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Fußball-Oberliga

Beim 1. FC Bruchsal glaubt keiner mehr an eine lange Saison

29 Spiele stehen in der unterbrochenen Oberliga noch aus. Beim 1. FC Bruchsal glaubt man aber höchstens noch an die Vollendung der Hinrunde. Alles andere wäre unverantwortlich, findet Sportvorstand Michael Grub.

Bezieht Stellung: Michael Grub (Mitte), der Sportvorstand des Fußball-Oberligisten 1. FC Bruchsal. Foto: Simone Kochanek

Michael Grub vom 1. FC Bruchsal bezeichnet sich selbst als einen „Fußballverrückten par excellence“. Mehr als 33 Jahre engagiert sich der Sportvorstand des Oberligisten bereits im Ehrenamt. Zeiten wie diese, in denen sich Prioritäten und ganze Sichtweisen verschieben, hat aber er noch nicht erlebt.

„Wenn da heute noch einer auf der Arroganzwelle schwimmt und behauptet, es gebe auf dieser Welt nichts Wichtigeres als Fußball, fehlt mir jedes Verständnis. Es gibt Leute da draußen, die ganz andere Sorgen haben“, sagt er.

Der Verband kann auch nicht Blinde sehend und Lahme gehend machen.
Michael Grub, Sportvorstand des 1. FC Bruchsal

Und obgleich auch in Bruchsal niemand mit Sicherheit sagen kann, wie es in den kommenden Wochen mit der pausierenden Oberliga weitergeht, nimmt Grub die oft kritisierten Fußballverbände in Schutz. Fakt sei doch, dass am Ende nicht ein Verband, sondern die Politik in Berlin und Stuttgart entscheide. „Der Verband kann auch nicht Blinde sehend und Lahme gehend machen. Er muss sich an die gesetzlichen Richtlinien halten“, erklärt er.

Nicht nur beim Fußball, sondern auch in vielem anderen Verbänden herrsche eine weitverbreitete Angst vor Regressansprüchen. Und die verhindere an vielen Stellen, dass das Bedürfnis vieler Vereine nach einer Führung durch die Krise nicht befriedigt werden könne. „Es braucht jetzt Menschen, die den Mut haben, notwendige Entscheidungen zu treffen und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen“, ist Grub überzeugt und erinnert sich spontan an einen Satz des früheren FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle: „Auf jedem Schiff, dass dampft und segelt, gibt es einen, der es regelt - und das bin ich“.

Der 1. FC Bruchsal ist bislang gut durch die Krise gekommen

Beim Oberliga-Neuling seien mit diesem „Ich“ der sportliche Leiter Benjamin Schäfer und er selbst gemeint. Dass der 1. FC Bruchsal bislang den Umständen entsprechend gut durch die Corona-Krise gekommen ist, führt Grub vor allem auf das verantwortungsvolle Wirtschaften zurück. „Ich bin auch allen Beteiligten dankbar, dass sie im Sinne des Vereins sich richtig verhalten und auch gehandelt haben“, sagt er.

In Corona-Zeiten habe man weniger Einnahmen, da können die Ausgaben so wie sonst nicht funktionieren. „Das muss jeder verstehen und das haben unsere Jungs auch alle verstanden“, betonte er. Im Gegensatz zu anderen Clubs könnten die Bruchsaler bei Bedarf sogar noch personell reagieren.

Amateursport steht in der Reihe weit hinten, wenn es um Öffnungen geht

Dass die ausstehenden 29 Spiele der Oberliga noch absolviert werden, hält Grub dagegen für ausgeschlossen. Zumal ein Spielbetrieb kaum vor dem April denkbar sei.

Als viel wahrscheinlicher sieht daher ein anderes Szenario an: Die restlichen neun Spiele der Hinrunde werden noch absolviert und die Runde danach abgebrochen. „Denn vernünftigerweise kann man nur eine Sichtweise haben, die das große Ganze berücksichtigt“, glaubt er. Und da könne man niemanden verkaufen, dass im Sport alles normal weiterlaufe, wenn Kinder nicht in die Schule gingen und die Leute Kurzarbeit machten. „Das müssen alle verstehen. Und wenn das jemand nicht versteht, dann erkläre ich ihm das auch gerne einmal unter vier Augen“, fügt er hinzu.

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