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Beide weit abgeschlagen

So reagieren die badischen Geher Dohmann und Seiler auf den Olympia-Triumph ihres Teamkollegen

Jubel und Frust lagen bei den deutschen Olympia-Gehern über die 50 Kilometer nah beieinander. Während Jonathan Hilbert seine völlig unerwartete Silbermedaille feierte, lief der Wettkampf für die beiden Mittelbadener Carl Dohmann und Nathaniel Seiler nicht wie erhofft.

Badisches Olympia-Duo: Die Geher Carl Dohmann und Nathaniel Seiler (rechts) verfehlten in Sapporo über die 50 Kilometer ihre Ziele. Foto: Jan Hübner/imago images

Nathaniel Seiler blieb beim Silber-Coup von Jonathan Hilbert in Sapporo nur die Rolle des Statisten. Genau in jenem Moment, als sein Mannschaftskollege nach 50 Kilometern überraschend als Zweiter die Ziellinie überquerte und dem deutschen Geher-Team die erste Olympia-Medaille seit 1992 über diese Distanz bescherte, ging der 25-jährige Athlet vom TV Bühlertal wenige Meter entfernt auf seine nächste Runde.

„Ich habe es schon wahrgenommen“, berichtet Seiler, der rund 25 Minuten später das Ziel erreichte und dort wegen der Erschöpfung zwischenzeitlich im Rollstuhl saß.

„Ich hatte starke Krämpfe und Kreislaufprobleme. Mir war sehr schwindelig“, berichtete der Hauenebersteiner Seiler, der mit seinem 42. Platz und der Zeit von 4:15:37 Stunden keinesfalls zufrieden war, aber trotzdem stolz, bei seiner Olympia-Premiere das Ziel erreicht zu haben.

Ich hatte starke Krämpfe und Kreislaufprobleme.
Nathaniel Seiler, Geher vom TV Bühlertal

„Mir hat einfach die Frische gefehlt nach vier 50ern seit vergangenem Oktober, das steckt man nicht einfach weg.“ Mehrfach musste Seiler auf der zwei Kilometer langen Pendelstrecke im Odori Park stehenbleiben, um sich zu dehnen, damit es mit der Kniestreckung regelkonform funktionierte.

Carl Dohmann aus Baden-Baden ergeht es nicht viel besser

Nicht viel besser erging es Seilers Trainingspartner Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden). Zwar erreichte der 31-Jährige im Gegensatz zu seiner ersten Olympia-Teilnahme in Rio 2016 diesmal das Ziel, allerdings in 4:07:18 Stunden nur auf dem 33. Rang im Feld der insgesamt 59 Starter.

Ich werde aus meinen Fehlern lernen und verspreche, dass ich es besser mache.
Carl Dohmann, Geher vom SCL Heel Baden-Baden

„Ich habe das Wetter, das mir entgegenkommt, nicht nutzen können. Ich habe mich taktisch gut eingestellt, mich gut gekühlt und bin nach Puls gegangen. Eigentlich war alles richtig“, sagte Dohmann, der bei der Hitze-WM in Doha (Katar) vor zwei Jahren mit dem siebten Platz geglänzt hatte. Die Gründe für den enttäuschenden Wettkampf will er gemeinsam mit Trainer Robert Ihly analysieren und dann wieder angreifen. „Ich werde aus meinen Fehlern lernen und verspreche, dass ich es besser mache“, kündigte Dohmann selbstkritisch an.

Bei aller Enttäuschung über das eigene Abschneiden freuten sich die beiden badischen Geher freilich über den Triumph ihres Mannschaftskameraden Hilbert (Erfurt). „Ich gratuliere ihm von ganzem Herzen, er hat es sich verdient“, sagte Dohmann. Seiler hätte diese Medaille „nie im Leben“ erwartet. „Ich bin stolz auf Jonathan. Wir kennen uns schon sehr lange und sind seit 2013 gemeinsam auf Wettkämpfen.“

Mittelbadische Geher sind Helfer beim Marathonlauf der Frauen

Wenige Stunden nach seiner Zielankunft unterstützte Dohmann noch seine Teamkollegin Saskia Feige, die über die 20 Kilometer vorzeitig ausstieg, am Streckenrand. Seiler verfolgte den Frauen-Wettkampf in seinem Hotelzimmer.

Am Samstag ist das badische Duo noch als Helfer beim Marathon der Frauen eingeteilt. „Wir werden die Getränke reichen“, sagt Dohmann. Danach geht es nach Tokio, wo die beiden eventuell bei der Schlussfeier dabei sind, ehe am Montag der Rückflug nach Deutschland folgt.

In der Heimat sind Dohmann und Seiler am 26. September in Aktion zu sehen, wenn in Baden-Baden die süddeutschen Meister im Bahngehen gekürt werden.

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