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In der Oberliga angekommen

Fußballer Max Kias vom 1. FC Bruchsal machte beinahe eine Karriere als Turn-Profi

Der 20-jährige Max Kias weiß, was er will. Fußballerisch ist der Verteidiger bestens ausgebildet, beim 1. FC Bruchsal will er in der Oberliga weiter dazulernen. Sein Idol ist ein ehemaliger Trainer, den er beim Karlsruher SC kennen- und schätzen lernte.

In Bruchsal angekommen: Max Kias fühlt sich nach Stationen bei Profivereinen auch in der eine Nummer kleineren Oberliga wohl. Foto: Simone Kochanek

Auf dem Platz ist Max Kias einer, mit dem gegnerische Stürmer Begegnungen gerne vermeiden. Trotz seiner nur 20 Jahre, ist der Linksverteidiger vom 1. FC Bruchsal ein bissiger Typ. Einer, der Zweikämpfe nur äußerst ungern verliert und in jedem Fall für seine Gegenspieler keinen gemütlichen Nachmittag verspricht.

Als Vorbild dafür hat er sich Zlatan Bajramović genommen. Unter dem derzeitigen Co-Trainer des Karlsruher SC trainierte zwei Jahre in der U19 des Clubs. „Der hat mir immer gesagt, gegen ihn habe keiner spielen wollen, weil er ein so unangenehmer Gegenspieler gewesen sei. Diese Mentalität habe ich mir versucht anzueignen“, erzählt Kias. Derzeit studiert er an der Dualen Hochschule Mannheim „BWL Industrie“.

Das lässt sich mit dem Training in Bruchsal gut vereinbaren. Ein Fakt, der Kias besonders wichtig ist. „Ich war schon immer jemand, der gesagt hat, Schule und Ausbildung gehen einfach vor“, betont er.

Als Jugendlicher musste sich Kias zwischen Turnen und Fußball entscheiden

Den ersten Teil seiner sportlichen Karriere startete er mit fünf Jahren als Turner bei der TSG Eintracht Plankstadt. Der führte ihn bis ins Leistungszentrum nach Mannheim und zum badischen Meistertitel. „Das Turnen hat mich sehr geprägt, was Disziplin und die ganzen Grundlagen angeht. Da ist es noch einmal deutlich fordernder als der Fußball“, findet Kias.

Das Turnen hat mich sehr geprägt, was Disziplin und die ganzen Grundlagen angeht.
Max Kias, Spieler beim 1. FC Bruchsal

Parallel habe er auch immer noch Fußball gespielt, musste sich aber entscheiden, als sich die Chance bot, mit dem älteren Jahrgang in die U12 der TSG Hoffenheim zu wechseln. „Mein Beweggrund war am Ende tatsächlich, dass mir Teamsport viel mehr gefallen hat als Einzelsport. Das ganze Mannschaftsgefüge lag mir sehr am Herzen. Dass man noch andere Teamkollegen hat, auf die man sich verlassen muss. Aber wo man sich trotzdem immer selbst mit einbringen muss“, erklärt er.

Knochenödeme in beiden Sprunggelenken zogen Kias dann dort fast zweieinhalb Jahre aus dem Verkehr. „Wenn man die ganze Zeit im Kraftraum sitzt und nur den Leuten beim Training zuschaut, ist das gerade für einen Jugendspieler schon nicht einfach“, räumt er ein. Er habe dann irgendwann beschlossen, zugunsten der Spielpraxis lieber einmal einen Schritt zurückzugehen, um wieder zwei nach vorne machen zu können.

So führte ihn sein Weg von Hoffenheim weiter über Sandhausen bis zum Karlsruher SC. Und mit einem erneuten Zwischenstopp in Sandhausen letztlich zum 1. FC Bruchsal in die Oberliga.

Augen zu und durch: Max Kias und der 1. FC Bruchsal stehen an diesem Wochenende vor einem sehr schweren Spiel. Foto: Harry Rubner

Dort entwickelte er sich binnen kürzester Zeit vom Perspektivspieler zu einem Spieler, über dessen Einsatz nachzudenken das Trainerteam um Mirko Schneider derzeit gar nicht mehr herumkommt. „Das ist doch das, was jungen Spieler machen müssen. Sich aufdrängen. Sich zeigen. Und auffällig sein. Außer man ist Schiedsrichter. Dann sollte man besser nicht auffallen“, findet Kias und lacht.

Kias lobt das gute Miteinander in einem familiären Verein

Was den 1. FC Bruchsal ausmacht, glaubt Kias schon nach wenigen Wochen erkannt zu haben. „Es ist nicht nur Mirko Schneider, der besonders ist. Es ist der gesamte Verein Bruchsal, der alles in einer Art familiärem Umfeld handhabt“, sagt er.

In Bruchsal wird noch ganz viel auf den Menschen geachtet.
Max Kias, Spieler beim 1. FC Bruchsal

Je weiter es bei ihm nach oben gegangen sei, desto mehr habe der Leistungsdruck im Vordergrund gestanden. Es sei einfach nur noch darum gegangen, Leistung oder keine Leistung abliefern. „In Bruchsal wird noch ganz viel auf den Menschen geachtet. Es ist ein sehr angenehmes Umfeld, in dem man sich spontan wohlfühlt“, erklärt er.

Auch er habe nicht lange gebraucht, um dort aufgenommen zu werden. Das Wohlfühlen, das Miteinander und das Team-Dasein sind nach seiner Ansicht das Geheimnis von Mirko Schneider und Bruchsal im Allgemeinen. „Nicht der Druck, sondern der Spaß steht im Vordergrund. Und deswegen kommt auch die Leistung“, glaubt er.

Am Wochenende kommt ein schwerer Gegner nach Bruchsal

Am Samstag (15.30 Uhr) wird er gegen den Tabellenzweiten Sport-Union Neckarsulm wohl wieder die linke Seite besetzen. „Wir müssen da unsere Mentalität auf den Platz bringen und zeigen, dass wir Kampfgeist haben. Auch wenn wir vielleicht spielerisch nicht so gut sind, wie die Top-Teams“, gibt Kias schonmal die Marschrichtung vor.

Sein Trainer Mirko Schneider sieht das ähnlich. „Das Positive, das ich aus den beiden letzten Oberligaspielen mitgenommen habe, war, dass wir trotz allem immer mehr als genug Chancen hatten. Und die kommen ja nicht vom Zufall, sondern die bedeuten, dass wir auch etwas richtig machen“, findet er und hat daher „Chancen nutzen“ zum Thema der Trainingswoche gemacht.

Den Gegner vom Neckar hat auch Co-Trainer Timo Böhmer bereits fest im Visier. „Eine homogene, eingespielte Oberligatruppe ohne überragende Einzelspieler“, weiß er. Keine, die „vor dem eigenen Tor einen Bus parkt“, sondern eher eine, die versuchen werde, selbst das Spiel in die Hand zu nehmen. Salvatore Muto wird nach seinem Urlaub dann wieder mit von der Partie sein. Und auch auf einen Einsatz von Roman Hajek, David Stjepanovic, Patrick Berecko und Kapitän André Walica (alle muskuläre Probleme) hofft man rund um das städtische Stadion in Bruchsal noch.

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