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DM-Silber eingeheimst

Constantin Preis aus Pforzheim macht den 400-Meter-Spezialisten Beine

Normalerweise ist er auf den 400 Metern Hürden zuhause – doch zuletzt zeigte der Pforzheimer Constantin Preis, dass in der Halle auch auf der Flachstrecke mit ihm zu rechnen ist. Sein nächster Halt? Die Hallen-Europameisterschaft in Polen.

Voll fokussiert: Nur ein Wimpernschlag fehlte Hürdenspezialist Constantin Preis am Sonntag bei der Deutschen Hallen-Meisterschaft in Dortmund zum Titel über die 400-Meter-Flachstrecke. Foto: Eibner-Pressefoto/Kohring

Enttäuscht war er schon, das gibt Constantin Preis zu. Zwei Hundertstelsekunden hatten ihm, dem Hürdenspezialisten, am Sonntag zum deutschen Meistertitel in der Halle über 400 Meter flach gefehlt. Ein Wimpernschlag, in Echtzeit mit bloßem Auge nicht zu erkennen. In der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle hatte man das Zielfoto bemühen müssen, um den Sieger, den neuen deutschen Hallen-Meister, küren zu können.

Es war eine Entscheidung von wenigen Zentimetern, die am Ende Lokalmatador Henrik Krause (LG Olympia Dortmund) in 47,03 Sekunden den Titel bescherte. Der Pforzheimer Preis, der seit 2018 für den VfL Sindelfingen startet, wurde in 47,05 Sekunden Zweiter, gefolgt von Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz), der die Ziellinie nach 47,15 Sekunden überquert hatte.

Preis qualifiziert sich schon im Vorlauf für die Hallen-EM

„Man geht in jedes Rennen, um Gold zu gewinnen“, sagt Preis auch noch am Dienstag. Und wenn ihm jemand vor einigen Wochen Silber angeboten hätte? „Das würde ich nie unterschreiben“, meint er.

„Natürlich muss man realistisch sein: Wenn ich zur Europameisterschaft mit der 19. Zeit anreise, ist die Enttäuschung weniger groß, wenn ich nicht vorne lande. Bei der DM war das jetzt anders. Ich wusste, dass ich die Zeiten laufen kann, um vorne zu sein. Wenn man 400 Meter Hürden schnell laufen möchte, muss man sie auch flach schnell laufen.“

Man geht in jedes Rennen, um Gold zu gewinnen.
Constantin Preis, Leichtathlet des VfL Sindelfingen

Dass er das kann, hatte der 22-Jährige bereits im Vorlauf bewiesen: In 46,81 Sekunden knackte er die Qualifikationsnorm zur EM, die in eineinhalb Wochen in Torun (Polen) steigt. Es war die beste Zeit über 400 Meter, die in Dortmund gelaufen werden sollte, außerdem eine neue persönliche Bestleistung für Preis.

„Da muss man aber auch sagen, dass meine Bestleistung davor sehr schlecht war. Im Training hatte ich schon deutlich bessere Leistungen gezeigt und war deshalb darauf vorbereitet, vorne mitlaufen zu können.“

Pforzheimer nimmt vieles mit aus dem DM-Finale

In der Halle wird über die 400 Meter allerdings mächtig taktiert: Während unter freiem Himmel eine Stadionrunde gelaufen wird, sind es in der Halle zwei Runden. „Ich hatte da einfach noch überhaupt keine Erfahrung“, sagt der Pforzheimer, „da wurde ich ein bisschen ausgebremst.“

Es hätte Chancen gegeben, die Führung im Lauf zu übernehmen, „die habe ich aber zu spät realisiert“, erklärt er. Viel Zeit zum Überlegen gäbe es ohnehin nicht, das sei Instinkt. „Ich habe dann auch gleich reagiert, da war das Momentum aber schon vorbei.“ Die Innenbahn war belegt, Preis musste den weiteren Weg wählen – und der endete mit der Silbermedaille. „Inzwischen habe ich das abgehakt und daraus gelernt, kann das rational betrachten“, sagt er.

Neue Ziele für den nächsten Höhepunkt

Sein Blick richtet sich nun voll und ganz auf die EM in Polen. Bereits am Sonntag wird der Pforzheimer nach Berlin reisen. „Wir machen dort nochmal ein Mini-Trainingslager und gehen in die coronabedingte Blase, in der wir nur noch unter uns sind und getestet werden“, berichtet Preis.

Von dort aus wird es dann mit dem Bus gute sechs Stunden nach Torun weitergehen, bevor am Freitagmorgen (5. März) der Vorlauf über die 400 Meter ansteht.

International sind die 400 Meter flach nochmal eine ganz andere Ebene. Ich werde dort mit Sicherheit der Unerfahrenste im Feld sein.
Constantin Preis, Leichtathlet des VfL Sindelfingen

Den, sagt Preis, wolle er auf jeden Fall überstehen, „da werde ich wieder alles reinpacken. Wenn ich dann meine persönliche Bestzeit nochmal angreifen könnte, Richtung 46,5 Sekunden, wäre das gut“. International, auch das betont er, seien die 400 Meter flach „nochmal eine ganz andere Ebene. Ich werde dort mit Sicherheit der Unerfahrenste im Feld sein“, so Preis.

Die Chancen, auch noch den Einzug ins Finale zu schaffen, stünden bei 50:50 – schließlich würden in der Halle Körperkontakt und Taktik vieles beeinflussen. „Da kann auch ein Favorit mal nicht vorne landen“, sagt er. In Sachen Taktik hat er bei der DM ja schon jede Menge gelernt – und vielleicht wird er genau deshalb in Torun auch das Momentum auf seine Seite ziehen können.

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