Skip to main content

Erneuter Saison-Abbruch

Handball-Clubs rund um Bruchsal und Bretten machen sich große Sorgen um den Nachwuchs

Nach dem erneuten Saison-Abbruch versuchen die Handball-Clubs, ihre Mitglieder mit originellen Ideen bei Laune zu halten. Gerade um ihre Jüngsten machen sich die Ehrenamtlichen aber zunehmend Sorgen. Es gibt auch Kritik an der Politik.

Saisonende: Bei den Handballern wird die zweite Spielzeit in Folge abgebrochen. Clubs befürchten, dass ihnen einige Spieler den Rücken kehren. Foto: Eibner/imago images

In diesen Tagen sind viel Fantasie und Einfallsreichtum gefragt, um den Laden und insbesondere auch die Vereinsmitglieder am Laufen zu halten. In der vergangenen Woche hat der Badische Handballverband (BHV) die Saison abgebrochen, was für die meisten nicht überraschend kam.

Der 13. März als spätestmöglicher Termin für einen Restart war nach der Lockdown-Verlängerung nicht mehr zu halten, zumal mindestens drei Wochen Vorbereitung vorgeschaltet sein sollten.

Wann überhaupt wieder Training möglich sein wird, ist aber auch nach der erneuten vorzeitigen Beendigung der Saison noch offen. Pflichtspiele sind jedenfalls vor Spätsommer, wenn die neue Runde beginnen soll, keine mehr zu erwarten.

Handballer rufen Corona-Challenge ins Leben

Und so bemühen sich die Clubs abseits von Videokonferenzen und Online-Training um originelle Formate, um die Spieler und Mitglieder bei Laune zu halten. „Als Verein stehen wir ja auch in der Pflicht“, sagt Olaf Schwaninger, Handball-Abteilungsleiter beim TV Büchenau.

Er und seine Kollegen hatten jüngst die sehr gut angenommene Corona-Challenge ins Leben gerufen, bei der die Spieler der ersten Mannschaft gegen alle anderen Vereinsmitglieder antraten und auf dem Rad, beim Joggen oder Walken Kilometer sammelten.

98 Sportlerinnen und Sportler brachten binnen sieben Tagen ganze 4.434 Kilometer zusammen. „Auch wenn die Idee aus einer Situation entstanden ist, die wir alle so nicht haben wollen, sind wir sehr stolz auf diese Leistung“, bilanzierte Schwaninger.

Sehnsucht nach sportlichem Wettkampf

Denn eines sagt der Büchenauer auch deutlich und stimmt damit mit all den Ehrenamtlichen aus den anderen Vereinen überein. Solche Aktionen sind schön und gut, sie ersetzen aber nicht den sportlichen Wettkampf in der Halle, nach dem sich die Handballer so sehnen.

Dabei traf die Entscheidung zum Saisonabbruch allerorts auf Verständnis. „Es ist gut, dass wir wissen, wie es weitergeht“, ist beispielsweise Jürgen Förster, Vorstand Spielbetrieb bei der SG Heidelsheim/Helmsheim, froh über die gewonnene Planungssicherheit.

Das Vorgehen des BHV lobt er ausdrücklich: „Der Verband hat gute Vorgaben gemacht und einen klaren Fahrplan vorgegeben.“ Und demnach sei der Abbruch zum jetzigen Zeitpunkt eben konsequent und unvermeidlich gewesen.

Lob für den Verband – Kritik an Politik

Thiemo Faulhaber, Coach des Landesligisten SG Sulzfeld/Bretten, stimmt dieser Einschätzung zu. „Besser hätte man es unter diesen Umständen auch gar nicht machen können“, findet er. Versäumnisse sieht Faulhaber aber vielmehr bei der Politik, die dem Sport und damit auch den Handballern keinerlei Perspektiven biete. So müsse man sich auch nicht wundern, findet der Trainer, dass junge Spieler zu ihm sagten: „Um unsere Belange kümmert sich keiner.“

Faulhaber konkretisiert seine Sorgen um den Nachwuchs: „Wir haben talentierte Spieler, die jeglicher Entwicklungsmöglichkeiten beraubt wurden. Manche schaffen nach dieser langen Pause den Sprung zu höherklassigen Vereinen wahrscheinlich nicht mehr.“

Auch bei Handballern, die gerade vom Jugend- in den Herrenbereich gewechselt sind, was aus seiner Sicht einen großen Sprung darstellt, befürchtet Faulhaber einen massiven Schwund. „Jungen Spielern wurden Motivation und Ziele genommen“, fasst er zusammen.

Großes Fragezeichen besteht bei den Kindern

Gerade auch bei den ganz Kleinen fragen sich viele Nachwuchstrainer, ob alle nach der langen Pause wieder ins Training zurückkehren. Kinder seien virtuell schwerer zu erreichen als die Erwachsenen, findet SGHH-Vorstand Förster. Sie alle wieder an den Handball ranzuholen, sei eine große Herausforderung. „Wir brauchen hier dringend Öffnungskonzepte“, sagt Schwaninger vom TV Büchenau.

Die Zeit bis zum eigentlichen Neustart im September sei auch zu lang: „Da braucht es aus unserer Sicht Angebote durch den Verband, gerne auch draußen.“ Die Vereine hätten im vergangenen Spätjahr bewiesen, dass Hygienekonzepte möglich sind.

Bis es jedoch wieder losgeht, braucht es eben Fantasie. „Wir wollen weiterhin solche Impulse setzen“, sagt Schwaninger nach der gelungenen Corona-Challenge. Die Mitglieder und Sponsoren danken es. „Wir haben bislang eine große Solidarität erlebt“, berichtet der TVB-Abteilungsleiter.

nach oben Zurück zum Seitenanfang