mal schwierige Momente gemeinsam zu überstehen.“ Kreuzer kündigte auf Nachfrage eines Mitglieds an, dass der auslaufende Vertrag mit Torwarttrainer Markus Miller ebenfalls verlängert wird.

Strategischer Investor „noch nicht identifiziert“

Hinsichtlich der Finanzen, das zweite Feld, verfolge die KGaA eine klare Investitionsstrategie mit dem Ziel einer weiteren Konsolidierung. „Die Sanierung ist noch nicht abgeschlossen“, betonte der KSC-Präsident unter Rückbezug auf die „Stunde null“ im Verein im Mai 2020, als der KSC zusammen mit seinen Gläubigern durch eine Entschuldung um 20 Millionen eine Insolvenz abgewendet hatte.

Ein strategischer Investor, der sich als Aktionär im Volumen von 25 Prozent im mit 60 Millionen Euro bewerteten Unternehmen engagiert, wurde erklärtermaßen „noch nicht identifiziert“. Hier befinde sich der KSC im Spannungsfeld zwischen der 50+1-Regelung und der Corona-Problematik. Einen geeigneten Partner zu finden, würde als „Turbo“ für die Ziele des KSC wirken, betonte Siegmund-Schultze.

Wir sind gut durch die schweren Zeiten gekommen.
Michael Steidl, Verwaltungsratvorsitzender

Michael Becker, Geschäftsführer des e.V. und der KGaA, erklärte, dass der KSC auch wegen seines Disziplinhaltens die Pandemie vergleichsweise gut abgefedert hat.

Eine Lesart, die der Verwaltungsratsvorsitzende Michael Steidl stellvertretend für sein Gremium bestätigte. „Außerordentliche Ausgabendisziplin“ habe man gehalten. Steidl hielt fest: „Wir sind gut durch die schweren Zeiten gekommen.“

Geplantes Investitionsvolumen im Wildpark: 23 Millionen Euro

Hinsichtlich der Infrastruktur, der dritte Baustein, bleiben Investitionen in den BBBank Wildpark, der im Sommer 2023 eröffnet werden soll, eine zentrale Herausforderung für den KSC. Becker bezifferte den Gesamtaufwand für den Verein mit 23 Millionen Euro. Diese beträfen Mietereinbauten (10,9 Millionen Euro), Sonderwünsche (3,6) und das Parkhaus (8,5), dessen Umsetzung der KSC als Pächter weiter als „sehr, sehr wichtig“ erachte.

Die Gespräche mit der Stadt als Bauherrin des Stadions, mit den Banken und mit Finanzierungspartnern laufen. Der Anspruch des KSC habe es zu sein, die dann 34.000 Zuschauer fassende Arena auszulasten.

Was die Organisation angeht, liegen in Folge der vor zwei Jahren umgesetzten Ausgliederung die Schwerpunkte in der bereits angegangenen Reorganisation und in der Personalentwicklung. Digitalisierung und Markenstrategie definieren die Felder fünf und sechs.

Corona hinterlässt Spuren

Bekannt war bereits, dass die mit einem Jahresumsatz von 19,014 Millionen Euro vorgestellte KSC GmbH & Co KGaA das Geschäftsjahr 2020/21 (30. Juni 2021) mit einem Verlust von 5,8 Millionen Euro abgeschlossen hatte, 5.2 Millionen hiervon benennt die Geschäftsführung als direkte Corona-Folge.

Das Ergebnis ist durch Sondereffekte in Höhe von 8,197 Millionen Euro geprägt. Diese Sondereffekte umfassen die Einnahmeverluste und Zusatzaufwendungen durch Corona (u.a. Tests), der mit einer Rückstellung von 2,850 Millionen Euro verbundene Vergleich mit dem Vermarkter Sportfive sowie Stadioninvestitionen in Höhe von 122.000 Euro.

Die Sanierung ist noch nicht abgeschlossen.
Holger Siegmund-Schultze,KSC-Präsident

Die Gegenfinanzierung sei im Wesentlichen mit einem KfW-Kredit in Höhe von drei Millionen Euro sowie diversen Kosteneinsparungen erfolgt. Die Zahlen werden auch an diesem Mittwoch bei der Jahreshauptversammlung der Aktionäre, dann abermals virtuell abgehalten, zur Sprache kommen.

Präsident lobt Becker für Vergleich mit Sportfive

Siegmund-Schultze sprach der KGaA-Geschäftsführung, namentlich Becker, seinen Dank für die „unternehmerische Lösung“ im Dialog mit dem vormaligen Streitgegner Sportfive aus. Das Oberlandesgericht hatte im Oktober 2020 in zweiter Instanz festgehalten, dass die vom KSC ausgesprochene Aufkündigung des Agenturvertrags unwirksam war. Nun ist Sportfive wieder als Partner des KSC engagiert.

Lob für die Vereinsverantwortlichen gab es bei der nicht ganz dreistündigen MGV auch immer wieder für die Führung des Clubs mit dem öffentlichen zurückhaltenden Präsidenten an der Spitze selbst. „Stolz“ war einer, wie man die Marke KSC präsentiere.

Neu als feste Abteilung im e.V. vertreten ist die zweite Fußballmannschaft, in der auch eine Futsal-Fraktion eingebunden ist. Die Abteilungen „Leichtathletik“ und „Fitnesssport“ wurden vereint. Vereinsrat Dieter Gläser blickte am Ende seines Beirats auch voraus: „Die Zeit der Videokonferenzen ist vorbei, darüber freuen wir uns.“

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