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Über Gran Canaria nach Japan

Die mittelbadischen Geher Dohmann und Seiler arbeiten an ihrer Olympia-Form

Nicht Tokio, sondern Sapporo heißt das Sehnsuchtsziel von Carl Dohmann und Nathaniel Seiler. Denn dort kämpfen im Sommer 2021 die Geher um Olympia-Medaillen. Das mittelbadische Duo muss sich dafür erst noch qualifizieren.

Training in der Sonne: Die mittelbadischen Geher Nathaniel Seiler und Carl Dohmann (rechts) bereiten sich auf Gran Canaria bei frühlingshaften Temperaturen auf die Olympia-Qualifikation vor. Foto: Enrico Zessin

Wo sonst Urlauber besonders aus England und Deutschland mehr oder weniger bekleidet durch die Dünen schlendern, feilen Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden) und Nathaniel Seiler (TV Bühlertal) an ihrer Form für die Olympischen Spiele.

Im Trainingslager in Maspalomas sind die natürlichen Schönheiten der Kanaren-Insel Gran Canaria für die beiden 50-Kilometer-Spitzengeher aus Mittelbaden nur am Rande interessant.

„Es sind nur wenige Touristen hier, das Training ist gut. Wir können froh sein, dass wir hier trainieren dürfen. Das Wetter ist besser als in Deutschland“, fasst Dohmann die Lage zusammen. Seit dem 3. März weilt das Duo in einer Corona-Blase zusammen mit den 20-Kilometer-Spezialisten Christopher Linke (SC Potsdam) und Leo Köpp (LG Nord Berlin) sowie dem Bundestrainer Ronald Weigel auf den Kanaren, die Rückkehr in die Heimat ist für den kommenden Mittwoch vorgesehen.

Es sind nur wenige Touristen hier, das Training ist gut.
Carl Dohmann, Geher vom SCL Heel Baden-Baden

Bei etwas mehr als 20 Grad stand in der ersten Woche ein umfangreiches Programm auf dem Trainingsplan. „Am Anfang haben wir ordentlich Kilometer gemacht“, berichtet Dohmann angesichts eines Pensums von 230 Kilometern. „In der zweiten Woche haben wir den Umfang ein bisschen reduziert und die Geschwindigkeit erhöht, um die fehlenden Höhentrainingslager zu kompensieren.“

Trainingslager in der Höhe derzeit unmöglich

Bereits im Januar weilten Dohmann und Seiler auf Gran Canaria, das wegen seiner Lage auf Meereshöhe nicht der beste Vorbereitungsort für Ausdauersportler ist. Doch Höhentrainingslager wie in Mexiko oder Südafrika sind seit gut einem Jahr coronabedingt nicht möglich. Zuletzt waren die beiden Mittelbadener im März 2020 in Südafrika, die Rückreise gestaltete sich nach dem Virus-Ausbruch in Europa dann schwierig.

So richtig einzuschätzen ist der Leistungsstand momentan kaum. Seit der Weltmeisterschaft 2019 in Doha (Katar), als Dohmann den siebten Platz erreichte und Seiler bei extremen Bedingungen aufgeben musste, bestritt Dohmann nur drei Rennen, Seiler sogar nur zwei.

Fokus auf DM in Frankfurt am 10. April

Den Wettkampf am kommenden Samstag in Dudince (Slowakei) lassen Dohmann und Seiler bewusst aus. Die Situation sei mit Blick auf die Pandemie-Entwicklung zu unsicher, meint Dohmann.

Es gäbe wohl die Möglichkeit, dort ohne Quarantäne zu starten, doch der Fokus liegt nun auf einer anderen Qualifikationsoption für die Spiele in Japan: den deutschen Meisterschaften im Straßengehen in Frankfurt am 10. April (9.30 Uhr).

Oberstes Ziel ist dann die Erfüllung der Olympia-Norm, die über die 50 Kilometer bei 3:50 Stunden liegt. Seiler müsste dafür seine Bestzeit (3:54:08) deutlich verbessern, hält dies aber für nicht ausgeschlossen.

„Meine aktuelle Bestzeit bin ich 2018 bei 40 Grad in Berlin gelaufen“, erinnert er sich an seinen achten Platz im EM-Rennen. Zum Vergleich: Im langsamsten WM-Wettkampf reichten dem Japaner Yusuke Suzuki 2019 in Doha 4:04:20 zur Goldmedaille.

Fünf Kandidaten für drei Plätze

Voraussichtlich drei deutsche Geher sind über die in diesem Jahr letztmals olympische Geher-Langstrecke dabei. Die Norm erfüllt hat bisher nur Karl Junghannß (24 Jahre, LC Thüringen).

Weitere Mitbewerber von Dohmann (30) und Seiler (24) sind Jonathan Hilbert (25, LG Ohra Energie/Thüringen) und Hagen Pohle (29, SC Potsdam).

Alle sind auf einem Niveau, am Ende entscheidet der Kopf.
Nathaniel Seiler, Geher vom TV Bühlertal

„Alle sind auf einem Niveau, am Ende entscheidet der Kopf“, meint Seiler zur Ausgangslage. Wenn Dohmann die Norm erfüllt, ist er aufgrund seiner Vorleistungen sicher dabei. Enger wird es für Seiler. „Olympia ist schon sehr präsent, ich mache mir aber nicht so viel Druck“, sagt der Athlet aus Haueneberstein.

Süddeutsche Meisterschaften in Baden-Baden

Neben den deutschen Meisterschaften gibt es beim Team-Europacup am 16. Mai in Podebrady (Tschechien) eine weitere Gelegenheit zur Normerfüllung.

Zudem wollen Dohmann und Seiler die am 8. Mai in Baden-Baden (Aumattstadion) geplanten süddeutschen Meisterschaften im Bahngehen zum Test unter Wettkampfbedingungen nutzen.

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