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November-Blues beim Tischtennis-Bundesligisten

Beim ASV Grünwettersbach schlägt Corona ins Kontor

Tischtennis-Bundesligist ASV Grünwettersbach macht Corona schwer zu schaffen. Die Einnahmen brechen weg, weshalb Nationalspieler Dang Qiu den Pokalsieger wohl verlassen wird.

Fokussiert: Nationalspieler Dang Qiu ist eine feste Größe beim Tischtennis-Bundesligisten ASV Grünwettersbach. Ob der 24-Jährige auch in der nächsten Saison für die Karlsruher spielt, ist fraglich. Foto: Oliver Hurst GES/Oliver Hurst

Auch eine Woche nach der unnötigen 1:3-Niederlage beim TSV Bad Königshofen ist die Enttäuschung beim Tischtennis-Bundesligisten ASV Grünwettersbach noch nicht überwunden.

„So etwas darf einfach nicht passieren, diesen zwei Punkten jammern wir noch lange hinterher. Auch weil unsere nächsten Spiele schwieriger werden“, sagt Manager Martin Werner mit Blick auf die Partien am 29. November in Ochsenhausen und am 4. Dezember im Heimspiel gegen Werder Bremen.

Schwierige Vertragsverhandlungen nach Einnahmeausfällen

Dass den amtierenden Pokalsieger nach einem viel versprechenden Saisonstart und dem erneuten Einzug ins Final Four des Cup-Wettbewerbs ein veritabler November-Blues erfasst hat, liegt aber nicht nur an der „abgrundtief schlechten Leistung“ (Werner) des aktuellen Tabellenvierten am vergangenen Sonntag bei den Franken.

Die durch Corona weggebrochenen Einnahmen sind es, die den ASV-Verantwortlichen aufs Gemüt schlagen - und die sich auch auf die aktuell laufenden Vertragsverhandlungen auswirken.

Borussia Düsseldorf ködert Dang Qiu

So ist die Hoffnung im Höhenstadtteil gering, Nationalspieler Dang Qiu über die laufende Saison hinaus am Karlsruhe Institute of Table Tennis (KITT) halten zu können. „Das wird sehr schwer“, weiß Werner. Der 24-Jährige, Nummer 52 der Weltrangliste und Olympiakandidat für das Doppel, habe durch seinen Triumph bei den Portugal Open und dem Gesamtsieg bei der Corona-Turnierserie auch und gerade das Interesse beim Krösus Borussia Düsseldorf geweckt.

Da der gebürtige Nürtinger ohnehin in der NRW-Landeshauptstadt wohnt, dort mit den Nationalspielern trainiert und vom Rekordmeister mehr an harter Währung geboten bekommt als vom ASV, kann Grünwettersbach im Duell um die Dienste des zuverlässigen Punktesammlers höchstens noch mit weichen Faktoren punkten.

„Bei uns ist der Druck nicht so hoch und er kann sich besser weiterentwickeln“, meint Werner. Er will Dang in den nächsten Tagen mangels Planungssicherheit „ein vages Angebot“ machen.

Großes Loch im Etat

Weil der ASV bei seinen Heimspielen wegen der Hygieneauflagen allenfalls ein Drittel der Zuschauerkapazität nutzen kann, entsprechend geringer die Einnahmen durch den Verkauf von Speisen und Getränken ausfallen und auch Sponsoren über Umsatzeinbußen klagen, setzt der Club auf eine Überweisung aus dem 200-Millionen-Euro-Topf des Bundes für in Not geratene Profivereine.

„Wenn der Antrag durchgeht, ist zumindest wieder etwas Geld in der Kasse. Wie lange es dann reicht, muss man sehen“, sagt der Manager der GmbH und fügt mit leicht neidischem Zungenschlag hinzu: „Über ein Loch im Etat von mehreren 10.000 Euro würde sich ein Fußballverein totlachen.“

Nur wenig Betrieb im Tischtenniszentrum

Wie in vielen Bereichen des Lebens hinterlässt auch der neuerliche Lockdown weitere Spuren im Budget des Vereins. Weil aktuell nur Profis im zum Bundesstützpunkt aufgewerteten Tischtenniszentrum trainieren dürfen, einige Ausländer aufgrund der unterbrochenen Spielzeiten unterhalb der TTBL aber in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind und auch die Nachwuchsspieler nicht in die Halle können, gehen auch auf diesem ASV-Konto weniger Gelder ein. Nur die Hälfte der sonst zehn Tische sind derzeit aufgestellt.

Doch es gibt nicht nur negative Meldungen in diesen tristen Tagen. Zum einen habe der eine oder andere Sponsor in Aussicht gestellt, sein Engagement zu erhöhen. Und zum anderen: Während Dang Qiu mit einiger Wahrscheinlichkeit seine Abschiedssaison im ASV-Trikot spielt, kann Grünwettersbach wohl weiter auf den zuverlässigen Punktesammler Wang Xi bauen. „Er ist unser wichtigster Mann“, sagt Werner.

Er ist sich sicher, dass der 36-Jährige, der trotz seiner beiden verlorenen Einzel in Bad Königshofen immer noch Zweiter der TTBL-Saisonrangliste ist, seinen Vertrag als Spieler und als Co-Trainer dauerhaft verlängert.

Die Basis dafür hat der ASV geschaffen, indem er - wie von Wang Xi gewünscht - die aufstrebenden Kräfte Deni Kozul und Tobias Rasmussen langfristig an sich gebunden hat. Zudem steht im ASV-Kader ja der Südkoreaner Min Ha Hwang, der wegen Corona aber seine Heimat noch nicht verlassen konnte.

Ricardo Walther statt Dang Qiu?

Für den Fall von Dang Qius Abschied hat Werner den einen oder anderen Spieler als Ersatz im Auge. Weil Werners Tochter mehr als nur ein Auge auf den Düsseldorfer Ricardo Walther geworfen hat, wäre eine Rückkehr des früheren Publikumslieblings zum ASV nicht ganz fernliegend. Aber auch der aktuelle Deutsche Meister im Einzel weiß um seinen Marktwert.

„Es bleibt schwer. Aber es wird nicht passieren, dass wir die Hoffnung aufgeben, nachdem wir Pokalsieger sind, uns in der TTBL einen Namen gemacht und unser Tischtenniszentrum als Bundesstützpunkt aufgebaut haben“, sagt Werner kämpferisch.

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