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Saisonstart in Finnland am Freitag

Mit neuem Schuh und Online-Yoga: Kombinierer Faißt aus Baiersbronn hat Heim-WM fest im Blick

Von klein auf stürzte sich Manuel Faißt die Schanzen hinunter und raste durch die Loipen. Längst zählt der Baiersbronner zur Kombinierer-Elite. Auch in dieser Saison will er vorne mitmischen – doch die Konkurrenz ist groß.

Bereit für neue Höhenflüge: Der aus Baiersbronn stammende Manuel Faißt startet wie die übrigen deutschen Kombinierer an diesem Freitag im finnischen Ruka in die Weltcup-Saison. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Satz, der unter dem imposanten Bild gleißender Polarlichter steht, soll potenzielle Gäste zu einem Abstecher in den Norden Finnlands animieren. Er könnte aber genauso gut an Manuel Faißt und seine Teamkollegen gerichtet sein. „Jeder Besuch in Ruka und Kuusamo“, so ist auf der Webseite der beiden Orte zu lesen, „ist der Beginn eines neuen Abenteuers.“

Nun sind den deutschen Kombinierern die Bedingungen am Polarkreis, sprich Temperaturen unter null Grad und nahezu kein Tageslicht, bestens vertraut. Schließlich startet der Weltcup-Winter seit 2002 in dem finnischen Wintersportgebiet. Doch in diesem Jahr erwartet die einstigen Könige der Schanzen und Loipen mehr denn je ein Flug ins Ungewisse.

„Ich denke, dass wir uns verbessert haben, aber die anderen, die können wir nicht einschätzen“, sagt der aus Baiersbronn stammende Faißt, der mit seinen Kollegen an diesem Freitag in Ruka den ersten Wettkampf bestreitet.

Für Faißt ist nationale Leistungsdichte Fluch und Segen zugleich

Da die internationalen Wettkämpfe im Sommer der Pandemie zum Opfer fielen, kann Faißt nur vermuten, dass er sich auf einem ganz guten Weg befindet, um die Ergebnisse aus den beiden Vorjahren zu bestätigen. Zweimal hatte der 27-Jährige den Winter als Zehnter des Gesamtweltcups beendet.

Immerhin: Vor gut einem Monat bewies er starke Frühform, als er bei den deutschen Meisterschaften in Oberstdorf gemeinsam mit Fabian Rießle den Titel im Teamsprint gewann.

Ein erster Gradmesser war das durchaus, ist die nationale Konkurrenz doch nach wie vor groß. Neben Rießle sind Vinzenz Geiger sowie die mit Olympia- und WM-Gold dekorierten Eric Frenzel und Johannes Rydzek Kandidaten für vordere Platzierungen. Für Faißt ist die Leistungsdichte in den eigenen Reihen Fluch und Segen zugleich.

„Man weiß, wo man steht. Wenn man im Training vorne mithalten kann, dann auch international“, sagt er, „aber es ist schwierig sich durchzusetzen, wenn es um große Team-Veranstaltungen geht.“

Heim-WM in Oberstdorf wird diesmal kein Spektakel

Beim Saison-Höhepunkt, der Heim-WM in Oberstdorf, will Faißt auf jeden Fall mitmischen. Die Bilder von 2005, als insgesamt über 350.000 Zuschauer die Titelkämpfe im Allgäu in ein riesiges Spektakel verwandelten, hat er noch vor Augen.

Mit Blick auf Ende Februar bleibt Faißt in Sachen Kulisse aber realistisch: „Das wird diesmal nichts. Das nimmt schon ein bisschen das Schöne von der WM, aber das müssen wir akzeptieren.“ Fünf Deutsche auf der großen und vier auf der kleinen Schanze dürfen dann um Medaillen kämpfen.

Manuel Faißt, Nordischer Kombinierer vom SV Baiersbronn Foto: Poolfoto/SVEN SIMON SvenSimon/Deutscher Skiverband

Dass der in Furtwangen geborene Faißt einmal zur Kombinierer-Elite stoßen würde, hatte sich schon früh abgezeichnet. Über seinen Vater, einst selbst aktiv in der nordischen Königsdisziplin und später Trainer beim SV Baiersbronn, kam er bereits in frühester Kindheit mit der Sportart in Berührung.

Einstige „Dominierer“ wollen Lücke zu Überflieger Riiber schließen

„Sobald ich laufen konnte, war ich beim Training mit dabei“, erzählt Faißt, der überhaupt aus einer echten Sportlerfamilie stammt. Seine drei Jahre ältere Schwester Melanie war Skispringerin und eifert heute Mutter Andrea auf dem Fußballplatz nach.

Und wie gut kann Manuel Faißt Kicken? „Wir spielen häufiger zum Aufwärmen, dafür reicht es“, sagt der Student der Wirtschaftswissenschaften, der mittlerweile in Oberried bei Freiburg lebt.

Eine Wissenschaft für sich ist mitunter auch die Punktejagd auf den Schanzen und in den Loipen. Ein wichtiger Aspekt dabei: die Suche nach dem perfekten Material. „Im Sommer habe ich den Schuh gewechselt. Das hat ein bisschen gedauert, bis der funktioniert hat“, berichtet Faißt, der neben den persönlichen Ambitionen mit dem deutschen Team vor allem einem Auftrag nachgeht.

Die Lücke zum Überflieger des vergangenen Winters, dem Norweger Jarl Magnus Riiber, soll möglichst geschlossen werden. Dessen Teamkollegen sowie einigen Athleten aus Österreich, Finnland und Japan schwebt Ähnliches vor.

Online-Yoga für eine bessere Beweglichkeit

Für große Sprünge, im deutschen Lager zuletzt Mangelware, soll nach dem Abgang von Ronny Ackermann ein neuer Spezialtrainer sorgen. „Er bringt viel Erfahrung und eine andere Perspektive mit“, sagt Faißt über den früheren Skispringer Heinz Kuttin aus Österreich. Und für eine bessere Beweglichkeit treffen sich die Athleten seit dem Frühjahr regelmäßig zum Online-Yoga.

Ob’s geholfen hat, erfahren Faißt und Co nun im Norden Finnlands, wo sie in Hütten wohnen und das Essen vom eigenen Koch zubereitet wird. Zudem sollen regelmäßige Tests das Corona-Risiko minimieren. Zuschauer wird es zwar nicht an Schanze und Strecke, dafür aber im Fernsehen geben. „Wenn die Leute mehr zu Hause sind, ist die Quote vielleicht sogar höher als sonst“, spekuliert Faißt.

Frauen-Premiere in der Kombination erst einmal verschoben

Danach schauen die Freunde der Nordischen Kombination aber teilweise in die Röhre. Der Weltcup im norwegischen Lillehammer (4. bis 6. Dezember) wurde verlegt, die beiden Rennen in Otepää/Estland (2. und 3. Januar) gar komplett abgesagt. Ausgerechnet bei diesen beiden Stationen sollten auch erstmals die Frauen zum Zuge kommen.

Ob das Kombi-Abenteuer für Svenja Würth, die wie Faißt für den SV Baiersbronn startet, und ihre Kolleginnen erst bei der WM oder doch schon vorher beginnt? Wie so vieles in diesem Winter: ungewiss.

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