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Planungssicherheit fehlt

Bisons Bühl ziehen sich aus Volleyball-Bundesliga zurück

Die Bisons Bühl spielen künftig nur noch Oberliga. Die Verantwortlichen haben keine Lizenz für die kommende Runde in der Volleyball-Bundesliga beantragt. Das hat vor allem finanzielle Gründe.

Aus und vorbei: Das Bundesliga-Volleyballteam der Bisons Bühl um Trainer Alejandro Kolevich (Mitte) und Manager Oliver Stolle (rechts) existiert nicht mehr. Foto: Thomas Steuerer

Die Nachricht wurde am Freitag um 10.21 Uhr von der Geschäftsstelle der Volleyball Bisons Bühl verbreitet. „Nun geht im Volleyball-Hexenkessel doch das Licht aus. Volleyball Bisons Bühl stellen keinen Lizenzantrag für eine weitere Saison“, lautete die Überschrift einer von Manager Oliver Stolle herausgegebenen Pressemitteilung.

Im Klartext heißt das: Das Kapitel Volleyball-Bundesliga in Bühl, das 2009 unter dem damaligen Macher Georgios Vlachojannis begonnen wurde, ist definitiv abgeschlossen.

Ich bin geschockt und sprachlos.
Florian Ringseis, bisheriger Bisons-Libero

„Ich bin geschockt und sprachlos“, sagte Florian Ringseis, der österreichische Libero und Bisons-Leistungsträger. „Eigentlich hatte ich am Telefon ein neues Vertragsangebot erwartet, stattdessen kam die Meldung vom Rückzug aus der Bundesliga“, so der Österreicher, der sich wie seine bisherigen Bühler Mannschaftskameraden Niklas Kronthaler und Mathäus Jurkovics derzeit in der Nähe von Wien mit der Nationalmannschaft auf das anstehende European-Silver-League-Turnier vorbereitet.

Ringseis: „Die Entwicklung ist schade, denn ich habe mich in Bühl sehr wohlgefühlt. Ich bin schon etwas überrascht, weil die Zeichen eher auf die Fortsetzung des Bundesliga-Spielbetriebs hindeuteten.“

Den Bisons-Verantwortlichen macht er aber keine Vorwürfe. „Sie werden in dieser schwierigen Situation wissen, weshalb sie sich so entschieden haben. Außerdem ist es besser, die Karten nach der Saison auf den Tisch zu legen als abzuwarten und dann während der laufenden Runde mit den daraus resultierenden negativen Folgen Schluss zu machen.“

Bisons Bühl wenden 2016 drohenden Konkurs ab

Dass finanzielle Probleme von Beginn an ein Begleiter des Abenteuers Bundesliga waren, ist kein Geheimnis. Schon einmal, im Jahr 2016, stand das Projekt Erstliga-Volleyball in Bühl vor dem Aus. Nur unter größten Kraftanstrengungen konnte der drohende Konkurs damals abgewendet werden.

Was wiederum nicht bedeutete, dass der Verein danach auf Rosen gebettet war. Die Corona-Pandemie verschlechterte die Situation noch. Schon vor der vergangenen Runde zogen sich Sponsoren zurück. Der Etat musste heruntergefahren werden.

Obgleich zu Beginn der Saison 2020/21 der spätere deutsche Meister Berlin geschlagen und am Ende der Hauptrunde der Einzug in die Play-offs geschafft wurde, waren die Aussichten für 2021/22 keineswegs positiver. Im Gegenteil. Die Entscheider sahen sich letztlich mit zu vielen Fragezeichen konfrontiert.

Es wäre unseriös, unter diesen Umständen eine Lizenz zu beantragen.
Achim Kammerer, Geschäftsführender Gesellschafter der Bisons

„Wir waren nicht in der Lage, ein Budget aufzustellen, das uns die Sicherheit gegeben hätte, die nächste Runde zu überleben. Es fehlte die Planungssicherheit und die drohende Gefahr einer Insolvenz im laufenden Spielbetrieb wäre vorhanden gewesen“, sagt Oliver Stolle.

Und: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht und über alle möglichen Lösungsansätze nachgedacht, wie wir die Bundesliga seriös stemmen können. Ohne Ergebnis. Das wurde in der Gesellschafterversammlung auch so besprochen, bevor dann der Rückzug beschlossen wurde.“

Für Achim Kammerer, Geschäftsführender Gesellschafter der Volleyball Bisons, ist klar: „Es wäre unseriös, unter diesen Umständen eine Lizenz zu beantragen.“ Vor diesem Hintergrund sei man auch nicht in der Lage, ein konkurrenzfähiges Team in der Bundesliga zu stellen.

Stolle, der nach eigener Aussage „schon die ein oder andere Träne in den Augen hat“, verdeutlicht derweil, dass der Rückzug aus dem Profigeschäft nicht das Aus des Volleyballs beim TV Bühl ist. „Wir machen im Amateurbereich weiter wie bisher.“ So wird die zweite Männer-Mannschaft nach Lage der Dinge künftig als erste Garnitur des TV Bühl in der Oberliga ins Rennen gehen.

Bisons Bühl beantragen „Wildcard“ für Regionalliga

Wobei es nicht ausgeschlossen ist, dass das Team in der nächsten Saison per „Wildcard“ in der viertklassigen Regionalliga antritt. „Wir haben jedenfalls beim Verband unser Interesse dafür angemeldet und müssen jetzt abwarten, wie sich die Situation in den einzelnen Ligen entwickelt“, so Stolle.

Der Profibereich wird indes aufgelöst, die GmbH liquidiert. Die Spieler der bisherigen Bühler Bundesligamannschaft um Trainer Alejandro Kolevich müssen sich nach anderen Vereinen umschauen.

Beim TV Bühl, der unter dem ehemaligen Chefcoach Ruben Wolochin in seinen Glanzzeiten jeweils zweimal im DVV-Pokalendspiel und im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft stand, sowie denkwürdige Auftritte im Europapokal (Saloniki, Paris, Toulouse, Zwolle) absolvierte, haben sie keine Zukunft.

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