Skip to main content

Mittelbadische Sportgeschichten

Handballer Björn Gerber aus Sinzheim hat sein Glück in Luxemburg gefunden

Björn Gerber, der beim BSV Phönix Sinzheim seine Handball-Karriere gestartet hat, fühlt sich derzeit sehr wohl in Luxemburg. Der 36-Jährige denkt dennoch, allein altersbedingt, an ein Karriereende. Dem Handball möchte er aber weiterhin verbunden bleiben.

Von Südbaden nach Luxemburg: In jungen Jahren warf Björn Gerber (Mitte) in der Willstätter Hanauerlandhalle seine Tore, seit 2010 ist der Spielmacher für den HC Berchem aktiv. Foto: Michael Heuberger

Zwei Träume hatte Björn Gerber von klein auf. Der Sinzheimer wollte zum einen Handball-Profi werden und zum anderen im Ausland spielen. Beide Wünsche sind in Erfüllung gegangen.

Der aus dem BSV Phönix Sinzheim hervorgegangene Mittelmann war hierzulande in Willstätt und Groß-Bieberau in der Zweiten Bundesliga aktiv, ehe er im Jahr 2010 seine Karriere in Luxemburg fortsetzte.

Dass es nicht mit einem Wechsel nach Spanien klappte, wie es sich Gerber erklärtermaßen ausgemalt hatte, und er im kleinen Großherzogtum hängen blieb, erwies sich letztlich als Glücksfall. HC Berchem statt FC Barcelona – der 36-Jährige kann gut damit leben.

Meister und Pokalsieger

In der 6.200 Einwohner zählenden Gemeinde Roeser im Süden Luxemburgs, in dem die Handballer des HC Berchem beheimatet sind, hat der Badener sein Glück gefunden – sportlich wie privat. Mit seiner Frau und den beiden Kindern hat er sich dort häuslich niedergelassen.

Wenn es sein muss, wird auch in Luxemburg im Handball mit harten Bandagen gekämpft, wie Björn Gerber (rechts) vom HC Berchem im Spiel gegen die Red Boys Differdingen zu spüren bekommt. Foto: HC Berchem

Mit den „Réiserbänner“, wie die HCB-Handballer genannt werden, hat er die luxemburgische Meisterschaft (2011) und den Pokal (2018) gewonnen. Ausgesprochen stolz ist er zudem darauf, dass im 18-Mann-Erstligakader seines Vereins acht Spieler unter 24 Jahren stehen, die er als Jugendtrainer ausgebildet und gefördert hat.

Sportliche Highlights auf europäischer Ebene

Dass er exakt 20 Spiele im Europapokal bestreiten konnte, alle fein säuberlich im eigenen Notizbuch aufgelistet, zählt er zu den persönlichen sportlichen Highlights. Europapokal der Pokalsieger, EHF-, Challenge- und European-Cup: Gerber sammelte internationale Erfahrung in Spielen gegen Vardar Skopje/Nordmazedonien, Balatonfüredi KSE/Ungarn, JMS Hurry-Up/Niederlande, Fyllingen Bergen/Norwegen, Ork Samot/Serbien, HC Zaporozhye/Ukraine, AEK Athen/Griechenland, HC Holon/Israel, Dicken/Finnland und zuletzt in Wien.

Kurz vor Weihnachten gastierte er mit seinem Team im European-Cup beim österreichischen Vertreter Insignis Westwien.

Training im Lockdown

Gerber berichtet: „Es waren schon komische Umstände. Wir durften coronabedingt den ganzen Dezember nicht in der Halle trainieren, nur Fitnesseinheiten per Zoom und individuelle Laufeinheiten waren erlaubt. Da in Luxemburg alles geschlossen war, haben wir uns mit den Wienern geeinigt, beide Spiele bei ihnen auszutragen. Wir konnten dort vorher noch vier Trainingseinheiten absolvieren.“

„Zum Einzug ins Achtelfinale hat es leider nicht gereicht“, sagt er. „Wir haben die Begegnungen mit 24:28 und 29:32 verloren. Dennoch war es nochmals cool für mich, zwei weitere Spiele im Europapokal zu absolvieren.“

Geplant ist, nach dieser Runde Schluss mit dem aktiven Handball zu machen.
Björn Gerber, Handballer des HC Berchem

Mittlerweile ist Gerber im Herbst seiner Laufbahn angekommen. „Ich spiele aktuell meine letzte Saison. Geplant ist, nach dieser Runde Schluss mit dem aktiven Handball zu machen. Mit 36 Jahren ist das auch okay und es gibt andere Aufgaben, bei denen ich mich mehr einbringen will.“

Zu tun gibt es einiges. „Ich arbeite für den Verein als Geschäftsstellenleiter, trainiere die B-Jugend des HC Berchem und bin für den Verband als Cheftrainer der U20/U21-Nationalmannschaft im Einsatz. Außerdem organisiere ich in Kooperation mit der Sportschule Luxemburg das handballspezifische Training mit den 15- bis 19-Jährigen“, sagt Gerber, der neben den Aktivitäten als Spieler und Trainer im Jahr 2012 sein Sportmanagement-Studium abgeschlossen hat.

Trainer-A-Schein erworben

Grundlage einer weiteren Tätigkeit könnte der Trainer-A-Schein sein, den Gerber unter der Federführung des Deutschen Handball-Bundes in der Saison 2019/20 erworben hat. Möglicherweise wird aber auch das Arbeitsfeld beim HC Berchem erweitert.

Der Verein hat jedenfalls signalisiert, dass man weiterhin mit dem Deutschen, der seit 2016 auch die luxemburgische Staatsangehörigkeit besitzt, zusammenarbeiten und das Engagement gegebenenfalls ausbauen möchte.

Fokus auf die laufende Saison

Noch ist es aber nicht soweit. Zunächst gilt die Konzentration der laufenden Saison 2020/21 in der Nationaldivision (AXA League), die Gerber vom Niveau her auf eine Stufe mit der Dritten Liga in Deutschland stellt. Mitte November wurde der Spielbetrieb gestoppt, Anfang Februar ging es wieder weiter.

Sieben Partien hat der HC Berchem bislang absolviert. Mit fünf Siegen, einem Remis und einer Niederlage belegt das Team hinter HB Esch und Red Boys Differdange den dritten Platz. Zudem steht man im Pokal-Halbfinale.

Was ist möglich für den HC Berchem? Wie zu Beginn seiner Laufbahn hat Björn Gerber auch im für einen Leistungssportler fortgeschrittenen Alter einen Traum: „Egal, was noch kommt, kann ich auf eine für mich unfassbar tolle und unvorstellbare Karriere mit vielen wertvollen Erfahrungen und aufregenden Bekanntschaften zurückblicken. Ein Titelgewinn zum Abschluss, ob in der Meisterschaft oder im Pokal – das wäre natürlich top.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang