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Jung sitzt mit im Bus

KSC setzt gegen Nürnberg auf Überraschungseffekte à la Choi

Eigentlich ist Marvin Wanitzek im KSC-Mittelfeld gesetzt. Doch in Nürnberg muss er wohl wie in der Vorwoche mit der Jokerrolle vorlieb nehmen. Schuld daran ist ein Spieler, der im KSC-Dress bislang nur selten glänzte.

Unruhestifter: Kyong-Rok Choi, hier mit Jérôme Gondorf (links) und Philipp Hofmann (rechts), stellte zuletzt den Gegner aus Sandhausen vor Probleme und hat deshalb gute Chancen auch in Nürnberg von Beginn an aufzulaufen. Foto: Markus Gilliar/GES

Es kommt höchst selten vor, dass Marvin Wanitzek beim Anpfiff eines KSC-Pflichtspiels nicht auf dem Feld steht. Am vergangenen Samstag war es nach knapp zwei Jahren mal wieder soweit.

Und weil der nach einer Bänderverletzung wiedergenesene Wanitzek da den ersten Saisonsieg des Karlsruher SC miterlebte – zunächst als Zuschauer, nach 77 Minuten dann als Protagonist auf dem Rasen –, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der KSC-Dauerbrenner auch an diesem Freitag (18.30 Uhr) im Max-Morlock-Stadion mit der Jokerrolle vorlieb nehmen muss. Gegner ist vor leeren Rängen dann der Zweitliga-Neunte 1. FC Nürnberg.

„Natürlich ist mein Anspruch, in der Truppe zu spielen, und ich glaube, ich bin auch kein Spieler von der Bank. Aber wenn es so kommt, dann muss ich es irgendwie akzeptieren“, sagt Wanitzek, dem nicht entgangen ist, dass es „die Jungs gegen Sandhausen gut gemacht“ haben. Das gilt auch für seinen Vertreter Kyoung-Rok Choi.

Der Südkoreaner ist, was die Einsatzzeiten angeht, so ziemlich das Gegenteil von Wanitzek. Knapp ein Jahr lang hatte Choi vor dem Sandhausen-Spiel nicht in der KSC-Startelf gestanden, seit seiner Ankunft im Wildpark im Sommer 2018 wartet er noch auf den großen Durchbruch. Ein Kreuzbandriss im Dezember 2019 und eine Bänderverletzung im Sprunggelenk kurz vor dem Saisonstart warfen den technisch versierten Mittelfeldspieler zudem zurück.

Neuzugang Jung fährt mit nach Nürnberg

Nun wagt Choi einen neuen Anlauf. Christian Eichner attestierte diesem, gegen Sandhausen „einen ersten ordentlichen Schritt“ gemacht zu haben. Generell zählt der KSC-Cheftrainer den 25 Jahre alten Choi wie auch Dominik Kother zu den Spielern, die den Unterschied machen können. „Sie haben das Überraschende in ihren Aktionen und werden dadurch ein Stück weit nicht greifbar für den Gegner“, findet Eichner, der am Donnerstag vermeldete, dass auch Neuzugang Sebastian Jung die Reise nach Nürnberg antreten durfte.

Der Spielertyp Choi ist zudem prädestiniert für die Rolle im zentralen Mittelfeld in einem 4-2-3-1. Und in eben jener Grundformation war der KSC am vergangenen Samstag zu seinen ersten Toren und Punkten gekommen. Lukas Fröde, der gegen Sandhausen auf der Sechserposition in Kapitän Jérôme Gondorf einen Nebenmann gehabt hatte, will die Systemfrage aber nicht überbewerten.

„Das ist alles nahe beieinander. Da schiebst du den einen Spieler ein paar Meter höher auf der Tafel, dann hast du ein 4-3-3, die anderen nennen es 4-1-4-1. Dann ziehst du einen nach hinten und du hast ein 4-2-3-1“, jongliert Fröde mit den spieltaktisch relevanten Zahlen.

Fröde erwartet Gegner „aus einer anderen Kategorie“

Egal in welchem System, gegen die individuell stark besetzten Nürnberger brauche man am Freitagabend „eine Topleistung“, ahnt Fröde. Schließlich sei der frühere Bundesligist, der in der Vorsaison um ein Haar in die Drittklassigkeit abgerutscht wäre, „ein Verein, der nochmal aus einer anderen Kategorie kommt“.

Allerdings sind die Franken, die am Freitag noch einmal ohne den positiv auf das Coronavirus getesteten Hanno Behrens auskommen müssen, auch in dieser Spielzeit noch nicht so richtig in Tritt gekommen. Fünf Punkte aus vier Spielen stehen bislang zu Buche.

Am Montag brachten die Nürnberger vom Gastspiel auf St. Pauli einen Zähler mit (2:2). „Die ersten Ergebnisse haben gezeigt, dass noch nicht klar ist, wohin final der Weg für sie gehen wird“, sagt Eichner über den Gegner, bei dem er „immer noch eine große Qualität“ sieht.

Ich glaube, da kommt eine Mannschaft auf uns zu, die besser ist als der aktuelle Punktestand.
Robert Klauß, Trainer des 1. FC Nürnberg

Auch die Nürnberger haben Respekt vor ihrem Kontrahenten. „Ich glaube, da kommt eine Mannschaft auf uns zu, die besser ist als der aktuelle Punktestand“, erwartet der neue Club-Trainer Robert Klauß, dem nur ganz wenig Zeit blieb, um sein Team auf den KSC vorzubereiten. Die körperliche Frische könnte ein nicht unwesentlicher Faktor beim Duell der Franken mit den Badenern werden.

Dass sie durchaus Stehvermögen besitzen, haben die „Clubberer“ am vergangenen Dienstag bewiesen. Jedenfalls jene, die bei der ersten virtuellen Mitgliederversammlung der Vereinsgeschichte bis zu deren Ende um kurz vor 2 Uhr auf Sendung geblieben waren.

Mit Zusammenkünften auf digitalem Wege kennt man sich beim KSC dagegen inzwischen bestens aus. Bei der dritten in diesem Jahr war in der Vorwoche unter anderem der Startschuss für die Aktienausgabe an Kleinanleger gegeben worden. In der ersten Woche haben nach Vereinsangaben bislang 700 Aktionäre 250.000 Euro investiert.

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