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Nur Profis dürfen starten

Kleine Vereine leiden: Gemischte Gefühle bei Dressurreitern aus Waghäusel und Bretten

Es war eine lange Durststrecke für Reiter und ihre Pferde. In diesen Tagen gibt es wieder die ersten großen Reitturniere. Doch nur Kader-Athleten und Profis dürfen starten. Amateur- und Breitensportler müssen weiter zuschauen – mit Auswirkungen für die Tiere.

Zurück im Viereck: Dressurreiterinnen wie Annett Böhm aus Bretten durften zuletzt in Pforzheim nach längerer Durststrecke wieder im Wettkampf ran. Foto: Harry Rubner

Die wenigen Turniere, die derzeit stattfinden, sind völlig anders als man sie bisher kannte – und zwar für Ross und Reiter. Timo Kemmerer vom RFPZV Wiesental sagt: „Es ist ein ganz anderes Gefühl, momentan auf Turniere zu gehen.“

Annett Böhm, Mitglied beim RC Bretten, kann diesen Eindruck nur bestätigen: „Ohne die Zuschauer und ohne das Zwischenmenschliche hat ein Wettkampf eine ganz andere Qualität, der Spaßfaktor fehlt und es ist sehr unpersönlich.“

Dennoch freuten sich die beiden über die Pforzheimer Dressurtage, die im April nach einer langen Wettkampfpause mit einem hochkarätigen Starterfeld stattfanden: „Die Wiederaufnahme der Turniere ist sehr schön und es hat sich gut angefühlt, wieder an einem Wettkampf teilnehmen zu können“, blickt Kemmerer zurück.

Absagen der Turniere haben auch Einfluss auf die Pferde

Böhm, die in Pforzheim gleich in mehreren Prüfungen an den Start ging, stellt fest, dass die lange Unterbrechung mit den vielen Turnierabsagen auch einen Einfluss auf die Tiere hatte, wobei dieser je nach Alter sehr unterschiedlich ausfällt. „Bei den älteren Pferden ist die verlorene Zeit nicht bemerkbar, da sie auch reit-freie Zeiten wie die Winterpause bereits gewöhnt sind“, teilt Böhm mit.

Den Pferden fehlen die Erfahrungswerte.
Ulrich Burger, Vorsitzender des RV Oberderdingen

Für die jungen Pferde sehe es allerdings anders aus, was auch der Vorsitzende des RV Oberderdingen, Ulrich Burger, bestätigen kann: „Den Pferden fehlen die Erfahrungswerte, die wichtig für die Entwicklung und die Wettbewerbsfähigkeit sind.“ Und er ergänzt weiter: „Man benötigt die Wettkämpfe, damit die Reiter und die Pferde wissen, auf welchem Leistungsstand sie stehen.“

Entsprechend positiv schätzt auch Kemmerer aus Wiesental die Rückkehr in den Turnierbetrieb ein: „Es hat dem Pferd gut getan, wieder die Wettkampfbedingungen zu spüren“, schildert der Reiter. „Für die Reiter und die Pferde ist es wieder wichtig ein Ziel vor Augen zu haben, damit auf eine bestimmte Sache hingearbeitet werden kann.“

An Großveranstaltungen ist auch im Dressursport nicht zu denken

Doch nicht alle Reiterinnen und Reiter aus der Region genießen das Privileg, wieder an Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen. Bei Dressurtagen wie in Pforzheim oder auch beim Mannheimer Maimarktturnier, das in den vergangenen Tagen über die Bühne ging, waren ausschließlich Profis und Kader-Athleten zugelassen. Der Breiten- oder Amateursport muss sich weiter gedulden.

Ein Zustand, den auch Kemmerer bedauert. „Der Amateursport bleibt leider auf der Strecke und ich sehe in naher Zukunft auch keine Veranstaltungen der ländlichen Vereine“, stellt er mit Blick auf viele Vereinskollegen fest. Der Oberderdinger Clubchef Burger fügt hinzu: „Die Vereine haben derzeit keine Perspektive und an die Großveranstaltungen ist derzeit nicht zu denken.“ So hat beispielsweise auch der Reitverein Forst sein großes Pfingstturnier absagen müssen.

Vereine leiden sportlich und finanziell unter den Turnierabsagen

Nicht nur das Sportliche fehlt dem Breitensport, sondern auch der finanzielle Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Angefangen hat alles mit dem Startgeld für die Turniere, erzählt der Vorstand: „Während der Pandemie sind die Teilnahmegebühren für die Wettkämpfe gestiegen; für den Breitensport ist es fast unmöglich diese Gebühren zu stemmen und damit können die Vereine nicht an den Wettkämpfen teilnehmen.“

Burger erklärt: „Durch die fehlenden Turniere fehlen dem Amateursport bereits wichtige Einnahmen und manche Sponsoren werden auch verloren gehen, da man den langjährigen Kontakt nicht mehr aufrechterhalten kann.“

Weiter sagt er: „Aufgrund der fehlenden Sponsoren und der daraus fehlenden Unterstützung wird auch die Qualität und die Größe der zukünftigen Turniere leiden.“ Burger schaut trotz allem hoffnungsvoll in die Zukunft: „Wie es weiter geht, weiß keiner, aber irgendwie wird es immer weitergehen.“

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