Skip to main content

Verbandsliga

Mühlhausens modernes Fußballmärchen

Binnen zehn Jahren hat sich der 1. FC Mühlhausen von der A-Klasse in die Verbandsliga hochgearbeitet, die Sportanlage ist eine der schönsten im Kraichgau. Neben guten Führungspersonen, Kontakten und Konzepten profitierte der Fußballverein dabei auch von seiner geografischen Lage.

Sportlich ambitioniert: In der vergangenen Saison spielte der 1. FC Mühlhausen noch gegen Lukas Essig (links) und den TSV Kürnbach in der Landesliga. Im Sommer folgte der nächste Aufstieg. Foto: Jochen Blum

Noch vor zehn Jahren war der 1. FC Mühlhausen ein ganz normaler Dorfverein. Es gab einen Rasenplatz und ein baufälliges Clubhaus. In der Kreisklasse A Heidelberg ging es gegen den TSV Gauangelloch und den FC Hirschhorn, am Ende der Saison wurde die Mannschaft Neunter.

Doch dann begann der kometenhafte Aufstieg des Fußballclubs aus der 8.500-Gemeinde, die nur vier Kilometer von Östringen entfernt im Rhein-Neckar-Kreis liegt.

Wenn der 1. FC Mühlhausen nun am Sonntag um 16 Uhr den FC Kirrlach empfängt, geht es in der Verbandsliga zur Sache – und die Gastgeber werden als Tabellenvierter Favorit sein. Unterschätzt wird der Emporkömmling von niemandem mehr.

Dass sich der Club so toll entwickelte, hat nicht den einen Grund, es ist vielmehr ein Zusammenspiel aus guter Führung, starken Konzepten und nicht zuletzt auch dem Glück einer guten geografischen Lage. Kurzum: Es passte viel zusammen, kurz hinter der Grenze des Fußballkreises Bruchsal.

Großzügige Förderung von der Dietmar Hopp Stiftung

Und so blicken viele hiesige Vereine etwas neidisch hinüber in den Rhein-Neckar-Kreis und gerade nach Mühlhausen, wo mittlerweile eine der schönsten Sportanlagen der Region zu finden ist, inklusive eines neuen, schicken Clubhauses. Erst vor zwei Wochen wurde ein weiteres Trainingsspielfeld eingeweiht. Die Flutlichter am Stadion und um den auch noch nicht so alten Kunstrasenplatz wurden zudem auf LED-Technik umgestellt.

Die Dietmar Hopp Stiftung würdigte „die gute und nachhaltige Jugendarbeit des Vereins mit einem Investitionszuschuss von 500.000 Euro“, wie es in der Pressemitteilung hieß. Auch bei früheren Projekten war der 1. FC Mühlhausen schon großzügig von der Stiftung bedacht worden.

Im Verbandsliga-Vergleich ist unser Budget keinesfalls hoch.
Hans-Josef Hotz, Vorsitzender 1. FC Mühlhausen

„Man will uns manchmal so hinstellen, als würden wir von allen Seiten mit Geld zugeschüttet“, sagt der Vorsitzende Hans-Josef Hotz. Das sei aber mitnichten so. Für die Zuwendungen sei der Verein selbstverständlich dankbar.

Um in den Genuss solcher Förderung zu kommen, habe man beim 1. FC Mühlhausen auch viel Eigenleistung betrieben. Und der Spielbetrieb, vor allem bei den Männern in der Verbandsliga, wird natürlich aus relativ bescheidenen eigenen Mitteln finanziert.

Gute Infrastruktur: Um seinen Kunstrasenplatz wird der 1. FC Mühlhausen von vielen Konkurrenten beneidet. Jüngst wurde noch ein neuer Trainingsplatz eingeweiht. Foto: Simone Kochanek

Gute Kontakte zum FCA Walldorf zahlen sich aus

Geführt wird der Club neben Hotz, Vorsitzender des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg, noch vom Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Wiesloch, Karl Klein, dessen Sohn Christian Vorstandssprecher der SAP ist. So kommen auch die guten Verbindungen zum Regionalligisten FC Astoria Walldorf nicht von ungefähr.

In der Vergangenheit fanden zahlreiche Spieler wie Stürmer Christopher Hellmann oder Torhüter Jürgen Rennar den Weg ins nahegelegene Mühlhausen. Rund ein Dutzend der Verbandsliga-Spieler war schon für den FCA aktiv.

Hinzu kommen Fußballer wie der frühere KSC-Profi Thorben Stadler oder der treffsichere Routinier Michael Kettenmann, mit denen der sportliche Aufstieg kein Zufall ist.

Fokus in Mühlhausen liegt seit Jahren auf der Jugendarbeit

Die Basis für die gute Entwicklung wurde allerdings schon früher gelegt: mit einem guten Konzept bei der Jugendarbeit. In Kooperation mit der Kraichgauschule wird Förder- und Stützunterricht für Nachwuchsspieler angeboten, um den sich neben Mitgliedern auch Spieler der ersten Mannschaft kümmern.

Es gibt eine Zusammenarbeit mit dem Verein „Anpfiff ins Leben“, der nicht nur Talente gezielt fördert, sondern auch auf den Beruf vorbereitet. Außerdem ist Hotz als VdK-Vorsitzender die Inklusion sehr wichtig. All das habe erst dazu geführt, dass die Dietmar Hopp Stiftung auf den 1. FC Mühlhausen aufmerksam wurde und zur Förderung bereit war, findet Hotz. „Die Arbeit, die uns als Verein auch viel Geld kostet, zahlt sich so aus.“

So wuchsen mit der Anlage auch die fußballerischen Ansprüche. „Diese guten Voraussetzungen, auch bei der Infrastruktur, haben sich schließlich auf den sportlichen Bereich übertragen“, ist der Vereinsvorsitzende überzeugt.

Aus Wiesloch kam die ganze Frauenmannschaft nach Mühlhausen und führt mittlerweile die Verbandsliga-Tabelle an. Mit rund 300 Jugendlichen sind alle Nachwuchs-Mannschaften besetzt. Davon kann auch die Verbandsliga-Mannschaft in Zukunft zehren.

Mit den Erfolgen wächst auch der Neid

Dass dies auch Neider auf den Plan ruft, ist Hotz klar. „Da wird an Stammtischen von Summen berichtet, die unsere Spieler angeblich bekommen, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln“, sagt er. „Im Verbandsliga-Vergleich ist unser Budget keinesfalls hoch.“

Der VfR Mannheim oder der ATSV Mutschelbach, bei dem der 1. FC am vergangenen Wochenende mit 2:1 gewann, seien da in anderen Größenordnungen unterwegs. Was die Finanzierung des Spielbetriebs angeht, ist Mühlhausen ein Dorf geblieben und der Fußballclub ein Dorfverein. Mehr als ein paar Kleinbetriebe als Sponsoren gibt es nicht.

Trotz der guten sportlichen und infrastrukturellen Entwicklung betont Hotz: „Wir bleiben auf dem Teppich.“ Der Aufstieg in die Oberliga hat erst einmal keine Priorität. Denn eines sei gerade für einen Verein dieser Größenordnung besonders wichtig: „Gesund zu wachsen.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang